{"id":3678,"date":"2021-01-30T08:15:58","date_gmt":"2021-01-30T07:15:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3678"},"modified":"2021-01-29T20:15:25","modified_gmt":"2021-01-29T19:15:25","slug":"album-der-woche-52","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/01\/30\/album-der-woche-52\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Ich komm grad nicht so wirklich zum Bloggen, weil die allgemeine Gesamtsituation nun mal so ist wie sie eben ist und ich au\u00dferdem m\u00e4chtig viel am ackern bin. Nichtsdestoabertrotz hab ich das Album der Woche nicht vergessen. Der zugeh\u00f6rige Beitrag erscheint au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig mal an einem Samstag. Und das hat seinen Grund, denn ein gro\u00dfer K\u00fcnstler feiert heute seinen 70. Geburtstag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Besagter K\u00fcnstler h\u00f6rt auf den sch\u00f6nen Namen Philip David Charles, und weil das f\u00fcr eine erfolgreiche Karriere viel zu umst\u00e4ndlich ist, kennt man ihn nur als Phil &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Phil_Collins\">Phil Collins<\/a> n\u00e4mlich. Diesen Mensch vorzustellen er\u00fcbrigt sich, wer nicht von ihm geh\u00f6rt hat, ist entweder j\u00fcnger als 20 oder hat vorher eremitisch unterm Stein gehaust. Musikalisch hat er zweifellos Geschichte geschrieben, zun\u00e4cht als Weltklasse-Schlagzeuger bei Genesis, sp\u00e4ter auch noch als S\u00e4nger bei eben jenen Genesis, und dann pr\u00e4gte er nat\u00fcrlich die 80er Jahre ganz massiv: Erst lag da ein neuer Schlagzeugsound <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YkADj0TPrJA\">in der Luft<\/a> (&#8222;badam badam badam badam dam dam&#8220; &#8211; kennt jeder, richtig?), dann gabs weltweite Charterfolge und Anfang der 90er stellte sich dann noch raus, dass er <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sNJVFloPIVA\">nicht tanzen<\/a> kann.<\/p>\n<p>In diesem Jahr feiern also diverse Ver\u00f6ffentlichungen von Genesis runde Geburtstage, denen Phil seinen Stempel aufgedr\u00fcckt hat: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nursery_Cryme\">&#8222;Nursery Cryme&#8220;<\/a> (1971), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/A_Trick_of_the_Tail\">&#8222;A Trick Of The Tail&#8220;<\/a> (1976), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abacab\">&#8222;Abacab&#8220;<\/a> (1981), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Invisible_Touch\">&#8222;Invisible Touch&#8220;<\/a> (1986), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/We_Can%E2%80%99t_Dance\">&#8222;We Can&#8217;t Dance&#8220;<\/a> (1991). In diese Reihe geh\u00f6rt eigentlich auch noch das Soloalbum &#8222;Face Value&#8220; von 1981, welches aber nicht in meinem Schrank steht &#8211; weil ich mit dem Soloschaffen von Phil recht wenig anfangen kann (ist halt gr\u00f6\u00dftenteils relativ simple Popmusik), da reicht mir die Best Of. Trotzdem gibts nat\u00fcrlich eine ganze Menge zu besprechen.<\/p>\n<p>Beginnen wir also im Jahr 1971 mit &#8222;Nursery Cryme&#8220; &#8211; dem ersten Album der klassischen Genesis-Besetzung mit Peter Gabriel, Steve Hackett, Tony Banks, Mike Rutherford und eben Phil Collins. Hier wird noch reinrassiger Prog zelebriert, wenngleich die Band ihre beiden gr\u00f6\u00dften Klassiker der Prog-Phase erst danach ver\u00f6ffentlichte &#8211; &#8222;Nursery Cryme&#8220; ist eher noch ein herantasten unter dem Motto &#8222;wir probieren mal was geht&#8220;. Die drei Longtracks <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AFBY4dvoISc\"><em>The Musical Box<\/em><\/a>, <em>The Return Of The Giant Hogweed<\/em> und <em>The Fountain Of Salmacis<\/em> sind aber Grund genug, sich die Scheibe zuzulegen.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre und vier Alben sp\u00e4ter war die Besetzung schon geschrumpft, Peter Gabriel war ausgestiegen. Es war das erste Album, bei dem Phil Vollzeits\u00e4nger war &#8211; vorher hatte er nur Backgroundgesang beigesteuert (der aber wie zum Beispiel bei <em>Carpet Crawlers<\/em> von &#8222;The Lamb Lies Down On Broadway&#8220; absolut Weltklasse war). Highlights auf dieser Scheibe sind sicherlich <em>Los Endos<\/em> (dass verschiedene vorangegangene musikalische Themen anderer Songs wieder aufgreift &#8211; Prog und so&#8230;), aber auch <em>Robbery, Assault &amp; Battery <\/em>oder <em>Entangled<\/em> als ruhige Ballade setzen Akzente. Das Schlagzeugspiel ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben, als S\u00e4nger&#8230; musste Phil erst noch in die gro\u00dfen Fu\u00dfstapfen hineinwachsen. Andererseits bietet das Album ein sehr koh\u00e4rentes Bild, kein Song tanzt \u00fcberm\u00e4\u00dfig aus der Reihe.