{"id":2501,"date":"2019-09-03T21:32:42","date_gmt":"2019-09-03T19:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2501"},"modified":"2019-09-03T21:32:42","modified_gmt":"2019-09-03T19:32:42","slug":"nah-am-wasser-gelaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2019\/09\/03\/nah-am-wasser-gelaufen\/","title":{"rendered":"Nah am Wasser gelaufen"},"content":{"rendered":"<p>Die l\u00e4ngste Tour des Urlaubs, so rein wanderungsm\u00e4\u00dfig, f\u00fchrte mich durch die Rheinschlucht. Das hei\u00dft genaugenommen nicht direkt durch, mehr so rein, dann oben raus, um drei Ecken und eine Br\u00fccke weiter wieder rein und dann noch ein St\u00fcck an der Bahn lang. Oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Abschnitt 1 &#8211; Bahnfahrt Chur-Ilanz (30km, \u2197177m, \u219874m)<\/strong><\/p>\n<p>Das ganze Gelaber so von wegen Fr\u00fchst\u00fcck und Wurschtbr\u00f6tchen und Kaffee und noch&#8217;n Wurschtbr\u00f6tchen und morgentlicher Inthronisierung lasse ich jetzt mal weg, der erste relevante Gang des Tages f\u00fchrte mich dann kurz nach halb neun Uhr morgens n\u00e4mlich zu&#8230; einem Briefkasten. Dort landeten diverse mehr oder minder sauber beschriebselte Ansichtskarten in der Hoffnung dass die Post besser funktioniert als die Deutsche Bahn, hrhr. Anschlie\u00dfend bestieg ich den Zug in Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Disentis\/Must%C3%A9r\">Disentis\/Must\u00e9r<\/a>. Irgendwie fehlt mir auch grad die Mu\u00dfe da jetzt \u00fcberlange Abs\u00e4tze \u00fcber die r\u00e4toromanische Sprache abzuhandeln, zumal ich das glaube ich vor zwei Jahren oder sechs Jahren auch schon mal gemacht hab. Au\u00dferdem wollte ich ja auch \u00fcberhaupt nicht so weit fahren, sondern nur bis zur ersten Stadt am Rhein &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilanz\/Glion_(Stadt)\">Ilanz<\/a>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Die Strecke f\u00fchrt dabei in wests\u00fcdwestlicher Richtung am Rhein entlang, der dort eine sehr markante <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ruinaulta\">Felslandschaft<\/a> geschaffen hat (oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Per_Anhalter_durch_die_Galaxis\">Slartibartfa\u00df<\/a> hat ein paar Sonderschichten eingelegt). Ich guckte also w\u00e4hrend der Fahrt gem\u00fctlich aus dem Fenster und schaute mir schon mal an, wo ich langwandern wollte. Nicht ganz unwichtig war auch das Wetter, es herrschten knapp 20 Grad, es war bedeckt und trocken &#8211; ziemlich vern\u00fcnftiges Wanderwetter also. Und beim Anblick der Felsformationen entlang der Wanderstrecke kamen mir dann auch \u00fcberhaupt gar keine Zweifel (nein, ganz ehrlich nicht, gro\u00dfes Indianerehrenwort *hust*), dass ich der Strecke gewachsen w\u00e4re. Immerhin gurkte der Zug ja in reichlich 30 Minuten dort herum, so anstrengend k\u00f6nnte das also alles gar nicht sein. Nuja, wenn mir sonst schon keiner beim Kampf gegen den inneren Schweinehund hilft muss ichs halt alleine machen.<\/p>\n<p>Gegen halb 10 Uhr morgens, w\u00e4hrend im Werbefernsehen alle ihr kalorienreiches Fr\u00fchst\u00fccksknusperhaselnussdingens verspeisen begann f\u00fcr mich also die Wanderung des Tages.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 2 &#8211; Rheinschluchtwanderung (30,52 km, \u2197832m, \u2198953m)<\/strong><\/p>\n<p>Die Wanderstrecke hatte ich mir sch\u00f6n in mentale Etappen eingeteilt, immer von einer Bahnstation zur n\u00e4chsten. Damit ergaben sich drei Flachetappen (zwei am Anfang und eine am Ende), eine H\u00fcgeletappe und eine schwere Bergetappe in der Mitte. Los gings also in Ilanz \u00fcber gut ausgebaute Wander- und Radwege nah am Flussufer. Die Landschaft hier war noch relativ unspektakul\u00e4r, abgesehen von den Bergen links und rechts und den steil aufragenden Felsen irgendwo am Horizont. Ich kam entsprechend gut voran und hatte nur an einer Stelle kurz hinter Castrisch aufgrund eigener Bl\u00f6dheit einen kleinen Umweg, weil ich der Meinung war dass der Wanderwegweiser da gar nicht stimmen k\u00f6nne und einige 100m und ein Wegende auf nem Feld sp\u00e4ter dann doch einsehen musste dass der Wegweiser doch im Recht war. Das sieht man auch als sch\u00f6nen Zacken im GPS-Track.