{"id":2942,"date":"2020-06-11T11:59:34","date_gmt":"2020-06-11T09:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=2942"},"modified":"2020-06-11T11:59:34","modified_gmt":"2020-06-11T09:59:34","slug":"album-der-woche-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2020\/06\/11\/album-der-woche-19\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Wir bleiben im Jahr 1985 &#8211; das Album der Woche kommt diesemal von einer Band aus Schottland, die seit Anfang der 1980er Jahre aktiv ist. Damals wurde ihre Musikrichtung als Neoprog bezeichnet, sind aber inzwischen in einem ganz eigenen Genre unterwegs.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht konkret um das dritte Album von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marillion\">Marillion<\/a> &#8211; &#8222;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Misplaced_Childhood\">Misplaced Childhood<\/a>&#8222;. Aufgenommen wurde das Semi-Konzeptalbum (wobei ich das Konzept bis heute nicht wirklich verstanden hab, vermutlich weil es der Legende nach auf einem zehnst\u00fcndigen Drogentrip entstanden ist) vor 35 Jahren im damals noch ummauerten Westberlin und entwickelte sich dann zum mit Abstand gr\u00f6\u00dften Erfolg der Band (Nummer 1 in den britischen Charts) und zu einem der erfolgreichsten Alben des Jahres.<\/p>\n<p>Rein theoretisch gibts auf dem Album zehn Titel, je f\u00fcnf pro LP-Seite (sowas war damals ja noch relevant), aber tats\u00e4chlich gehen eh alle Titel ineinander \u00fcber, wie es z.B. auch Pink Floyd in den 70ern vorgemacht haben, so dass es eigentlich nur zwei Titel gibt, Seite 1 und Seite 2 n\u00e4mlich&#8230; Das Album beginnt mit einem sehr keyboardlastigen Intro, gefolgt vom gr\u00f6\u00dften Singlehit der Band, <em>Kayleigh<\/em>. Ich halte die Nummer ja f\u00fcr ein perfektes Beispiel daf\u00fcr, dass aus Liebeskummer richtig gute Songtexte entstehen k\u00f6nnen. Im krassen Gegensatz dazu steht das nachfolgende <em>Lavender<\/em> mit seinem Abz\u00e4hlreim-Kinderlied-Refrain, was aber eben genau deswegen auch super funktioniert und im Albumkonzept das Thema der unbeschwerten Kindheit hervorragend r\u00fcberbringt. Den zweiten Teil der ersten LP-Seite formen dann die <em>Bitter Suite<\/em> und <em>Heart Of Lothian<\/em>, bei denen es dann etwas vertrackter zugeht. Vertrackter hei\u00dft hierbei nicht dass man sich in irgendwelchen rhythmischen Labyrinthen verirrt wie bei King Crimson, sondern dass die Songs nicht dem klassischen Strophe-Refrain-Schema folgen, sondern (wie der Name ja suggeriert) als eine Art Suite aufgebaut sind, komplett mit atmosph\u00e4rischen instrumentalen Zwischenspielen. Die Keyboards weben hier ein paar sehr schicke Klangteppiche, auf denen sich dann Fish am Mikro austoben kann &#8211; das ist gro\u00dfes Kino ganz in Anlehnung an klassische Pink Floyd. Daneben wird das <em>Lavender<\/em>-Thema erneut aufgegriffen, was ganz im Sinne des Konzeptalbum-Ansatzes eine gewisse albumweite Koh\u00e4renz ergibt.<\/p>\n<p>Die zweite Seite &#8211; ohne weitere Hitsingles &#8211; beginnt mit dem vergleichsweise hektischen Waterhole (Expresso Bongo), danach folgt <em>Lords Of The Backstage<\/em>, welches wiederum ein Thema aus <em>Heart Of Lothian<\/em> aufgreift. Die Texte sind auch hier hervorzuheben &#8211; &#8222;I just want to be free, I&#8217;m happy to be lonely, can&#8217;t you stay away? Just leave me alone with my thoughts.&#8220; &#8211; Fish ist ohnehin einer der besten Texter wie ich finde. Textlich ebenso schwierig wie tiefgr\u00fcndig kommt das folgende <em>Blind Curve<\/em> daher &#8211; kaum einer kann so anklagend klingen wie Fish &#8211; bevor das Album zum Abschluss mit <em>Childhoods End?<\/em> und <em>White Feather<\/em> eine eher positive Wendung nimmt &#8211; &#8222;We don&#8217;t need no uniforms, we have no disguise, divided we stand, together we&#8217;ll rise&#8220;.<\/p>\n<p>Fazit: Die Hitsingle Kayleigh kennt vermutlich eh jeder, aber dieses Album ist so viel mehr als nur dieses eine St\u00fcck. Es ist eins von denen die man komplett am St\u00fcck h\u00f6ren muss (habe ich beim Schreiben des Eintrags auch gemacht). Es ist musikalisch auf den Punkt, atmosph\u00e4risch dicht und hat auch nach 35 Jahren nichts von seiner Faszination eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir bleiben im Jahr 1985 &#8211; das Album der Woche kommt diesemal von einer Band aus Schottland, die seit Anfang der 1980er Jahre aktiv ist. 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