{"id":3975,"date":"2021-12-22T16:43:14","date_gmt":"2021-12-22T15:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3975"},"modified":"2021-12-19T12:10:39","modified_gmt":"2021-12-19T11:10:39","slug":"album-der-woche-99","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/12\/22\/album-der-woche-99\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der Weg zum Griechen immer lohnt, auch wenn man etwas weiter wohnt.&#8220; &#8211; Was f\u00fcr Terence Hill richtig ist kann f\u00fcr mich nicht v\u00f6llig falsch sein, auch wenn ich schon seit ungef\u00e4hr vier Jahren nicht mehr in nem griechischen Restaurant war. Aber es geht ja auch gar nicht ums Futtern, sondern um das Album der Woche.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das stammt von einem Griechen mit kompliziertem Namen, der in Deutschland vor allem bekannt wurde, weil Henry Maske mit der gleichen Musik in den Ring stieg mit der auch schon Christoph Kolumbus in Amerika angekommen war (oder so \u00e4hnlich). Allerdings hat <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vangelis\">Vangelis<\/a> schon Jahre vorher wesentlich interessantere Musik gemacht, weswegen er (neben Jean-Michel Jarre, siehe letzte Woche) zu den Pionieren der elektronischen Musik geh\u00f6rt. Und somit w\u00e4ren wir nun beim Album der Woche: &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Albedo_0.39\">Albedo 0.39<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Nach demWeltraumtrip von letzter Woche gibt es diesmal nun wirklich ein Konzeptalbum \u00fcber Physik und Weltraum. Das ganze klingt aber wesentlich weniger nerdig als es sich liest. Neun St\u00fccke sind auf dem Album versammelt, die gerne Namen mit Bezug zum Weltall haben, wie <em>Pulstar<\/em>, <em>Sword Of Orion<\/em> oder <em>Mare Tranquillitatis<\/em>.<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnet wird die Scheibe mit <em>Pulstar<\/em>, einem F\u00fcnfmin\u00fcter, der rund um einen st\u00e4ndig wiederholten Synthesizerlauf aufgebaut ist &#8211; wie eben ein Pulsar auch immer wieder pulsiert. Am Ende folgt ein abrupter Wechsel und man h\u00f6rt die Zeitansage vom Analogtelefon &#8211; sowas gibts ja heutzutage gar nicht mehr. Das folgende <em>Freefall<\/em> ist eher Freiform-Klangexperiment mit verschiedenen Glockent\u00f6nen und Pfeifger\u00e4uschen und f\u00fcr mich verzichtbar. Danach landen wir f\u00fcr nicht einmal zwei Minuten im <em>Mare Tranquillitatis<\/em>, also auf dem Mond. Passend dazu eingestreut sind Sprachschnipsel der Apollo-Missionen, w\u00e4hrend die Musik sehr \u00e4hnlich wie bei Jarre verschiedene Synthie-Teppiche webt. Das folgende <em>Main Sequence<\/em> klingt ausgesprochen hektisch und erinnert mich eher an eine Verfolgungsjagd im Actionfilm (oder meinethalben im Science-Fiction-Actionfilm), nimmt stellenweise klanglich aber Blade Runner vorweg (Vangelis hat ja daf\u00fcr den Soundtrack gemacht).<\/p>\n<p>An f\u00fcnfter Stelle folgt nun <em>Sword Of Orion<\/em>, und auch das klingt als h\u00e4tten Jarre und Vangelis zusammen im Studio gehockt, ein Sammelsurium verschiedener Synthiesounds, aber kein Songwriting im klassischen Sinne. Nach knapp zwei Minuten ist das St\u00fcck aber auch schon wieder vorbei. Wesentlich konventioneller, damit aber auch eing\u00e4ngiger und f\u00fcr den H\u00f6rer leichter verdaulich wirds mit <em>Alpha<\/em>. Ein kurzes Synthesizermotiv durchzieht das gesamte St\u00fcck und wird nach und nach mit immer weiteren Instrumenten, Verzierungen und so weiter ausgebaut. So \u00e4hnlich hat das Mike Oldfield in der Mitte von Tubular Bells auch gemacht, als er s\u00e4mtliche Instrumente der Reihe nach vorgestellt hat &#8211; nur ist hier halt alles elektronisch. Das St\u00fcck baut sich jedenfalls in \u00fcber f\u00fcnf Minuten aus dieser kleinen Melodie in ein sehr majest\u00e4tisch klingendes St\u00fcck auf und geh\u00f6rt zu den Highlights des Albums.<\/p>\n<p>Es folgen zwei Teile von <em>Nucleogenesis<\/em>. Der erste Teil wird getragen von einem schnellen pulsierenden Sequenzerlauf, \u00fcber den dann weitere Instrumentallinien gelegt werden. Der zweite Teil ist sehr \u00e4hnlich aufgebaut, hier ist aber ein Schlagzeug das treibende Element. Auf jeden Fall gehts in beiden F\u00e4llen sehr ryhthmusbetont und schnell zur Sache &#8211; passend zum Thema der St\u00fccke eben. Und mittendrin taucht nochmal die W\u00e4hlscheibe vom Telefon auf, warum auch immer.<\/p>\n<p>Das k\u00e4lteste St\u00fcck des Albums folgt ganz am Ende &#8211; das Titelst\u00fcck. Auf einigen wenigen sph\u00e4rischen Synthiefl\u00e4chen werden planetare Eigenschaften der Erde rezitiert, Ekliptik, L\u00e4nge des siderischen Jahres, Gravitation, Umlaufzeiten und so weiter. Und eben auch der Albedo, der Anteil des einfallenden Lichts, der von einem Himmelsk\u00f6rper reflektiert wird (laut Wikipedia irgendwo zwischen 0.306 und 0.434 in Abh\u00e4ngigkeit von der Position der Lichtquelle in Relation zum Betrachter). Und irgendwo kommt jetzt bestimmt einer mit ner Radiosity-Gleichung um die Ecke&#8230;<\/p>\n<p>Anyway, das Album verkaufte sich gut genug um in England recht weit oben in den Charts zu landen und enth\u00e4lt mindestens drei Klassiker aus dem gro\u00dfen Werk des Griechen, weswegen sich der Weg zur Erkundung definitiv lohnt. Und jetzt hab ich Hunger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Weg zum Griechen immer lohnt, auch wenn man etwas weiter wohnt.&#8220; &#8211; Was f\u00fcr Terence Hill richtig ist kann f\u00fcr mich nicht v\u00f6llig falsch sein, auch wenn ich schon seit ungef\u00e4hr vier Jahren nicht mehr in nem griechischen Restaurant war. 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