{"id":3897,"date":"2021-07-22T18:52:01","date_gmt":"2021-07-22T16:52:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3897"},"modified":"2021-07-22T18:52:01","modified_gmt":"2021-07-22T16:52:01","slug":"album-der-woche-77","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/07\/22\/album-der-woche-77\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche gabs tr\u00f6tende Fl\u00f6tent\u00f6ne, diese Woche gibts ein Album ganz mit ohne tr\u00f6tende Fl\u00f6tent\u00f6ne. Aber es gibt beinah fast eine Gemeinsamkeit mit dem Album der letzten Woche.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der tr\u00f6tende Fl\u00f6tenspieler bei Jethro Tull hei\u00dft mehr oder weniger bekannterma\u00dfen Ian Anderson. Der Mensch, der das Album dieser Woche gebastelt hat, hei\u00dft auch Anderson. Und sein Vorname hat drei Buchstaben, und ein n an dritter Stelle. So gesehen haben die beiden also einen Hamming-Abstand von 2. Das ist aber auch v\u00f6llig piepschnurz, relevanterweise war bzw. ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jon_Anderson\">Jon Anderson<\/a> n\u00e4mlich bekannt als S\u00e4nger von Yes und arbeitete sp\u00e4ter u.a. auch mit Vangelis zusammen. Yes spielten Anfang der 70er abgedrehten Progrock (mit Betonung auf Prog, nicht auf Rock), f\u00fcr den man am besten ein Musiktheoriestudium hinter sich hat. Ironischerweise hatten sie aber Anfang der 80er mit <em>Owner Of A Lonely Heart<\/em> einen fetten Radiohit (sieht irgendwer Parallelen zu Pink Floyd und <em>Another Brick In The Wall<\/em>? Wobei Floyd aber erheblich massenkompatibler waren). Wie auch immer, 1976 fabrizierte Anderson sein erstes Soloalbum &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Olias_of_Sunhillow\">Olias Of Sunhillow<\/a>&#8222;, und das ist das Album der Woche.<\/p>\n<p>Erstmals bewusst geh\u00f6rt habe ich die Scheibe knapp 20 Jahre nach Erscheinen, n\u00e4mlich auf einer ollen Kassette von meinem Vater (eine Seite dieses Album, die andere Seite &#8222;The Myths And Legends Of King Arthur&#8220; von Rick Wakeman, der fr\u00fcher bei Yes in die Keyboardtasten griff). Und das war faszinierend. Wie nicht anders zu erwarten gibts auf dem Album ziemlich abgefahrene Musik zu h\u00f6ren &#8211; haupts\u00e4chlich instrumental (obwohl Anderson ja eigentlich S\u00e4nger ist). Klassische Songstrukturen braucht man nicht suchen, man wird keine finden. Stattdessen m\u00e4andert, schwebt und flie\u00dft die Musik sehr organisch auf Albuml\u00e4nge vor sich hin. F\u00fcr die musiktheoretischen Nerds wird auch viel mit Zahlensymbolik gespielt (das kann man auf Wikipedia nachlesen).<\/p>\n<p>Aber: Man kann das auch als Normalsterblicher Mensch genie\u00dfen, man muss sich nur drauf einlassen, Musik mal f\u00fcr eine Dreiviertelstunde am St\u00fcck zu h\u00f6ren. Anderson spielte die gesamte Scheibe im Alleingang ein, inklusive aller Instrumente, und er ist dabei alles andere als ein Virtuose. Spektakul\u00e4re Soli oder instrumentale Kabinettst\u00fcckchen gibt es also nicht, klassische Rockinstrumentierung ebensowenig &#8211; daf\u00fcr viel Synthesizer und allerlei exotische Instrumente, die Assoziationen mit fern\u00f6stlichen Kl\u00e4ngen aufkommen lassen. Alles ordnet sich dem Ziel unter, Stimmungen zu kreieren. Selbst der Gesang tr\u00e4gt seinen Teil bei. Teilweise schichtete Anderson dutzende Gesangsspuren \u00fcbereinander, um die gew\u00fcnschten Effekte zu erzielen.<\/p>\n<p>Technisch besteht das Album aus 8 St\u00fccken zwischen drei und 13 Minuten, praktisch verwischen die Grenzen aber, weil es ja eh keine Songstrukturen im herk\u00f6mmlichen Sinne gibt &#8211; mittendrin wei\u00df man schlicht nicht, ob das nun das Outro vom einen St\u00fcck oder das Intro zum n\u00e4chsten ist. Beide Interpretationen sind passend. Man kann daher auch keine einzelnen Songs im klassischen Sinne herauspicken. Vergleichbar w\u00e4ren zum Beispiel die fr\u00fchen Werke von Mike Oldfield (die aber wesentlich erdiger klingen) oder Alben von Elektronikpionieren wie Jean-Michel Jarre oder Vangelis (die wiederum futuristisch, spacig und distanziert kalt klingen). Olias Of Sunhillow nimmt hingegen Einfl\u00fcsse der Weltmusik mit auf und klingt wie ein abgehobener spiritueller mystischer Fantasytrip.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche gabs tr\u00f6tende Fl\u00f6tent\u00f6ne, diese Woche gibts ein Album ganz mit ohne tr\u00f6tende Fl\u00f6tent\u00f6ne. 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