{"id":279,"date":"2007-07-29T15:58:30","date_gmt":"2007-07-29T14:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/2007\/07\/29\/tagestour\/"},"modified":"2020-10-21T10:19:53","modified_gmt":"2020-10-21T08:19:53","slug":"tagestour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2007\/07\/29\/tagestour\/","title":{"rendered":"Tagestour"},"content":{"rendered":"<p>Nach zahlreichen daheim verbrachten Wochenenden stand nun endlich mal wieder eine l\u00e4ngere Tagestour an. Eigentlich war der Anla\u00df sehr banal &#8211; ich wollte mir ein paar Klamotten kaufen, damit die Waschmaschine nicht immer nur dreiviertelvoll vor sich hin r\u00f6delt. Ziel der Reise sollte Freiburg sein, denn wenn man schon mal irgendwohin f\u00e4hrt, kann man das ja mit Stadtbesichtigung und so verbinden.<!--more--><\/p>\n<p>Erstes Hindernis war die Deutsche Bahn. Zu meinem \u00c4rger stellte ich n\u00e4mlich fest, dass gerade am Freitag Bauarbeiten auf der Strecke nach Freiburg begonnen wurden und <abbr title=\"Schienenersatzverkehr\">SEV<\/abbr> eingerichtet wurde. Die Fahrt von Villingen nach Freiburg dauert im Moment also 2:10h, witzigerweise sogar l\u00e4nger, als wenn man den Riesenumweg \u00fcber Offenburg machen w\u00fcrde. Das allein h\u00e4tte mich aber nicht aufgehalten, das jedoch besorgte die Webseite der Bahn, indem sie es mir verunm\u00f6glichte, eine Fahrkarte online zu buchen &#8211; vermutlich h\u00e4ngt das mit eben jenem SEV zusammen.<\/p>\n<p>Somit wurde ganz spontan und kurzentschlossen, also genau so wie ich \u00fcblicherweise nicht bin, das Reiseziel nach Stuttgart verlegt. Daf\u00fcr gabs auch problemlos die Fahrkarte, und ein kurzes Befragen von Tante Gugel ergab mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mercedes-Benz_Welt\">Mercedes-Benz-Museum<\/a> auch ein nettes Reiseziel, Einkaufsm\u00f6glichkeiten w\u00fcrden ja eh kein Problem sein.<\/p>\n<p>So stand ich am Samstag gegen halb sieben auf (kann mir mal wer verraten, wof\u00fcr ich mir den Wecker stelle, wenn ich dann doch immer 10 Minuten vor dem Klingeln wach bin?), machte mich bereit und lief zum Bahnhof. Endlich mal wieder den mp3-Player in Dauerberieselung, aufm Bahnhof stehend und mit dem Fu\u00dfe im Takt wippend &#8211; jau, da hat mir in den letzten Wochen was gefehlt.<\/p>\n<p>Der Zug gondelte zun\u00e4chst \u00fcber diverse Bedarfshalte via Schwenningen gen Rottweil. Ab Schwenningen wurde es dann auch ziemlich voll, war ja auch sch\u00f6nes Wanderwetter angesagt. In Rottweil hie\u00df es dann umsteigen, vorher konnte ich eine ziemlich vergammelt wirkende alte 52er begucken, die da am Bahnhof rumsteht. So sa\u00df ich dann p\u00fcnktlich kurz nach acht im Regionalexpress gen Landeshauptstadt. Dummerweise durfte ich mir das Abteil mit vier Schweizer Jugendlichen (2x m\u00e4nnlich, 2x weiblich) teilen, deren IQ in der Summe vermutlich dem einer Scheibe Toastbrot entsprach (juhu, Vorurteile, zumindest fehlte es ihnen aber eindeutig an sittlicher Reife) und die den ganzen Waggon aus einem qu\u00e4kenden Handy beschallen mu\u00dften. Unn\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass es sich um irgendwelches HipHop-Charts-wasauchimmer-Geraffel handelte. Ich brauch bei Gelegenheit mal Lautsprecher f\u00fcr meinen mp3-Player, dann gibts den Gegenangriff mit AC\/DC und Slayer. Diese Nervt\u00f6ter stiegen in B\u00f6blingen aus, der Zug n\u00e4herte sich dann Stuttgart, man hat da bei der Anfahrt einen sehr sch\u00f6nen Blick auf das Stuttgarter Zentrum, weil man erstmal die halbe Stadt umrunden mu\u00df und ziemlich von oben her hineinrollt.<\/p>\n<p>Dreiviertel Zehn (aka Viertel vor Zehn) war ich denn am Stuttgarter Hauptbahnhof, kurze Lagebestimmung, Suche eines Fahrkartenautomaten wegen S-Bahn-Fahrscheinen, und keine zehn Minuten sp\u00e4ter sa\u00df ich in der Bahn Richtung Gottlieb-Daimler-Stadion. Direkt neben besagtem Stadion und dem zugeh\u00f6rigen Trainingsgel\u00e4nde des amtierenden deutschen Fu\u00dfballmeisters befindet sich das Mercedes-Werk Untert\u00fcrkheim, und da ist auch das Museum.