{"id":2900,"date":"2020-05-07T17:33:46","date_gmt":"2020-05-07T15:33:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=2900"},"modified":"2020-05-07T17:33:46","modified_gmt":"2020-05-07T15:33:46","slug":"album-der-woche-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2020\/05\/07\/album-der-woche-14\/","title":{"rendered":"Album der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute ein Album aus dem Jahr 2000 vorstellen, aber aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage habe ich den Plan umgeschmissen. Wie heute bekannt wurde, ist Florian Schneider, einer der Mitbegr\u00fcnder des deutschen K\u00fcnstlerkollektivs (Band klingt hier viel zu banal) Kraftwerk, k\u00fcrzlich verstorben. Grund genug, das 1975er Album Radio-Aktivit\u00e4t mal wieder aus dem Schrank holen.<!--more--><\/p>\n<p>Meine Erstbegegnung mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kraftwerk_(Band)\">Kraftwerk<\/a> hatte ich Mitte 1990, als mein Vater mich das erste Mal im frisch gekauften Westauto herumkutschierte. Im Gegensatz zur vorher genutzten Rennpappe hatte dieses n\u00e4mlich ein Radio mit Kassettendeck. Und der Soundtrack zur Fahrt war eine Kassette mit diversen nachgespielten St\u00fccken der elektronischen Musik der 70er und 80er, u.a. St\u00fccke von Jean-Michel Jarre, Vangelis, Hot Butter (&#8222;Popcorn&#8220;) und eben auch Kraftwerk mit (glaube ich) einer Kurzfassung von &#8222;Autobahn&#8220;. Und seitdem hab ich ein gewisses Faible f\u00fcr diese Art Musik.<\/p>\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter h\u00f6rte ich dann zum ersten Mal &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radio-Aktivit%C3%A4t\">Radio-Aktivit\u00e4t<\/a>&#8222;. Auf diesem Album wurden erstmals ausschlie\u00dflich elektronische Musikinstrumente benutzt (urspr\u00fcnglich fing man ja mit ziemlich verschrobenem Krautrock an und auch auf dem Vorg\u00e4nger &#8222;Autobahn&#8220; gibts neben dem klassischen Titelst\u00fcck jede Menge Klangspielereien mit &#8222;normalen&#8220; Instrumenten). Der Titel des Albums kommt nat\u00fcrlich auch nicht von ungef\u00e4hr, es dreht sich alles um die Doppeldeutigkeit zwischen Radio und Kernernergie. So beginnt das Album mit dem Ton eines immer st\u00e4rker ausschlagenden Geigerz\u00e4hlers, der dann direkt in das Titelst\u00fcck \u00fcbergeht &#8211; und das klingt heute noch futuristisch und absolut zeitlos. Die restlichen St\u00fccke sind dann eher in die Sparte Klangexperiment einzuorden, &#8222;<em>Sendepause<\/em>&#8220; besteht zum Beispiel nur aus einem Pausenton, wie es ihn in der Fr\u00fchzeit des Rundfunks gab, &#8222;<em>Nachrichten<\/em>&#8220; ist genau das was der Name vermuten l\u00e4sst, gesprochene Nachrichtenbeitr\u00e4ge zum Thema Kernkraft. &#8222;Richtige&#8220; Songs sucht man hier eher vergebens, die Hinwendung zum minimalistischen Techno-Pop kam erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Das Album ist sicherlich nicht das zug\u00e4nglichste und auch nicht das beste im Katalog (da greift man wohl am ehesten zu Mensch-Maschine mit dem Hit &#8222;Das Model&#8220; von 1978 oder Computerwelt &#8211; mit so prophetischen Textzeilen wie &#8222;Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Finanzamt und das BKA haben unsere Daten da&#8220; &#8211; von 1981) oder legt sich wie ich die Box &#8222;Katalog&#8220; zu. Den Einfluss der Gruppe auf die Popmusik der 80er Jahre und dar\u00fcber hinaus kann man hingegen kaum \u00fcbersch\u00e4tzen &#8211; gro\u00dfe Namen wie David Bowie und Depeche Mode lie\u00dfen sich von den Kl\u00e4ngen inspirieren, und insbesondere in den sich entwickelnden Hip-Hop und Techno Szenen sampelte man quasi jeden Soundschnipsel aus den bandeigenen Kling-Klang Studios. Dar\u00fcber hinaus beeinflusste das Quartett mit seiner ausgefeilten Au\u00dfendarstellung und seinen durchchoreografierten Live-Auftritten so ziemlich jede andere Band dieses Planeten &#8211; ich w\u00fcrde jede Wette eingehen dass sich selbst Rammstein (obgleich stilistisch ja gar nicht vergleichbar coverten sie sp\u00e4ter &#8222;Das Model&#8220;) so einiges bei Kraftwerk abgeschaut haben in Punkto Selbstinszenierung.<\/p>\n<p>Fazit: Ich fahr-fahr-fahr zwar nicht auf der Autobahn und auch eher selten im Trans-Europa-Express, aber Kraftwerk gehen immer und werden auch in 50 Jahren noch relevant sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich heute ein Album aus dem Jahr 2000 vorstellen, aber aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage habe ich den Plan umgeschmissen. Wie heute bekannt wurde, ist Florian Schneider, einer der Mitbegr\u00fcnder des deutschen K\u00fcnstlerkollektivs (Band klingt hier viel zu banal) Kraftwerk, k\u00fcrzlich verstorben. 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