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Ab Valendas-Sagogn kamen die Felsen dann langsam n\u00e4her ans Ufer, das Gel\u00e4nde wurde rauer, aber der Wanderweg weiterhin gut begehbar, sieht man mal von diversen schlammigen Pf\u00fctzen ab, die sich nach dem kr\u00e4ftigen Regen der letzten Tage gebildet hatten. Die erste wirklich spektakul\u00e4re Stelle war die Querung des Carrerabachs (nein, nicht verwandt oder verschw\u00e4gert mit den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Porsche\">Blechkaleschen<\/a> aus Zuffenhausen). Ab dort entfernte sich der Weg dann etwas vom Rhein und f\u00fchrte auch gem\u00e4chlich bergauf, was ein paar nette Aussichten erm\u00f6glichte. N\u00e4chster Zwischenhalt und Ende der H\u00fcgeletappe war in Versam-Safien, wo dann der spektakul\u00e4rste Teil der Schlucht beginnt &#8211; und gleichzeitig auch die l\u00e4ngste und schwerste Bergetappe der Wanderung ihren Ausgangspunkt hatte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal ging es steil bergauf aus dem Tal heraus, entlang der Stra\u00dfe, die vom Bahnhof Versam zum Dorf f\u00fchrt. Durchs Tal selbst f\u00fchrt ja nur die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Reichenau-Tamins%E2%80%93Disentis\/Must%C3%A9r\">Bahnstrecke<\/a>, Stra\u00dfen gibts nicht, man k\u00f6nnte h\u00f6chstens noch per Wildwasserkanu durch. Ich stiefelte also wie ein ge\u00f6lter Blitz (so kam ich mir jedenfalls vor) die Stra\u00dfe entlang und machte innerhalb k\u00fcrzester Zeit \u00fcber 300 H\u00f6henmeter, was mich selbst erstaunte. Oben angekommen war trotzdem erstmal Pause angesagt, freundlicherweise hatten findige Schweizer ein paar Aussichtspunkte an exponierten Stellen aufgebaut, so dass man auch sch\u00f6n Aussicht der Sorte B\u00e4ume und Schlucht mit Fluss und Eisenbahn vor Berghintergrund hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das Dorf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Versam\">Versam<\/a> ist einer der entlegeneren \u00c4rsche der Schweizer Bergwelt, aber recht nett anzusehen und vor allem nicht v\u00f6llig \u00fcberlaufen wie gewisse andere Bergd\u00f6rfer. Der Wanderweg f\u00fchrt nun in gro\u00dfem Bogen erst nach Versam und von dort hinab zur alten Stra\u00dfenbr\u00fccke \u00fcber ein Seitental. Direkt hinter der Stra\u00dfenbr\u00fccke f\u00fchrt der Weg nun direkt auf der Stra\u00dfe entlang. Das ist eine typische Bergpassstra\u00dfe, schmal genug dass man dem Gegenverkehr ausweichen muss, was aber gar nicht so einfach ist wenn auf einer Seite eine senkrechte Felswand und auf der anderen Seite hinter der Leitplanke ein gro\u00dfes Nichts zu finden ist. Und v\u00f6llig verkehrsfrei war die Strecke auch nicht, selbst Lastwagen waren unterwegs. Wenn ich mich nicht vorher informiert h\u00e4tte h\u00e4tte ich dort echt gedacht ich w\u00e4re falsch abgebogen. Aber gut, aufgrund des gut funktionierenden Echos h\u00f6rt man die Autos schon Minuten bevor sie da sind und hat daher keine wirklichen Probleme.<\/p>\n<p>Witzig wurde es nur im Tunnel &#8211; ungef\u00e4hr 250 m lang und finster wie im&#8230; Tunnel eben. Da tapste man dann so a bissl blind durch die Gegend, aber immerhin war dort die Stra\u00dfe ordentlich zweistreifig mit Fu\u00dfweg ausgebaut. Je nach Blickwinkel erinnerte es an diverse Ausschnitte von korsischen K\u00fcstenstra\u00dfen, allerdings ohne r\u00f6hrenden Rallye-Quattro und mit weniger Sonnenschein. Daf\u00fcr gabs im Hintergrund Rauschenden Fluss und spektakul\u00e4re Aussichten. Wer will kann sich das mittels Streetview auch online angucken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Kurz vorm Aussichtspunkt Zault war dann auch der letzte Anstieg des Tages bew\u00e4ltigt &#8211; so anstrengend wars dort gar nicht, da hatte man aber schon den Aufstieg nach Versam in den Beinen, insofern kam die Sitzbank am Aussichtspunkt nicht ungelegen. Ich verpflegte mich also und machte ein paar schicke Fotos von schicker Aussicht. Nebendran am Parkplatz stand ein SUV mit einem P\u00e4rchen drin, die irgendwie nur drauf zu warten schienen dass ich mich endlich verkr\u00fcmeln m\u00f6ge. Irgendwas kam mir da merkw\u00fcrdig vor &#8211; welche junge Frau tr\u00e4gt bei 20 Grad und bedecktem Himmel an einem Aussichtspunkt am Berg Flip-Flips und einen langen Trenchcoat? Auch die weitere Aufmachung mit zig Einkaufst\u00fcten im offenen Kofferraum und die dicke Fotoausr\u00fcstung des Kerls mutete etwas merkw\u00fcrdig an. Kaum hatte ich mich wieder auf den Weg gemacht d\u00fcrfte das Fotoshooting begonnen haben, und ich glaube das w\u00e4r eins von einer Sorte wo man eher ungest\u00f6rt sein m\u00f6chte&#8230; Naja, jeder wie er\/sie meint.