{"id":3128,"date":"2020-08-10T19:08:26","date_gmt":"2020-08-10T17:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=3128"},"modified":"2020-08-10T21:21:25","modified_gmt":"2020-08-10T19:21:25","slug":"album-der-woche-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2020\/08\/10\/album-der-woche-28\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Die Woche hat grade erst begonnen, aber aus gegebenem Anlass wird heute ein 50 Jahre altes in Stein gemei\u00dfeltes Meisterwerk gew\u00fcrdigt. Dieses stammt von einer britischen Band, die dieser Tage erst ihr aktuellstes Album herausgebracht hat und die seit \u00fcber 25 Jahren zu meinen absoluten Favoriten geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Logisch, die Band hei\u00dft Die P\u00f6rpel, \u00e4h, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deep_Purple\">Deep Purple<\/a>. Und besagter Meilenstein ist, man wirds erraten haben: &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Deep_Purple_in_Rock\">In Rock<\/a>&#8222;. Das Album stand ohnehin auf meiner Liste der Alben, die ich in dieser Reihe hier besprechen wollte, und nachdem heute morgen die Nachricht die Runde machte, dass Produzentenlegende Martin Birch verstorben ist, wird es nun auch ein Tribut an ihn.<\/p>\n<p>Deep Purple selbst hatten zu jener Zeit, Mitte-Ende 1969, drei eher durchwachsene Alben herausgebracht, die stilistisch von Psychedelic bis Klassik mit Orchester alles boten, was man irgendwie aufnehmen kann &#8211; nur gabs eben keinen roten Faden. Nach der ersten von vielen Umbesetzungen (S\u00e4nger und Bassist wurden ausgetauscht) entstand das, was man heute das &#8222;klassische&#8220; Mark II Lineup nennt &#8211; Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice &#8211; und jene teilten sich auch s\u00e4mtliche Credits aller Songs auf dem Album.<\/p>\n<p>Die musikalische Ausrichtung war ebenfalls klar: Wenns nicht rockt, isses f\u00fcrn Arsch. Insbesondere Gitarrist Ritchie Blackmore hatte keinen Bock auf weitere Klassikschlenker von Organist Jon Lord. Das Ergebnis war ein wegweisendes Hardrockalbum, welches in einem Atemzug mit den Deb\u00fcts von Black Sabbath und Led Zeppelin genannt werden muss (denke nicht nur ich).<\/p>\n<p>Das Album beginnt mit <em>Speed King<\/em>, und da ist der Name Programm. Nach einem pr\u00e4gnanten Intro bestehend aus viel Krach und viel Orgel, steigt die Band in einen Riffrocker vom Feinsten ein, Jon Lord unterf\u00fcttert das ganze mit fies verzerrter Orgel, und Ian Gillan hat textlich alte Rock&#8217;n&#8217;Roll-Standards durch den Fleischwolf gedreht. Die Nummer ist einer der ganz gro\u00dfen Klassiker im ziemlich gro\u00dfen Katalog der Band und wird auch heute gerne noch live ausgepackt. Auf meinem mp3-Player hat das St\u00fcck ebenfalls einen Stammplatz.<\/p>\n<p>Es folgt, gleichsam als kurze Verschnaufpause, das viermin\u00fctige <em>Bloodsucker<\/em>. Dieses St\u00fcck hat bei mir ewig lange \u00fcberhaupt nicht gez\u00fcndet, weil es eher funky daherkommt und musikalisch damit Sounds vorwegnimmt, die die Band erst einige Jahre sp\u00e4ter in der Coverdale-\u00c4ra versch\u00e4rft austestete. Keine schlechte Nummer, aber im Kontext des Albums&#8230; halt eine der schw\u00e4cheren Nummern.<\/p>\n<p>Das Gegenteil dazu ist das folgende <em>Child In Time<\/em>. Der Zehnmin\u00fcter ist f\u00fcr mich der beste Song der Band \u00fcberhaupt. Jon Lords Orgelintro baut eine ordentliche Spannung auf, Ian Gillans Gesangsleistung ist nicht von dieser Welt (er kann die Nummer auch schon seit 30 Jahren nicht mehr live bringen, weil er es stimmlich nicht mehr schafft), und dann entl\u00e4dt sich nach einer wahnsinnigen Steigerung alles in einem gewaltigen Gitarrensolo. Und weil das nicht reicht bzw. man den Musiklehrer beeindrucken kann, wenn man musiktheoretisch gescheit was von ABA&#8217;C daherfaseln kann, wird der einleitende Teil leicht variiert wiederholt, bevor sich alles nach einer nochmaligen wahnwitzigen Steierung in einer explosiven Coda in Luft aufl\u00f6st. Das ist ganz gro\u00dfes Rockkino, nur \u00fcbertroffen von den\u00a0 zwei Jahre sp\u00e4ter in Japan entstandenen Livefassungen.