<\/p>\n<p>Jacke und Rucksack an der Garderobe abgeben, Fotoknipsapparat z\u00fccken, Eintrittskarte kaufen, elektronisches Audio-Guide-Ger\u00e4t in die Hand gedr\u00fcckt kriegen (dessen unf\u00f6rmige Kopfh\u00f6rer ich in die Hosentasche stopfte, wof\u00fcr hat man die Ohrst\u00f6psel vom mp3-Player?) und dann hinein ins Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gehts mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und zur\u00fcck ins Jahr 1880, dann l\u00e4uft (oder latscht (aus Quotengr\u00fcnden mu\u00df das Wort hier rein)) man die Etagen wieder hinunter in Richtung Erde der Gegenwart. Das geht also los beim Benz-Reitwagen und den ersten Versuchen aus dem Jahre 1886, es folgen diverse Kapitel, gegliedert in verschiedene Themengebiete, bis man dann irgendwann im Hier und Heute bzw. Erdgeschoss angekommen ist. Alles sch\u00f6n aufbereitet, das einzige, was mich gest\u00f6rt hat, war die gedr\u00e4ngte Aufstellung der Exponate (fast unm\u00f6glich, auf einem Foto mal keinen Besucher im Weg zu haben) sowie die Tatsache, dass nirgends eine Motorhaube oder T\u00fcre offen war, ein Blick auf die Technik blieb somit gr\u00f6\u00dftenteils verwehrt. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, obgleich wenn ich aufgrund rasch steigender Besucherzahlen ziemlich flotten Fu\u00dfes durch das Museum marschiert bin und mir f\u00fcr viele Exponate nur sehr wenig Zeit genommen habe. Wie sich zeigte war das aber die richtige Entscheidung, denn als ich nach 12 wieder raus bin, war eine Riesenschlange am Einla\u00df, es w\u00e4re also noch deutlich voller geworden. Im Museumsshop erstand ich dann noch ein Buch f\u00fcr 30 EUR, welches ich f\u00fcr die Realisierung eines <a href=\"http:\/\/www.domaratius.de\/ttdx\/germanrv.html\">Hobbyprojekts<\/a> gut gebrauchen kann.<\/p>\n<p>Nun ging es zur\u00fcck zum Hauptbahnhof, der zweite Teil der Tour stand ja auf dem Programm. Vorher brauchte ich aber was zu futtern. Nachdem McDoof wegen &#8222;zu voll&#8220; und &#8222;zu teuer&#8220; ausfiel, erstand ich bei einer Imbi\u00dfbude ein &#8222;Leberk\u00e4sesandwich&#8220; (da w\u00fcrden die mich hier beim B\u00e4cker doof angucken, da hei\u00dft das &#8222;Fleischk\u00e4sebr\u00f6tchen&#8220;). Anschlie\u00dfend begab ich mich in Richtung des Schlo\u00dfgartens, direkt neben dem Bahnhof gelegen. Hier fiel mir zuerst auf, dass die Stadt unheimlich dreckig ist, \u00fcberall Verpackungsm\u00fcll und jede Menge suizidale Tauben, die blindlings mit harmlosen Passanten zusammensto\u00dfen.<\/p>\n<p>Am Park selbst hatte ich dann ein musikalisches Aha-Erlebnis (nein, nicht mit A-ha, sondern mit Simon &amp; Garfunkel, die schnulzten mir da grad <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scarborough_Fair\">Scarborough Fair<\/a> in die Ohren, und in Anbetracht der Parkumgebung fiel mir da <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Reifepr%C3%BCfung\">ein Film<\/a> ein, in dem Dustin Hoffman zu genau diesem Lied ebenfalls durch einen Park rennt, allerdings auf dem Campus einer Uni in San Francisco. Na jedenfalls machte ich von dem Park und den Brunnen rund um das Schlo\u00df einige Fotos und begab mich dann gegen 13 Uhr ins gro\u00dfe Einkaufsget\u00fcmmel.<\/p>\n<p>Ich <span style=\"text-decoration: line-through;\">flanierte<\/span> lie\u00df mich von den Menschenmassen also die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%B6nigstra%C3%9Fe_%28Stuttgart%29\">K\u00f6nigsstra\u00dfe<\/a> (das ist die Einkaufsmeile in Stuttgart) entlangschieben, schaute was es so f\u00fcr Gesch\u00e4fte dort gab, die ich dann auf dem R\u00fcckweg <span style=\"text-decoration: line-through;\">heimsuchen<\/span> betreten wollte. Zwischendurch wurde man von peruanischen Laienmusikern genervt, die lautstark auf sich aufmerksam machten. Komischer war der Typ, der an einer Ecke Saxophon spielte und dabei einen Papagei auf dem Kopf sitzen hatte, der zwischendurch immer &#8222;Bwaak.