{"id":3997,"date":"2022-01-12T19:37:44","date_gmt":"2022-01-12T18:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3997"},"modified":"2022-01-12T19:37:44","modified_gmt":"2022-01-12T18:37:44","slug":"album-der-woche-102","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2022\/01\/12\/album-der-woche-102\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Bands, die haben in einer langen Karriere so viele gute Alben gemacht, dass es schwer wird sich f\u00fcr eins zu entscheiden. Und damit ich nun nicht jeden Monat die gleiche Band abfeiere fassen wir das diese Woche mal etwas zusammen. Der Anlass ist zwar eher traurig, das macht aber nix.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor ziemlich genau zwei Jahren starb Neil Peart, Schlagzeuger und Texter von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rush\">Rush<\/a>. Der Mann war bereits zu Lebzeiten eine Legende und deswegen besch\u00e4ftigen wir uns heute mal mit einer Auswahl aus fast 40 Jahren Bandgeschichte, die in diesem Jahr Jubil\u00e4ums-Geburtstage feiern.<\/p>\n<p>Den Anfang macht &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/A_Farewell_to_Kings\">A Farewell To Kings<\/a>&#8220; von 1977. Das Album war der Nachfolger des kommerziell erfolgreichen &#8222;2112&#8220; und markiert eine stilistische Ver\u00e4nderung im Sound der Band. Bis dahin war die Instrumentierung relativ spartanisch gehalten, was das Trio nat\u00fcrlich nicht davon abhielt komplizierte und verschachtelte Musik zu machen &#8211; aber hier kommen erstmals Synthesizer als integraler Bestandteil der Musik vor. Das sollte sich auf den sp\u00e4teren Alben fortsetzen und verst\u00e4rken, der Fokus liegt schon noch klar auf Gitarre und Bass, die Synthies liefern aber relevante Farbtupfer. Insgesamt acht Songs sind auf dem Album zu finden, darunter die Klassiker <em>Closer To The Heart<\/em>, <em>Xanadu<\/em> und <em>Cygnus X-1<\/em>. Letztere sind mit jeweils \u00fcber 10 Minuten auch die progressiven Highlights des Albums, die anderen Nummern fallen dagegen doch eher ab. An Geddy Lees Gesang scheiden sich wie \u00fcblich die Geister, seine Stimme ist hier noch ziemlich hoch und schrill, das wurde erst einige Jahre sp\u00e4ter ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>Das zweite Album der Woche ist &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Signals_(Rush_album)\">Signals<\/a>&#8220; von 1982. Das war der Nachfolger des \u00dcberalbums &#8222;Moving Pictures&#8220; aus dem Vorjahr und ist musikalisch Lichtjahre vom Schaffen der 70er entfernt. Synthesizer und sonstige elektronische Effekte spielen gleichberechtigt neben der Gitarre die Hauptrolle im Sound, und die Produktion hat Druck ohne Ende. Das wird schon beim Opener <em>Subdivisions<\/em> deutlich, bei dem die Gitarre nur eine Nebenrolle spielt, sich daf\u00fcr aber die Keyboardspuren stapeln. Ein weiteres Highlight ist <em>The Weapon<\/em>, das er\u00f6ffnende St\u00fcck der zweiten Seite. Die Zeit der \u00fcberlangen Suiten war ja schon seit Jahren vorbei, alle Songs kommen in knapp f\u00fcnf Minuten mit etwas Spielraum auf den Punkt. An &#8222;Moving Pictures&#8220; kommt die Band zwar nicht ran (das ist eben auch der H\u00f6hepunkt der Bandgeschichte), aber sie haben sich eben bewusst dazu entschieden, sich und den Klang ihrer Musik neu zu erfinden.