{"id":3977,"date":"2021-12-28T12:49:53","date_gmt":"2021-12-28T11:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3977"},"modified":"2021-12-19T13:36:45","modified_gmt":"2021-12-19T12:36:45","slug":"album-der-woche-100","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/12\/28\/album-der-woche-100\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind am Jahresende angekommen, was liegt da n\u00e4her als ein sch\u00f6nes Album passend zur besinnlichen Jahreszeit zu besprechen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und genau deswegen mache ich das n\u00e4mlich nicht. Die Weihnachtszeit war alles andere als besinnlich, das Jahr war insgesamt f\u00fcr die meisten von uns eher beschissen, und deswegen gibts zur 100. Ausgabe ein garstiges Album mit fiesen T\u00f6nen und noch fieseren Texten. Kennengelernt hab ich die Band, um die es heute geht Mitte der Nuller Jahre beim Studium, als ich bei irgendeiner Gelegenheit mal die komplette Nacht mit zwei Kommilitonen aufm Balkon des Wohnheims gesessen und \u00fcber Gott und die Welt gequatscht habe. Dabei wurde mir empfohlen, doch mal in <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Type_O_Negative\">Type O Negative<\/a> reinzuh\u00f6ren. Und deren Deb\u00fct <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Slow,_Deep_and_Hard\">Slow, Deep And Hard<\/a> ist das Album der Woche &#8211; genau mein Humor zum Jahreswechsel.<\/p>\n<p>Albumtitel und Cover passen schon mal wie die Faust ins Gesicht, hinzu kommen f\u00fcnf Songs &#8211; eigentlich jeweils mehrteilige Suiten &#8211; mit \u00dcberlange von mindestens je sechs Minuten plus zwei Instrumentals. Allen gemein sind bandwurmartig lange Titel, das k\u00fcrzeste Instrumental hei\u00dft zum Beispiel <em>The Misinterpretation Of Silence And It&#8217;s Disastrous Consequences<\/em> und besteht passend dazu aus v\u00f6lliger Stille. Solche Scherze hatte die Band \u00f6fter drauf. Das zweite Instrumental, <em>Glass Walls Of Limbo (Dance Mix)<\/em> ist keineswegs Disco, sondern ein sakraler Chor, \u00fcber den verschiedene Industriemaschinenger\u00e4usche und Soundeffekte gelegt sind, die wie eine Mischung aus Terminator und Schwertkampf klingen. Achja, der l\u00e4ngste Songtitel der Bandgeschichte stammt vom 96&#8217;er Album &#8222;October Rust&#8220; (das ich auch h\u00e4tte besprechen k\u00f6nnen), n\u00e4mlich das einmin\u00fctige Instrumentalst\u00fcck <em>The Glorious Liberation of the People&#8217;s Technocratic Republic of Vinnland by the Combined Forces of the United Territories of Europa<\/em>. Auf sowas muss man erstmal kommen&#8230;<\/p>\n<p>Die restlichen &#8222;echten&#8220; Songs sind wilde Mischungen aus Industrial, Black Sabbath, viel Bass, Orgelfl\u00e4chen und der speziellen Stimme von Pete Steele. Textlich gehts um alles was schei\u00dfe ist, wobei die Definition von Pete Steele in der Hinsicht nicht als politisch korrekt durchgeht. Besonders schwierig f\u00e4llt mir das bei <em>Der Untermensch<\/em>, einer Hasstirade auf Immigranten und Leute, die es sich in der sozialen H\u00e4ngematte bequem gemacht haben. Das f\u00e4llt dann selbst mit Ironie und Sarkasmus schwer. Der Song sorgte auch daf\u00fcr, dass Type O Negative in Deutschland jede Menge \u00c4rger mit linken Aktivisten bekamen.<\/p>\n<p>Wesentlich einfacher ist es mit ironischer Distanz bei den restlichen Songs, die sich allesamt um das sch\u00f6ne Thema Liebe drehen, nat\u00fcrlich mit einem speziellen Dreh, sonst w\u00e4rs nicht Type O Negative. Das Album wird dabei er\u00f6ffnet von <em>Unsuccessfully Coping With The Natural Beauty Of Infidelity<\/em> &#8211; zw\u00f6lf Minuten Krach \u00fcber eine Frau, die es mit der Treue nicht genau genommen hat. Der Text ist ultrafies, aber im Sinne von Eifersucht und allem was dazugeh\u00f6rt durchaus nachvollziehbar. Das im Mittelteil wiederholt gegr\u00f6lte &#8222;I know you&#8217;re fucking someone else&#8220; ist dabei als Songtitel wesentlich griffiger. <em>Xero Tolerance<\/em> besch\u00e4ftigt sich mit den Folgen des Seitensprungs und der potentiell t\u00f6dlichen Wut, die das beim Partner ausl\u00f6st (&#8222;I&#8217;ll kill you tonight&#8220;). Das findet anschlie\u00dfend seine Fortsetzung mit <em>Prelude To Agony<\/em> mit wahnhaften Bestrafungsfantasien, wie er die untreue Partnerin leiden lassen will. Sp\u00e4testens da kann man es textlich dann nicht mehr ernstnehmen (und wer es doch tut sollte sich ein paar kritische Fragen stellen). Abgeschlossen wird das Album und das ganze Thema schlie\u00dflich durch einen Song mit dem coolsten Titel ever: <em>Gravitational Constant: G = 6.67 x 10<sup>-8<\/sup> cm<sup>-3<\/sup> gm<sup>-1<\/sup> sec<sup>-2<\/sup><\/em>. Im Text gehts drum wie die Welt schwer auf seinen Schultern lastet, und dass der Betrogene lieber den Abzug bet\u00e4tigt als sich noch l\u00e4nger runterziehen zu lassen.<\/p>\n<p>Fazit: Ein b\u00f6ses Album f\u00fcr eine fiese Welt. Sicherlich nicht f\u00fcr jeden geeignet, aber f\u00fcr Momente wenn man mal so richtig mies drauf ist erstaunlich gut zum ungef\u00e4hrlichen Rauslassen der Wut. Es ist sicherlich nicht das beste Album der Bandgeschichte, aber daf\u00fcr das roheste und ungeschliffenste und das mit dem coolsten &#8222;Refrain&#8220; &#8211; eben &#8222;I know you&#8217;re fucking someone else&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind am Jahresende angekommen, was liegt da n\u00e4her als ein sch\u00f6nes Album passend zur besinnlichen Jahreszeit zu besprechen?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3977"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3977"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3977\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3978,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3977\/revisions\/3978"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}