{"id":2515,"date":"2019-09-16T22:15:13","date_gmt":"2019-09-16T20:15:13","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2515"},"modified":"2019-09-16T22:15:13","modified_gmt":"2019-09-16T20:15:13","slug":"steht-ein-stein-aufm-berg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2019\/09\/16\/steht-ein-stein-aufm-berg\/","title":{"rendered":"Steht ein Stein auf&#8217;m Berg"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz steht nicht das Pferd aufm Flur, sondern ein Stein aufm Berg. Und im konkreten Fall steht der Stein aus historischen Gr\u00fcnden da, weil sich anno dunnemals da einflu\u00dfreiche Lokalpolitiker getroffen und verhandelt haben. Halte ich f\u00fcr ausgemachten Schwachfug, Verhandeln kann man n\u00e4mlich im Gasthaus bei &#8217;nem Bier viel besser als wenn man erst auf \u00fcber 2000m H\u00f6he kraxeln muss&#8230; Aber gut, die Lokalfolklore sagt es so, also glauben wir das mal. Und dementsprechend gings bei der letzten Wanderung dann eben auch den Berg hoch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Besagter Stein ist der sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dreib%C3%BCndenstein\">Dreib\u00fcndenstein<\/a>. Dieser steht ganz in der N\u00e4he von Chur auf 2160m H\u00f6he am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brambr%C3%BCesch\">Brambr\u00fcesch<\/a>. Diesen wiederum erreicht man bequem per Seilbahn direkt von Chur aus. Dementsprechend wurde das auch als Wandertour eingeplant &#8211; mit der Seilbahn auf so ca. 1500m H\u00f6he, und anschlie\u00dfend nochmal 600 H\u00f6henmeter rauf und danach in gem\u00fctlicher Runde um den Berg wieder zur\u00fcck zur Seilbahn zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Mit der Gondel am Drahtseil<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck begab ich mich also ausnahmsweise nicht zum Bahnhof, sondern durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone hin zur Talstation der Seilbahn. Dort erstand ich ein Billet inklusive Retour wie es im lokalen Dialekt genannt wird und sa\u00df nun noch ein paar Minuten herum, bis die n\u00e4chste Bahn fahren sollte. In die Kabine passen m\u00e4chtig viele Leute, zum Gl\u00fcck war aber nicht so viel Betrieb, es war also keine Sardinendosentortur.<\/p>\n<p>Die Seilbahn f\u00fchrt aber nur bis zur Mittelstation, danach folgt noch eine weitere Gondelbahn mit kleineren Gondeln f\u00fcr 4 Personen. Da sa\u00df ich nun mit zwei \u00e4lteren Schweizer Herren zusammen, die sich in lustiger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizerdeutsch\">Donald-Duck-Sprache<\/a> \u00fcber die Touristenmassen unterhielten, die die Schweiz heimsuchen. In Chur ist das ja aber deutlich weniger ausgepr\u00e4gt als z.B. in Interlaken, insofern war das Jammern auf hohem Niveau. Ich hielt mich aber lieber raus, ich bin ja auch einer von den vermaledeiten Touristen&#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Oben angekommen konnte nun die eigentliche Wanderung beginnen. Die ersten paar hundert Meter gings mehr oder weniger geradeaus auf einem betonierten Weg, dann kam eine Kreuzung mit \u00f6chzig Wegweisern und einer Karte und ab da gings dann bergauf.<\/p>\n<p><strong> Im Fr\u00fchtau zu Berge ich zieh, fallera&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg, also eigentlich eher eine asphaltierte Zufahrtsstra\u00dfe zu einem Bauerngeh\u00f6ft, f\u00fchrte recht direkt und einigerma\u00dfen steil den Berg hinauf. Allerdings erfreulicherweise nicht so steil dass man sofort komplett au\u00dfer Puste war, weswegen ich recht schnell ordentlich Meter machen konnte. Nach mehreren hundert H\u00f6henmetern war die Stra\u00dfe dann abgesperrt, weiter gings auf schmaleren Feldwegen, aber immer noch sch\u00f6n den Berg hoch.