<\/p>\n<p>Die zweite LP-Seite beginnt mit einem weiteren epischen Rocker &#8211; <em>Flight of the Rat<\/em>. Das St\u00fcck rockt einfach nur acht Minuten lang schwer geradeaus und bietet jede Menge M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Jon Lord und Ritchie Blackmore sich gegenseitig zu zeigen wer mehr drauf hat (\u00dcberraschung: unentschieden). Die folgenden zwei St\u00fccke, <em>Into The Fire<\/em> und <em>Living Wreck<\/em>, hatten es bei mir auch lange schwer, aber im Kontext des Albums sind sie essentiell. Sie liefern zwei k\u00fcrzere Kontrapunkte und kommen auch textlich ganz anders daher &#8211; im einen Song gehts um Drogen, beim anderen um Groupies. Grade das Schlagzeug bei letzterem ist irre, es klingt ganz anders als die restlichen Schlagzeugspuren, sehr metallisch, fies und gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Den kr\u00f6nenden Abschlu\u00df bildet der Siebenmin\u00fcter <em>Hard Lovin&#8216; Man<\/em>. Schon das Intro mit dem schwer pumpenden Bass von Roger Glover ist einsame Klasse, und auch Jon Lords Orgel, die er hier durch einen extra gemein verzerrenden Verst\u00e4rker jagt, klingt hier noch viel krasser als auf dem restlichen Album.<\/p>\n<p>Flankiert wurde das Album noch von der eher simplen Single <em>Black Night<\/em>, die damals bis in vordere Chartpositionen aufstieg, aber erst auf der 25th Anniversary Edition zum Album hinzugef\u00fcgt wurde.<\/p>\n<p>Und was hat das nun alles mit Martin Birch zu tun? Sehr viel, denn der &#8211; damals grad 21 Lenze jung und damit j\u00fcnger als die Bandmitglieder &#8211; hat den von der Band im Proberaum erzeugten Krach eingefangen (&#8222;er war der erste der sich angeh\u00f6rt hat wie wir im Proberaum klingen, bevor er uns aufnehmen wollte&#8220; &#8211; O-Ton der Band) und daraus einen koh\u00e4renten Sound geformt. Die Band war beeindruckt von seiner Leistung, widmete ihm den letzten Song des Albums und heuerte ihn f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre als Stammproduzenten an.<\/p>\n<p>Birch leitete somit die Aufnahmen f\u00fcr Meilensteine wie Machine Head (jepp, das Ding mit Smoke On The Water), aufgenommen bei widrigsten Bedingungen mitten im Winter mit einem mobilen Tonstudio in einem verlassenen Hotel (und nicht etwa im schicken Aufnahmetempel). Er zauberte mit einfachstem Aufnahmeequipment, was heute von jedem billigen Heimstudio \u00fcbertroffen wird, die Mutter aller Livealben zusammen (Made In Japan), war sp\u00e4ter verantwortlich f\u00fcr den Sound auf von mir so gesch\u00e4tzten Klassikern wie Rising von Rainbow, Heaven And Hell von Black Sabbath und nat\u00fcrlich s\u00e4mtlichen Gro\u00dftaten von Iron Maiden zwischen 1981 und 1992. Damit war er bereits damals lebende Legende, bevor er sich in einen sehr fr\u00fchen Ruhestand zur\u00fcckzog. Er hat also den Sound dessen was man heute Hardrock und Heavy Metal nennt ganz entscheidend gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ihm zu Ehren hab ich mir In Rock grad das erste Mal seit langer Zeit wieder am St\u00fcck reingepfiffen, und auch wenn das Ding 50 Jahre alt ist klingt es frisch, modern und unverbraucht &#8211; und wird das auch in 50 Jahren noch tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Woche hat grade erst begonnen, aber aus gegebenem Anlass wird heute ein 50 Jahre altes in Stein gemei\u00dfeltes Meisterwerk gew\u00fcrdigt. 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