&#8220; machte. Optisch ansprechender waren die Ergebnisse des Zeichners, der mit Kreide Gem\u00e4lde im Quadratmeterausma\u00df aufs Pflaster malte &#8211; und die gut gebaute Entertainerin, die im knappen Glitzerkost\u00fcm, schwarzem Minirock, halterlosen Str\u00fcmpfen und High Heels ihre Performance vorbereitete. Aber zur\u00fcck zu den L\u00e4den: Das begann bei drei Filialen von H&amp;M (innerhalb von wenigen hundert Metern wohlgemerkt), wo sich jedoch nur billiger Schund finden lie\u00df, der mir noch nicht mal gefiel, ging weiter \u00fcber andere Model\u00e4den, wo man den gleichen Schei\u00df h\u00e4tte kaufen k\u00f6nnen, und endete bei Model\u00e4den, wo man schon von au\u00dfen sehen konnte, dass sie nicht meinen Preisvorstellungen entsprechen w\u00fcrden. Daneben gab es einen sehr gro\u00dfen Buchladen, wo ich mir dann ein zweites Buch f\u00fcrs Hobbyprojekt zulegte, in dem man aber auch vor Menschenmassen kaum treten konnte.<\/p>\n<p>Da inzwischen die Sonne herausgekommen war und es zunehmen w\u00e4rmer wurde, suchte ich zwecks Abk\u00fchlung die \u00f6rtliche Niederlassung der Elektronikmarktkette auf, bei denen Geiz geil ist. Immerhin waren sie nicht zu geizig f\u00fcr eine Klimaanlage. Mit einem Stapel neuer Tontr\u00e4ger und etwas \u00fcber 100 EUR \u00e4rmer verlie\u00df ich den Laden eine Stunde sp\u00e4ter wieder, meine Laune hatte sich in dieser Zeit nicht unerheblich gebessert.<\/p>\n<p>Nun ging es langsam zur\u00fcck in Richtung Bahnhof, auch wenn ich noch zwei Stunden bis zur Abfahrt hatte. Ich schlug mich kurzentschlossen noch in eine Filiale von C&amp;A und erstand nach l\u00e4ngerem Suchen dann tats\u00e4chlich noch ein paar sehr preiswerte Klamotten (Hauptsache sie stellen sich nicht im Nachhinein als billig heraus) und hatte somit alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Anschlie\u00dfend ging ich noch kurz bei <abbr title=\"World Of Music\">WOM<\/abbr> rein, machte aber nach einem kurzen Check der Preise auf dem Absatz kehrt. Direkt gegen\u00fcber dem Bahnhof gibts dann noch eine Filiale der Elektronikkette, die nicht bl\u00f6d ist, sondern nur einen bl\u00f6den Marketingchef hat. Hier fanden sich noch einige Schn\u00e4ppchen und Geheimtipps, so dass noch mal knapp 50 EUR f\u00e4llig waren.<\/p>\n<p>Nun war der Rucksack voll, die Schnauze voll hatte ich auch, also zur\u00fcck zum Bahnhof. Hier stand ich noch eine knappe Stunde d\u00e4mlich in der Gegend herum, bevor ich mir im Zug einen gem\u00fctlichen Sitzplatz suchte. Die R\u00fcckfahrt verlief dann reichlich ereignislos, abgesehen von einem weiteren musikalischen Erlebnis der Sorte &#8222;pa\u00dft wie Faust aufs Auge&#8220; &#8211; Sentenced sangen was von &#8222;The Rain Comes Falling Down&#8220;, und &#8211; logisch &#8211; es beginnt ein kurzer Schauer. Der war aber schnell vorbei, und weiter ging es bei tollstem Sonnenschein durchs sch\u00f6ne Neckartal. Sollte man sich auch mal f\u00fcr ne Radtour vormerken, von der Neckarquelle aus Richtung Rottweil und dann geht der Neckarradweg weiter bis nach Heidelberg. Nein, das werde ich nicht am St\u00fcck fahren.<\/p>\n<p>Nach dem Umsteigen in Rottweil und der p\u00fcnktlichen Abfahrt gen Villingen kam ich dann gegen halb sieben geschafft, aber sehr zufrieden wieder daheim an. Fazit: Knapp 300 EUR ausgegeben, einiges gesehen, ein paar Ideen entwickelt, was man mal noch so machen k\u00f6nnte, und <a href=\"http:\/\/www.domaratius.de\/fotografiert\/events\/20070728stuttgart\/index.php\">viele Fotos zum Angucken<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zahlreichen daheim verbrachten Wochenenden stand nun endlich mal wieder eine l\u00e4ngere Tagestour an. Eigentlich war der Anla\u00df sehr banal &#8211; ich wollte mir ein paar Klamotten kaufen, damit die Waschmaschine nicht immer nur dreiviertelvoll vor sich hin r\u00f6delt. 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