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Zwischenstop war an einem Stall. Naja, sagen wir mal es war die n\u00e4chste Abwechslung beim Wandern, einen Zwischenstop hab ich aufgrund olfaktorischer Umst\u00e4nde lieber vermieden. Die Protosteaks waren eh alle irgendwo anders unterwegs, nur ein Protoschweineschnitzel w\u00fchlte gelangweilt im Dreck. Der Weg wand sich nun in diversen Kehren den Berg hinauf bis zu einem Bergsee, von dem aus man erstmals eine gute Aussicht in Richtung Rheinschlucht und das dahinter liegende <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gotthardmassiv\">Gotthardmassiv<\/a> hatte. Das lag in erster Linie daran dass ich die Baumgrenze erreicht hatte und au\u00dferdem die Sonne sch\u00f6n schien. Dummerweise hatte ich aber auch erst rund die H\u00e4lfte der Strecke geschafft.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste echte Zwischenstop war dann an der Talstation eines Sessellifts, der jetzt im Sommer aber nicht in Betrieb war. Im Winter vergn\u00fcgen sich da dann die Leute mit den Brettern an den F\u00fc\u00dfen beim runterfahren vom Berg. Ich hingegen wollte ja rauf auf den Berg. Und das wurde nun tats\u00e4chlich echt steil und anstrengend. Wobei es nat\u00fcrlich auch an der immer d\u00fcnner werdenden H\u00f6henluft gelegen haben k\u00f6nnte. Oder an der st\u00e4rker werdenden Sonneinstrahlung. Immerhin konnte man sich nicht verlaufen, solang es steil nach oben ging konnte es nicht falsch sein.<\/p>\n<p><strong>Am Gipfel angekommen<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwann hatte ich also den Berg erklommen und war an der Bergstation des Sessellifts angekommen. Von dort hatte man nun ein fantastisches Panorama von fast 360 Grad, nur in Richtung S\u00fcdwesten versperrten andere Berge die Aussicht. Am Dreib\u00fcndenstein war ich damit aber auch noch nicht, der steht n\u00e4mlich ein paar hundert Meter weiter s\u00fcdlich. Die Ausschilderung hier lie\u00df allerdings ein wenig zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, ebenso die Qualit\u00e4t der Wege &#8211; das war hier alles recht schweres Gel\u00e4uf quer durch Rindviehweidefl\u00e4che.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ein paar Erinnerungsfotos am Stein sp\u00e4ter begann dann der lange Abstieg. Diese sollte mich in gro\u00dfem Bogen zun\u00e4chst nach S\u00fcden f\u00fchren und dann scharf in Richtung Norden abknicken. In der Theorie w\u00e4re der Abstieg deutlich weniger steil gewesen als der Aufstieg (gleiche H\u00f6hendifferenz geteilt durch l\u00e4ngere Wegstrecke), praktisch war der erste Teil auch beschissen steil. Und beschissen beschissen. N\u00e4mlich voller Verdauungsendprodukte diverser vierbeiniger Milchproduzenten. Man musste also ziemlich aufpassen wo man da hintrat. Zu allem \u00dcberfluss war der Weg auch eher wenig bis gar nicht beschildert, und das Gebimmel von Kuhglocken in der N\u00e4he war jetzt auch nicht unbedingt vertrauensweckend, immerhin hatten sie Jungtiere dabei, und da kanns dann auch schnell brenzlig werden.