{"id":314,"date":"2007-10-03T09:59:20","date_gmt":"2007-10-03T08:59:20","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/2007\/10\/03\/herzlichen-gluckwunsch\/"},"modified":"2007-10-03T09:59:20","modified_gmt":"2007-10-03T08:59:20","slug":"herzlichen-gluckwunsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2007\/10\/03\/herzlichen-gluckwunsch\/","title":{"rendered":"Herzlichen Gl\u00fcckwunsch"},"content":{"rendered":"<p>Meine G\u00fcte, 17 Jahre alt wird Neuf\u00fcnfland heute schon&#8230; Die Zeit rennt aber auch. Die Wiedervereinigung ist fast 20 Jahre her&#8230; zum Vergleich: die DDR existierte nur 40 Jahre. Was wurde damals nicht alles gesagt: Das zusammenw\u00e4chst, was zusammen geh\u00f6rt. Das es bl\u00fchende Landschaften geben wird. Das der gro\u00dfe Aufschwung Ost kommt.<\/p>\n<p>Hmm, zusammenwachsen&#8230; So richtig passend ist ja der Begriff gar nicht f\u00fcr das was da passierte: Der Westen lie\u00df seinen Kapitalismus ungebremst auf den Osten los &#8211; mit dem Erfolg, dass jeder f\u00fcnfte arbeitslos wurde und die nicht konkurrenzf\u00e4hige Wirtschaft innerhalb k\u00fcrzester Zeit komplett den Bach runterging. Es w\u00e4re Aufgabe des Staates gewesen, die Wucht dieses Aufpralls auf den harten boden der kapitalistischen Realit\u00e4t abzufedern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurden alle Errungenschaften des Sozialismus (fl\u00e4chendeckend Kita-Pl\u00e4tze, um ein Beispiel zu nennen) als &#8222;das ist von den b\u00f6sen Kommies, das geht ja nicht&#8220; abgeschafft, und im Endeffekt adaptierte der Osten s\u00e4mtliche Gewohnheiten des Westens. Nach einer ersten Phase der Verblendung stellten dann aber viele Leute fest, dass auch im goldenen Westen nicht alles Gold ist was gl\u00e4nzt. Selbst einigen Politikern ist das inzwischen aufgefallen: Wenn ich mir so anschaue, wie jetzt \u00fcber die Erh\u00f6hung der Kita-Pl\u00e4tze und bessere Bildungschancen gezankt wird stelle ich lapidar fest: &#8222;Das hatten wir alles schon mal.&#8220;<\/p>\n<p>Gleiches stellt man \u00fcbrigens auch fest, wenn ein Innenminister sagt, dass &#8222;<a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/idw_dlf\/675438\/\" class=\"broken_link\">keiner ein Interesse an einem \u00dcberwachungsstaat hat<\/a>&#8222;. Ja nee, und keiner hatte vor Mauern zu bauen, schon klar. Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Auf jeden Fall ist das mit dem Zusammenwachsen noch lange nicht beendet, wenn ich sehe, mit was f\u00fcr Mauern im Kopf die Leute hier teilweise herumlaufen (haupts\u00e4chlich im Westen, aber im Osten gibts auch genug solche Idioten), ist es auch fraglich, ob das in den n\u00e4chsten 50 Jahren \u00fcberhaupt machbar ist.<\/p>\n<p>Nun ja, mit 17 Jahren kann man die \u00f6stlichen Bundesl\u00e4nder zumindest keineswegs mehr mit &#8222;neu&#8220; bezeichnen. Sie sind weder neuwertig noch ungebraucht, eher im Gegenteil. An vielen Stellen gibt es ganz erhebliche Gebrauchsspuren in Form von Industrieruinen, zwischen denen das Unkraut wuchert. Das ist denn auch die am h\u00e4ufigsten anzutreffende Form der bl\u00fchenden Landschaften.<\/p>\n<p>Immerhin gibt es ja wenigstens den Aufschwung Ost &#8211; zum Beispiel in Polen oder China. Im Osten Deutschlands ist, abgesehen von einigen wenigen Zentren (Berlin, Leipzig, Dresden), nicht wirklich viel davon zu merken. Viele Jugendliche gehen mangels Alternativen in den Westen (ich bin ja auch nicht in den Schwarzwald gezogen, weil mir hier die Landschaft so gef\u00e4llt) oder gleich ganz ins Ausland &#8211; Globalisierung sei Dank.<\/p>\n<p>Immerhin mu\u00df man aber mal deutlich sagen, dass es eine tolle Sache ist, dass ich jetzt hier wohnen und arbeiten kann. Oder um es mit den Worten eines Studienkumpels zu sagen: &#8222;Wenn man vor 20 Jahren gesagt h\u00e4tte, dass ich eines Tages in Hannover arbeiten werde, dann h\u00e4tte man uns f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt. Das war ja noch weiter weg als Sibirien.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine G\u00fcte, 17 Jahre alt wird Neuf\u00fcnfland heute schon&#8230; Die Zeit rennt aber auch. Die Wiedervereinigung ist fast 20 Jahre her&#8230; zum Vergleich: die DDR existierte nur 40 Jahre. Was wurde damals nicht alles gesagt: Das zusammenw\u00e4chst, was zusammen geh\u00f6rt. Das es bl\u00fchende Landschaften geben wird. 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