<\/p>\n<p>Nochmal f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter erschien &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hold_Your_Fire\">Hold Your Fire<\/a>&#8222;. Das Album hat einen eher durchwachsenen Ruf (gemessen am Rest des Katalogs) und enth\u00e4lt aus meiner Sicht auch arg viel Standardkost ohne gro\u00dfe \u00dcberraschungen. Klanglich wird etwas geboten, was man wohl AOR nennen k\u00f6nnte, also radiotaugliche Rockmusik. Lediglich <em>Force Ten<\/em>, der Opener des Albums, konnte sich l\u00e4nger live halten &#8211; witzigerweise entstand die Nummer \u00fcberhaupt erst am letzten Tag der Aufnahmen. Allerdings muss man dem Album eine perfekte Produktion zugestehen, und die Texte von Neil Peart sind wie immer Weltklasse. Ein erw\u00e4hnenswerter Punkt ist das Auftreten einer Gasts\u00e4ngerin auf <em>Time Stand Still<\/em>.<\/p>\n<p>Wir gehen ins Jahr 2002 zu &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Vapor_Trails\">Vapor Trails<\/a>&#8222;. Das Album entstand nach sehr schwierigen Jahren, in denen nicht klar war ob es die Band \u00fcberhaupt noch geben w\u00fcrde, nachdem Neil Peart nach zwei schweren Schicksalsschl\u00e4gen Ende der 90er Jahre das Schlagzeugspielen aufgegeben hatte. Erst Jahre sp\u00e4ter fand die Band wieder zusammen, und das ist das Besondere an Rush f\u00fcr mich: Da waren drei Ausnahmek\u00f6nner am Werk, die nicht nur zusammen Musik machten, sondern auch echte Freunde waren und lieber die Band ruhen lie\u00dfen anstatt mit Ersatzleuten auf lukrative Touren zu gehen. &#8222;Vapor Trails&#8220; markiert also einen musikalischen Neuanfang, so verzichtet die Band komplett auf Keyboards. Herausgekommen ist ein sehr rockiges Album. Heraus kam am Ende gut \u00fcber eine Stunde Musik verteilt auf 13 Songs, was nicht unbedingt ein Pluspunkt ist, da sich doch einige eher nichtssagende Nummern darunter befinden. Au\u00dferdem macht die Produktion einiges kaputt, selbst die Band zeigte sich sp\u00e4ter nicht damit zufrieden. Meine pers\u00f6nlichen Highlights auf dem Album sind <em>One Little Victory<\/em>, <em>Ghost Rider<\/em> und <em>Earthshine<\/em>. Viel wichtiger aber waren wohl die Auswirkungen der Aufnahmen auf die psychische Gesundheit der Bandmitglieder. Und die Fans konnten sich auf noch 10 Jahre und jede Menge Liveshows freuen.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Sp\u00e4twerk: &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Snakes_%26_Arrows\">Snakes &amp; Arrows<\/a>&#8220; von 2007 sowie &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Clockwork_Angels\">Clockwork Angels<\/a>&#8220; von 2012, den letzten beiden Studioalben der Bandgeschichte. Rush waren l\u00e4ngst die Elder Statesmen des Progrock, hatten nach \u00fcber 30 Jahren Karriere niemandem mehr etwas zu beweisen (sie spielten trotzdem 3h Konzerte) und h\u00e4tten einfach weiter Musik nach bew\u00e4hrtem Schema machen k\u00f6nnen. Haben sie aber nicht. Stattdessen \u00fcberraschen sie auf &#8222;Snakes &amp; Arrows&#8220; gleich mal mit drei instrumentalen Achterbahnfahrten (<em>The Main Monkey Business<\/em>&#8230; Kn\u00fcller!), wohingegen &#8222;Clockwork Angels&#8220; ein Konzeptalbum \u00fcber eine Steampunk-Welt ist. Sci-Fi Autor Kevin J. Anderson schrieb auch ein Buch dazu. Das Album ist musikalisch eine echte Wundert\u00fcte, teilweise rocken sie h\u00e4rter als in ihrer Fr\u00fchzeit, aber stets melodisch und im besten Sinne catchy. Angetrieben wird das Ganze nat\u00fcrlich vom besten Schlagzeuger der Welt, der hier einmal mehr die wildesten Figuren und Metriken in die Songs einbaut, als w\u00e4rs eine einfache Finger\u00fcbung. Highlights: das Titelst\u00fcck und das abschlie\u00dfende <em>The Garden<\/em>, das letzte St\u00fcck auf einem Rush-Studioalbum \u00fcberhaupt. Ein gro\u00dfer Abschluss einer gro\u00dfen Karriere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Bands, die haben in einer langen Karriere so viele gute Alben gemacht, dass es schwer wird sich f\u00fcr eins zu entscheiden. Und damit ich nun nicht jeden Monat die gleiche Band abfeiere fassen wir das diese Woche mal etwas zusammen. 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