<\/p>\n<p>Mein Weg f\u00fchrte mich nun zun\u00e4chst gem\u00e4chlich bergab, bevor ich an einem Schild vorbeikam, auf dem Pferde verboten und Fahrr\u00e4der schieben geboten wurde. Hier kamen mir zwei Gruppen aus Sch\u00fclern entgegen, deren Betreuer vermutlich lieber einen Flohzirkus geh\u00fctet h\u00e4tten. Ich hingegen hatte mit dem steilen Abstieg jetzt doch einige M\u00fche, aber unten angekommen wartete die erste Rheinquerung des Tages in Form einer faul in der Gegend herumh\u00e4ngenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Punt_Ruinaulta\">H\u00e4ngebr\u00fccke<\/a>. Auf der anderen Seite war ich schlie\u00dflich an der Station Trin angekommen, die ich aber links liegen lie\u00df, weil ich ja noch eine letzte Flachetappe marschieren wollte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Abschnitt zwischen Versam und Trin wird vom Zug ja in nur f\u00fcnf Minuten durchfahren, aber ein wirklich gutes Bild von den spektakul\u00e4ren Felsen kann man sich tats\u00e4chlich nur zu Fu\u00df machen. Nicht umsonst gibt es dort auch auf beiden Seiten der Schlucht zahlreiche Aussichtspunkte, die jedoch in aller Regel 200 bis 300 Meter oberhalb des Flusses sind &#8211; gut f\u00fcr die Aussicht, aber der Aufstieg macht eben auch nen recht schlanken Fu\u00df.<\/p>\n<p>Der letzte Abschnitt f\u00fchrte daf\u00fcr nun direkt an der Bahnstrecke entlang und enthielt quasi gar keine Steigungen mehr. Das war ideal um am Ende einfach nur die Beine noch ein bissl gem\u00fctlich zu bewegen ohne sich sonderlich anstrengen zu m\u00fcssen. Und erfreulicherweise kam dann auch passend an der Flussbiegung ein Zug um die Ecke, so dass ich ein einigerma\u00dfen brauchbares Beweisfoto knipsen konnte. Danach folgte der letzte &#8222;Anstieg&#8220; des Tages, da gings ein paar Treppenstufen hinauf zur Rheinbr\u00fccke &#8211; der Wanderweg f\u00fchrt hier direkt neben der Bahnstrecke auf einer Stahlbr\u00fccke \u00fcber den Rhein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190813\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Nun blieben nur noch die letzten paar Kilometer bis zum Bahnhof, wof\u00fcr ich erneut den Rhein \u00fcberqueren musste, dann am Schloss <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichenau_GR\">Reichenau<\/a> vorbei erneut den Rhein \u00fcberquerte (diesmal allerdings den Rhein, nicht den Vorderrhein wie bisher) und schon war ich nach gut sieben Stunden Wanderung am Bahnhof angekommen. Das mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vorderrhein\">vorderen<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hinterrhein\">hinteren<\/a> Rhein ist ja dort so eine Sache, weil der eine Rhein n\u00e4mlich in den anderen Rhein rheinflie\u00dft (boah welch mieses Wortspiel). Und im \u00fcbrigen gilt sowieso: Wo ich bin ist vorn. Und wenn ich hinten bin ist hinten vorn.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 3 &#8211; Reichenau-Chur (13km, \u21970m, \u21985m)<\/strong><\/p>\n<p>Nach gut zehn Minuten Warten kam auch prompt ein Zug, der meine etwas maladen Knochen nun ohne weitere Zwischenf\u00e4lle zur\u00fcck nach Chur bef\u00f6rderte. Ich war in der Tat ziemlich fix und fertig, weniger wegen der Tour an sich (ich hatte auch danach keinen Muskelkater oder so), aber meine F\u00fc\u00dfe waren doch ziemlich hin\u00fcber ob der ungewohnten Anstrengungen, was sich durch eine h\u00e4ssliche Blase an der Ferse manifestierte. Jaja, Jammern auf hohem Niveau, ich wei\u00df schon. Trotzdem lautete der Entschluss am n\u00e4chsten Tag h\u00f6chstens von einem Bahnsteig zum anderen Wandern zu wollen. Urlaub ist ja schlie\u00dflich zur Erholung da, mich selbst kaputtmachen klappt im B\u00fcro halt einfach besser \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die l\u00e4ngste Tour des Urlaubs, so rein wanderungsm\u00e4\u00dfig, f\u00fchrte mich durch die Rheinschlucht. Das hei\u00dft genaugenommen nicht direkt durch, mehr so rein, dann oben raus, um drei Ecken und eine Br\u00fccke weiter wieder rein und dann noch ein St\u00fcck an der Bahn lang. 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