{"id":3972,"date":"2021-12-16T16:49:53","date_gmt":"2021-12-16T15:49:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3972"},"modified":"2021-12-16T16:49:53","modified_gmt":"2021-12-16T15:49:53","slug":"album-der-woche-98","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/12\/16\/album-der-woche-98\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>In dieser Woche verweilen wir im sch\u00f6nen Jahr 1976. Da gabs n\u00e4mlich neben gro\u00dfen Rock-Klassikern auch ganz andere Kl\u00e4nge zu bewundern. Synthetische T\u00f6ne n\u00e4mlich, Wunderwerken der modernen Elektronik sei Dank (oder auch nicht, vollelektronische Klangerzeugung kam erst sp\u00e4ter).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich in Deutschland vor allem durchgeknallte Kraut-Kapellen wie Can oder Neu! diesen modernen Kl\u00e4ngen widmeten und Mitte der 70er Kraftwerk mit futuristischen Kl\u00e4ngen aufhorchen lie\u00dfen (und dazu passend ein sehr deutsches Maschinen-Image kreierten) und in England ein gewisser Mike Oldfield instrumentale Alben im Jahrestakt in die Verkaufsregale wuchtete, bastelte ein Franzose ein Album mit ausschlie\u00dflich synthetischen Kl\u00e4ngen. Das hat moderne elektronische Musik nachhaltig beeinflusst, wird doch heutzutage quasi alles vollelektronisch zusammengebastelt und auf maximale Eing\u00e4ngigkeit getrimmt.<\/p>\n<p>Die Rede ist von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Michel_Jarre\">Jean-Michel Jarre<\/a> und seinem Album <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oxyg%C3%A8ne\">Oxyg\u00e8ne<\/a>. Das enth\u00e4lt sechs St\u00fccke, die der Einfachheit einfach durchnummeriert sind und im Endeffekt sowieso zum gr\u00f6\u00dften Teil ineinander \u00fcbergehen und damit zwei LP-Seiten f\u00fcllen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Kraftwerk sehr rhythmusbetont arbeiteten, flie\u00dfen hier die Kl\u00e4nge gem\u00e4chlich und ohne Schlagzeugunterst\u00fctzung ineinander \u00fcber, grade im ersten Teil. Man kann sich dazu einen dahinflie\u00dfenden Gebirgsbach vorstellen, oder ein Aquarium voll dahinziehender Fische oder etwas \u00e4hnlich beruhigendes. Nach gut vier Minuten wirds etwas spannender, ein gro\u00dfer Unterwasservulkan oder ein Hai oder was \u00e4hnlich bedrohliches taucht auf (oder man sichtet in den Tiefen des Weltalls eine vorbeiziehendes Alien-Raumschiff). Allerdings ist das nur ein kurzes Intermezzo und nach weiteren drei Minuten geht es nahtlos m\u00e4andernd in den zweiten Teil \u00fcber.<\/p>\n<p>Hier wirds nun etwas rhythmischer, vor meinem inneren Auge blinkt ein Pulsar durchs leere All, eine treibende Basslinie sorgt f\u00fcr den Antrieb des Raumschiffes und wilde Ionenblitze zucken vorm Cockpit vorbei, bis wir nach knapp zwei Minuten eine mehrfach wiederholte Nachricht aus den Tiefen des Alls empfangen (man kann sich auch was ganz anderes vorstellen, aber die Kl\u00e4nge haben f\u00fcr mich etwas sehr Science-Fiction m\u00e4\u00dfiges). Im weiteren Verlauf des St\u00fccks reisen wir vorbei an Spiralnebeln und fremden Galaxien, auf der Suche nach dem Urheber jener Nachricht, bis wir am Ende in den Weiten des Universums verschwinden. Teile des St\u00fccks wurden auch gern als Filmmusik verwendet, so z.B. in &#8222;Gallipoli&#8220; (von 1981 mit Mel Gibson) oder &#8222;Die Schlange im Schatten des Adlers&#8220; mit Jackie Chan.<\/p>\n<p>Der dritte Teil ist mit knapp drei Minuten der k\u00fcrzeste und klingt wie eine Begegnung mit dem Rand eines schwarzen Lochs oder einer Supernova, etwas gro\u00dfes gef\u00e4hrliches furchteinfl\u00f6\u00dfendes, von dem man besser genug Abstand h\u00e4lt &#8211; wobei aber die Tierger\u00e4usche am Ende des St\u00fccks mal so gar nicht in dieses Bild passen, vllt wars auch nur der Soundtrack zum Aquariumsbesuch im Zoo und am Ende kommt man wieder raus an die frische Luft&#8230;<\/p>\n<p>Teil vier ist das bekannteste St\u00fcck der Scheibe und wurde auch als Single ver\u00f6ffentlicht. Es gleicht am ehesten einem klassischen Popsong vom Aufbau her. Ein einfaches Thema wird durch den ganzen Song (das St\u00fcck ist tats\u00e4chlich einer) in &#8222;Strophenform&#8220; wiederholt und durch immer weitere instrumentale Farbtupfer ausgeschm\u00fcckt. Dieses Grundthema ist dabei eine recht einfache und verdammt eing\u00e4ngige Melodie, die jedem Popsong zur Ehre gereicht.<\/p>\n<p>Im f\u00fcnften Teil werden Elemente des ersten Teils wieder aufgegriffen, nach gut f\u00fcnf Minuten setzt aber ein treibender Rhythmus ein, der das bis dahin tr\u00e4ge durch die Gegend gleitende Raumschiff in eine wildere Fahrt versetzt, vielleicht wurde das Raumschiff von der Gravitation eines schwarzen Lochs erfasst und k\u00e4mpft nun gegen den alles verschlingenden Sog. Letztendendes aber vergeblich, nach und nach fallen alle Systeme aus, nur noch Entladungen von Ionenblitzen erhellen das Dunkel bevor es endg\u00fcltig schwarz wird.<\/p>\n<p>Damit geht das St\u00fcck direkt in den letzten Teil \u00fcber, der klanglich damit beginnt dass man auf der anderen Seite des schwarzen Lochs wieder ausgespuckt wird (jaja, nothing escapes not even light, aber vielleicht wars ja auch ein Wurmloch und kein schwarzes Loch &#8211; bei Wing Commander gabs ja auch solche Sprungpunkte zum Reisen zwischen verschiedenen Punkten des Universums). Jedenfalls gleitet das Raumschiff nun weiter durch die unendlichen Weiten, to boldly go where no synthesizer has gone before oder so.<\/p>\n<p>Klingt also alles sehr nach Science Fiction und sehr nach Soundtrack, schw\u00e4chstes St\u00fcck ist tats\u00e4chlich der poppige vierte Teil, aber modern klingt das auch heute noch, und vor allem eigenst\u00e4ndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Woche verweilen wir im sch\u00f6nen Jahr 1976. Da gabs n\u00e4mlich neben gro\u00dfen Rock-Klassikern auch ganz andere Kl\u00e4nge zu bewundern. 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