<\/p>\n<p><strong>Steht &#8217;ne Kuh auf&#8217;m Weg<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer guten halben Stunde hatte ich das steilste St\u00fcck dann aber hinter mir und erreichte einen gut ausgebauten und relativ ebenen Panoramaweg. Der f\u00fchrte mich knapp oberhalb der Baumgrenze zur\u00fcck nach Norden. Die einzige knifflige Stelle war wieder ein Abschnitt mit erh\u00f6hter Kuhglockendichte. Der Weg f\u00fchrte da an einem recht steilen Abhang entlant, links oberhalb schloss sich eine gr\u00f6\u00dfere Bergwiese an, rechts gings nach unten, flankiert von einigen Str\u00e4uchern. Und mittendrin standen ein paar gelangweilte Wiederk\u00e4uer und waren damit besch\u00e4ftigt was K\u00fche halt so machen &#8211; gelangweilt in der Gegend herumglotzen und Gras fressen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Vorbeigehen war aufgrund der Topologie nicht wirklich m\u00f6glich, sich an der Kuh vorbeizw\u00e4ngen hielt ich jetzt auch nicht f\u00fcr wahnsinnig clever, also blieb nur noch die Variante in der Gegend rumzustehen wie ein Steinpilz, der Kuh auf den fetten Arsch zu glotzen und zu warten bis sie sich von alleine weiterbewegte&#8230; Was sie dann irgendwann auch tat. Hatte ich erw\u00e4hnt, dass ich zwar gef\u00fchlt hunderte Rindviecher gesehen hab und dabei nicht eine lila Kuh war? Das kann kein Zufall sein&#8230;<\/p>\n<p>Von weiteren Begegnungen mit einheimischen Rindviechern blieb ich danach verschont (bis auf gehirnamputierte Rindviecher der zweibeinigen Sorte, mehr dazu weiter unten). Der Weg kam schlie\u00dflich dort raus, wo ich am Morgen schon den ersten Abschnitt des Aufstiegs hinter mich gebracht hatte &#8211; an der Schranke wo die Stra\u00dfe zuende war. Nun gings also bei inzwischen hochsommerlichen Temperaturen am fr\u00fchen Nachmittag wieder den Berg hinunter zur\u00fcck in die Zivilisation (oder was man so daf\u00fcr h\u00e4lt). Das war mir ganz recht, machten sich meine F\u00fc\u00dfe nun doch wieder so langsam bemerkbar, obwohl es gar nicht so viele Kilometer gewesen waren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p><strong>Steile Abfahrt<\/strong><\/p>\n<p>An der Bergstation der Gondelbahn machte ich nun noch eine l\u00e4ngere Verschnaufpause. Diese wurde untermalt von lautstarker Blasmusik, die der Typ an der Gondelbahn (stilecht mit Trachtenhut und Lederhose) zur Untermalung seines Arbeitsplatzes einsetzte. Und da war ordentlich Betrieb &#8211; direkt neben der Gondelbahnstation beginnt n\u00e4mlich der Downhill-Trail. Nein, nicht der f\u00fcr gehirnamputierte Skifahrer, sondern der f\u00fcr gehirnamputierte Radlfahrer. Die Gondelbahn bef\u00f6rderte hier im Akkord je zwei Fahrr\u00e4der und zwei Adrenalinjunkies nach oben. Dabei ist schnell runterfahren keine Leistung, hochstrampeln ist viel anstrengender.<\/p>\n<p>Wie auch immer, ich bestieg schlie\u00dflich die Gondel und gondelte (bah, welch Wortwitz, ph\u00e4nomenal) die ganze Strecke wieder nach unten. An der Mittelstation entstand noch ein Foto vom Ausblick auf die Stadt, und keine halbe Stunde sp\u00e4ter war ich auch schon wieder in selbiger angekommen. Hier wars nun br\u00fctend hei\u00df, und weil ich am n\u00e4chsten Tag ja wieder nach Hause fahren w\u00fcrde organisierte ich mir noch einen Vorrat an Getr\u00e4nken. Eigentlich(tm) hatte ich mir dann noch vorgenommen einen Eisbecher zu futtern um noch etwas \u00fcbersch\u00fcssige Franken in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, aber nachdem ich im Hotel aus meinen Stiefeln ausgestiegen und unter die Dusche gekrabbelt war konnte ich mich irgendwie nicht nochmal dazu aufraffen mich ausgehfein zu machen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190815\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Tag endete also mit gem\u00fctlichem Ausspannen im Hotelzimmer, bevor Koffer packen und Abreisen angesagt sein w\u00fcrde. Was da dann passierte wird demn\u00e4chst mal festgehalten (Hint: Da passierte einiges nicht Allt\u00e4gliches).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz steht nicht das Pferd aufm Flur, sondern ein Stein aufm Berg. 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