{"id":3670,"date":"2021-01-07T19:41:29","date_gmt":"2021-01-07T18:41:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3670"},"modified":"2021-01-07T19:41:29","modified_gmt":"2021-01-07T18:41:29","slug":"album-der-woche-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2021\/01\/07\/album-der-woche-49\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Auch in diesem Jahr wirds wieder Alben der Woche geben. Und manchmal hei\u00dft Alben der Woche auch wirklich Alben der Woche. So wie in dieser Woche (ja, die wiederholte Wiederholung ist beabsichtigt und stilistisches Stilmittel :-P).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Anlass ist allerdings eigentlich eher traurig: Vor inzwischen genau einem Jahr verlie\u00df &#8222;Der Professor&#8220; diese Welt. Die Rede ist von Schlagzeuger Neil Peart, der nicht nur von mir zu den besten Drummern gez\u00e4hlt wird, die je auf diesem Instrument spielten. Und das meine ich w\u00f6rtlich, im Gegensatz zu den meisten Schlagzeugern, die einmal von links oben nach rechts unten trommeln, baute Peart in seine Kompositionen die aberwitzigsten technischen Kabinettst\u00fcckchen ein, ohne dass man aber als H\u00f6rer gleich Knoten in den Ohren bekam &#8211; und daf\u00fcr aber umso mehr staunte wenn man sich n\u00e4her mit den rhythmischen Labyrinthen befasste, die er da scheinbar m\u00fchelos und auch nur mit 2 Armen und 2 F\u00fc\u00dfen aufbaute, wo andere l\u00e4ngst einen Oktopus festangestellt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Alben der Woche kommen daher &#8211; man ahnt es &#8211; von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rush\">Rush<\/a>. Und da gibt es in diesem Jahr gleich vier Alben, die runden Geburtstag haben, und von denen geh\u00f6ren zwei zu den absoluten Glanzlichtern in der nicht gerade schwachen Diskographie der Band. Diese Alben sind &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2112_(album)\">2112<\/a>&#8220; von 1976 und &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Moving_Pictures_(Rush_album)\">Moving Pictures<\/a>&#8220; von 1981 (&#8222;Roll The Bones&#8220; und &#8222;Test For Echo&#8220; sind zwar auch nicht schlecht, aber keine zwingenden Meisterwerke im Vergleich).<\/p>\n<p>Das \u00e4ltere der beiden Alben zeigt sich noch deutlich von klassischen Hardrock beeinflusst und kommt sehr gitarrenlastig daher. Aber es finden sich auch Ankl\u00e4nge am Prog der 70er, so umfasst das Titelst\u00fcck mit seinen sieben lose zusammenh\u00e4ngenden Teilen mal eben die gesamte erste Albumseite. Die ersten beiden Teile sind ein Kracher, danach wirds allerdings etwas zerfahren. Auf der zweiten Seite mit ihren k\u00fcrzeren Titeln zeigt die Band hingegen was sie eigentlich drauf hat, <em>Passage To Bangkok<\/em> klingt so fern\u00f6stlich wie der Titel vermuten l\u00e4sst, <em>Twilight Zone<\/em> ist getragen melancholisch und <em>Something For Nothing<\/em> ist purer Rock.<\/p>\n<p>Nach &#8222;2112&#8220; ver\u00e4nderte die Band auf den folgenden Alben ihren Stil weg von progressiven Longtracks hin zu melodischeren (aber keineswegs simpleren) k\u00fcrzeren St\u00fccken mit mehr Keyboardeinfluss. Der H\u00f6hepunkt dieser Entwicklung ist mit &#8222;Moving Pictures&#8220; erreicht. Allein das Albumcover ist ja schon dreifach verschachtelt in seinen Bedeutungsebenen&#8230;<\/p>\n<p>Enthalten sind sieben St\u00fccke, von denen sechs einen eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia haben &#8211; rekordverd\u00e4chtig. Auftakt ist einer der gr\u00f6\u00dften &#8222;Hits&#8220; der Bandgeschichte &#8211; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=auLBLk4ibAk\"><em>Tom Sawyer<\/em><\/a> (inspiriert vom Buch). Es folgt mit Red Barchetta eine Hymne auf Autos, die in Zeiten von E-Mobilit\u00e4t aktueller denn je ist, bevor die Band instrumental den Vogel abschie\u00dft: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1eSlvoO3Vw8\"><em>YYZ<\/em><\/a> basiert auf einem Rythmus der auf dem Morsecode der Kennung des Flughafens Toronto (eben &#8222;YYZ&#8220;) fu\u00dft. Die Nummer ist entsprechend rhythmisch komplex, kommt aber total unbeschwert und simpel r\u00fcber und z\u00e4hlt zu den bekanntesten und beliebtesten der Band. Letzter Song der ersten Seite ist <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZiRuj2_czzw\"><em>Limelight<\/em><\/a>, eine skeptische Abrechnung von Neil Peart mit dem Leben im Rampenlicht. Der Song klingt vordergr\u00fcndig simpel und eing\u00e4ngig, ist aber halsbrecherisch kompliziert wenn man auf die irrwitzige Idee kommt ihn nachspielen zu wollen &#8211; laut Internet (und das wei\u00df ja eh alles und alles besser) springt man da locker von einem 7\/8-Takt zu 3\/4, gefolgt von wechselnd 4\/4 und 2\/4, gefolgt von 3\/4 und 4\/4 zur\u00fcck zum 7\/8. Und das war nur die erste Strophe&#8230; (ich habs nicht nachgepr\u00fcft, ich glaubs einfach mal) Das sch\u00f6ne ist: Man merkt das gar nicht, anders als bei vielen krampfhaft auf Prog getrimmten St\u00fccken anderer Bands. Die zweite Seite wird mit <em>The Camera Eye<\/em> er\u00f6ffnet, dass es immerhin auf 11 Minuten Laufzeit bringt, bevor <em>Witch Hunt<\/em> (f\u00fcr mich ein textliches Highlight der Platte) und <em>Vital Signs<\/em> das Album nach knapp 40 Minuten beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Fazit: Zwei Alben f\u00fcr die Ewigkeit, die in entsprechenden Zeitschriften in aller Regel recht weit oben in s\u00e4mtlichen relevanten Kategorien zu finden sind. Wer noch nix von Rush geh\u00f6rt hat und nur ein einziges Album von ihnen haben will (warum auch immer man so beschr\u00e4nkt sein will) sollte sich unbedingt Moving Pictures zulegen (und anschlie\u00dfend seine eigene Beschr\u00e4nktheit \u00fcberdenken).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in diesem Jahr wirds wieder Alben der Woche geben. Und manchmal hei\u00dft Alben der Woche auch wirklich Alben der Woche. 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