<\/p>\n<p>Nochmal f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter &#8211; 1981 &#8211; war die Band zum Trio geschrumpft und begann sich endg\u00fcltig vom Prog zu verabschieden. &#8222;Abacab&#8220; bietet eher radiotaugliches Material, was sich in besseren Verkaufszahlen niederschlug. Die letzten noch verbliebenen Prog-Fans wandten sich ab, pop-affine H\u00f6rer entdeckten die Band vielleicht erst jetzt f\u00fcr sich. Ich z\u00e4hle mich eher zu ersterer Sorte, Abacab ist bei mir eher deswegen im Schrank gelandet, weils eine L\u00fccke gab die gef\u00fcllt werden musste. Der Titelsong, <em>No Reply At All<\/em> oder <em>Man On The Corner<\/em> sind ganz nett, aber auch gef\u00e4hrlich verwechselbar mit dem Soloschaffen des guten Phil.<\/p>\n<p>Den totalen Kommerzoverkill stellte schlie\u00dflich 1986 &#8222;Invisible Touch&#8220; dar. F\u00fcnf Singles mitsamt Heavy Rotation bei MTV, die alle in die Top 5 in Amerika kamen sprechen eine klare Sprache. Das Album erklomm ebenfalls die Top 5 in allen relevanten Charts der Welt. Mindestens drei St\u00fccke des Albums, n\u00e4mlich <em>Invisible Touch<\/em>, <em>Tonight Tonight Tonight<\/em> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TlBIa8z_Mts\"><em>Land Of Confusion<\/em><\/a> kann jeder \u00dc40 im Schlaf r\u00fcckw\u00e4rts mitsingen, f\u00fcr die Progfreunde findet sich mit <em>Domino<\/em> eigentlich nur ein St\u00fcck, und das kann wie kaum anders zu erwarten nicht mit den Gro\u00dftaten 15 Jahre vorher mithalten. Aber: Als Popalbum ist die Scheibe eine absolute Referenzgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Ebenfalls kommerziell wahnwitzig erfolgreich war das wieder f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter erschienene Album &#8222;We Can&#8217;t Dance&#8220;, welches gleichzeitig &#8211; man ahnte es damals noch nicht &#8211; den Schwanengesang von Phil Collins bei Genesis darstellen sollte. Das halbe Album wurde als Single ausgekoppelt &#8211; sechs Titel n\u00e4mlich. Die Scheibe ist dabei tats\u00e4chlich aber weniger poppig als der Vorg\u00e4nger &#8211; das er\u00f6ffnende <em>No Son Of Mine<\/em> ist richtiggehend d\u00fcster, vor allem textlich, und mit <em>Driving The Last Spike<\/em> gibts auch wieder einen ganz brauchbaren Longtrack. Die Balladen <em>Tell Me Why<\/em> und <em>Hold On My Heart<\/em> sorgen bei mir nur f\u00fcr Karies, das Video zu <em>I Can&#8217;t Dance<\/em> ist pures Comedy-Gold und <em>Jesus He Knows Me<\/em> ist zwar vorhersehbar und eher platt, aber zumindest nett und eing\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Fazit: F\u00fcnf Alben \u00fcber 20 Jahre mit einer klaren Wandlung von heute als &#8222;klassischen Prog&#8220; bezeichneter Musik hin zu charttauglicher Popmusik f\u00fcr die Masse. Es f\u00e4llt schwer zu sagen wo wirklich der Bruch in der Diskographie war, denn es war ein schleichender Wandel, anders als bei \u00e4hnlich gelagerten Bands wie Pink Floyd oder Yes (um mal die Prog-Saurier aufzuz\u00e4hlen). Genesis hatten in den 80ern zweifellos ihre erfolgreichste Phase und haben mit &#8222;the way we walk&#8220; Popkultur mitgeschrieben, ich bevorzuge allerdings &#8211; was keinen weiter \u00fcberraschen d\u00fcrfte wenn er bis hier gelesen hat &#8211; die Fr\u00fchwerke mit Peter Gabriel. Denn, wie ich schon an anderer Stelle sagte: Phil Collins war und ist ein Weltklasse-Schlagzeuger, als S\u00e4nger nicht schlecht, mir aber zu seicht.<\/p>\n<p>Trotzdem: Alles Gute zum Geburtstag! (Und passend dazu die heimliche Hymne Brexitanniens h\u00f6ren: Selling England By The Pound &#8211; mit Phil am Schlagzeug)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich komm grad nicht so wirklich zum Bloggen, weil die allgemeine Gesamtsituation nun mal so ist wie sie eben ist und ich au\u00dferdem m\u00e4chtig viel am ackern bin. Nichtsdestoabertrotz hab ich das Album der Woche nicht vergessen. Der zugeh\u00f6rige Beitrag erscheint au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig mal an einem Samstag. 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