{"id":2783,"date":"2020-04-08T20:13:58","date_gmt":"2020-04-08T18:13:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/?p=2783"},"modified":"2020-04-08T20:13:58","modified_gmt":"2020-04-08T18:13:58","slug":"digitale-analogien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2020\/04\/08\/digitale-analogien\/","title":{"rendered":"Digitale Analogien"},"content":{"rendered":"<p>Ich darf\/kann\/muss\/soll grad im Requirements Engineering aushelfen, obwohl ich eigentlich etatm\u00e4\u00dfiger Weichwaren-Architekt bin. Nur kann ich halt schlechterdings Software architekturieren wenn ich keine Ahnung hab was diese sp\u00e4ter eigentlich mal machen soll. Da diese Abstimmung aber je nach beteiligten Kolleginnen und Kollegen relativ kompliziert sein kann, passiert es gerne mal, dass der Zeitplan durcheinander kommt.<\/p>\n<p>Dann praktizieren wir auch mal was, was als &#8222;Reverse Waterfall&#8220; bekannt sein k\u00f6nnte &#8211; also quasi klassisches <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wasserfallmodell\">Wasserfall-Modell<\/a>, nur eben r\u00fcckw\u00e4rts: Man implementiert einfach mal drauflos und bastelt irgendwas, wovon man denkt dass es ungef\u00e4hr das sein k\u00f6nnte, was gebraucht wird, und fummelt dann sp\u00e4ter per reverse engineering seine Architektur dazu und schreibt die Requirements auf, die man damit m\u00f6glicherweise erschlagen hat. Frei nach dem Motto was nicht passt wird passend gemacht. Und damit das nun besser funktioniert, darf ich halt nun zun\u00e4chst mal die Requirements aufschreiben, bevor ich mir eine Architektur aus den Fingern sauge (oder aus den Rippen schneide, je nach Tagesform und Notwendigkeit).<\/p>\n<p>Wie nicht anders zu erwarten stellt sich heraus, dass Requirements zu erarbeiten gar nicht mal so trivial ist, vor allem wenn man keinen wirklichen Ansatz und Rahmen hat und dementsprechend nicht immer genau wei\u00df wo man anfangen kann und wo man aufh\u00f6ren muss. Dem Chef wurde das neulich so erkl\u00e4rt: Du sollst ein Bild an die Wand h\u00e4ngen und musst dazu einen Nagel an einer bestimmten Stelle in die Wand h\u00e4mmern. Problem ist nur, du hast gar keine Wand und dementsprechend keine Ahnung, wo der Nagel eigentlich hingeh\u00f6rt oder \u00fcberhaupt hingeh\u00f6ren k\u00f6nnte. Und wenn man nun erstmal die Wand reverse engineeren muss, weil irgendein Entwickler da irgendwas wand\u00e4hnliches hingebaut hat, was dann noch undokumentierte Features wie T\u00fcren, Stromleitungen und Wandst\u00e4rken zwischen Tresort\u00fcre und japanischem Papiervorhang hat, wird das Anbringen des Bildes halt extrem zeitaufwendig.<\/p>\n<p>Heute \u00fcberraschte ich dann die f\u00fcr Requirements zust\u00e4ndige Kollegin mit der Aussage, ich w\u00e4re mit meinen Requirements schon fertig (war ich nat\u00fcrlich nicht, weil wir noch diverse Dreckfuhler, Fipptehler und bei nochmaligem Nachdenken noch drei fehlende Requirements entdeckt haben), aber ich hatte von ihr immerhin schon die Wand hingestellt bekommen und die drei Kreuze, wo die N\u00e4gel zum Aufh\u00e4ngen der neuen Bilder bzw. Requirements hingeh\u00f6ren. Und damit kann ich dann in K\u00fcrze auch wieder sch\u00f6n K\u00e4sten und Striche und Pfeile malen und das dann anderen als Architektur verkaufen \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich darf\/kann\/muss\/soll grad im Requirements Engineering aushelfen, obwohl ich eigentlich etatm\u00e4\u00dfiger Weichwaren-Architekt bin. Nur kann ich halt schlechterdings Software architekturieren wenn ich keine Ahnung hab was diese sp\u00e4ter eigentlich mal machen soll. Da diese Abstimmung aber je nach beteiligten Kolleginnen und Kollegen relativ kompliziert sein kann, passiert es gerne mal, dass der Zeitplan durcheinander kommt. 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