{"id":2481,"date":"2019-08-21T20:52:53","date_gmt":"2019-08-21T18:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2481"},"modified":"2019-08-21T20:52:53","modified_gmt":"2019-08-21T18:52:53","slug":"brummochse-im-nebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2019\/08\/21\/brummochse-im-nebel\/","title":{"rendered":"Brummochse im Nebel"},"content":{"rendered":"<p>Wie man der \u00dcberschrift bereits entnehmen kann war das Wetter am ersten Urlaubstag eher mal suboptimal, allerdings hielt mich das nicht vom Wandern ab. Es gab also Berge und grandiose Aussichten irgendwo hinter den Wolken und mordm\u00e4\u00dfig quietschende Eisenbahnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Am Anfang war das Fr\u00fchst\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Ohne Mampf kein Kampf sagt das Sprichwort, und wenn ich gegen den inneren Schweinehund bergauf wandern will gilt das nat\u00fcrlich gleich versch\u00e4rft. Dementsprechend ging es nach einer geruhsamen Nacht kurz nach sieben zum hei\u00dfen Kampf am kalten Fr\u00fchst\u00fccksbuffet. Der Andrang war \u00fcberschaubar, ich holte mir also die notwendigen Kalorien in Form zweier Wurstbr\u00f6tchen und sp\u00fclte mit O-Saft und Kaffee nach.<\/p>\n<p>Danach war erstmal eine ausgiebige Thronsitzung angesagt, bevor ich mich wanderfertig machte &#8211; Wanderstiefel an die F\u00fc\u00dfe, Regenjacke anziehen, Getr\u00e4nke und Wanderkarte im Rucksack und nochmal ausgiebig den Wetterbericht angucken. Besonders vielversprechend sah es nicht aus, aber zumindest war kein Regen angesagt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/t-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>(Anmerkung zu den Diagrammen: Der GPS-Tracker hat die Bahnfahrt nach Arosa nur durch zwei Punkte getrackt &#8211; vorm Einsteigen und nachm Aussteigen. Deswegen ist der Teil komplett interpoliert und nicht wirklich aussagekr\u00e4ftig. Auf der R\u00fcckfahrt war das Tracking besser, daher sind da die Werte auch brauchbarer).<\/p>\n<p>Gegen dreiviertel acht (oder sagt man in der Schweiz viertel vor 9?) ging es dann zum Bahnhof. Die Bahn in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Chur%E2%80%93Arosa\">Richtung Arosa<\/a> f\u00e4hrt direkt vorm Bahnhofsgeb\u00e4ude ab und rattert dann erstmal als Stra\u00dfenbahn durch die Stadt, bevor es dann bergauf in die Schweizer Wildnis geht. Noch stand aber kein Zug in der Gegend herum, nur jede Menge Leute die aussahen als w\u00fcrden sie Wandern wollen. Gut, war ein Samstag, da ist sowas nicht auszuschlie\u00dfen. Es waren auch viele Familien mit kleinen Kindern unterwegs, die wollten in Arosa <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arosa_B%C3%A4renland\">B\u00e4ren<\/a> angucken (nicht Himb\u00e4ren, sondern Braunb\u00e4ren, wie ich dann lernte).<\/p>\n<p>Auf den Schmalspurgleisen tat sich erstmal eine ganze Weile gar nix, dann kam der Zug aus Arosa auf dem Nachbargleis an und es begann ein Schauspiel was man in Deutschland so nur noch sehr sehr selten sieht &#8211; es wurde n\u00e4mlich rangiert. Und zwar so richtig, mit Rangierer an den Kupplungen und Weichenstellen und kompletter Bremsprobe inklusive Abklopfen der Bremsen. P\u00fcnktlich wie das ber\u00fchmte Uhrwerk sa\u00df ich also im Zug und&#8230; wartete auf die Abfahrt, die sich wegen Warten auf umsteigende Reisende um f\u00fcnf Minuten verz\u00f6gerte. Gut, konnte mir wurscht sein, ich hatte ja keine knappen Anschl\u00fcsse abzuwarten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/t-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p><strong>Im Fr\u00fchtau zu berge ich quietsch, fallera<\/strong><\/p>\n<p>Der Zug setzte sich dann irgendwann tats\u00e4chlich in Bewegung und wir zuckelten gem\u00fctlich in Richtung S\u00fcden. Am Ortsausgang angekommen gings in den ersten von vielen Tunneln und hinein in eine ordentliche Steigung. Auf der rechten Seite war dann viel Tal, auf der linken Seite steiler Berghang und vor uns eine Kurve nach der anderen. Der Zug zuckelt die Strecke so mit etwa Tempo 30 entlang, die Kurven haben Radien die einer Stra\u00dfenbahn zur Ehre gereichen, und ich guckte gebannt ausm Fenster weil ich die Strecke vorher noch nie gefahren war. Das Quietschen kommt nat\u00fcrlich im Tunnel besonders gut, und von denen gibts nat\u00fcrlich reichlich. Gleiches gilt f\u00fcr Br\u00fccken, unter ihnen dann auch so markante Gro\u00dfbauwerke wie das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Langwieser_Viadukt\">Langwieser Viadukt<\/a>. Allerdings wurde unsere Versp\u00e4tung eher gr\u00f6\u00dfer als kleiner, weil wir nat\u00fcrlich auf der eingleisigen Strecke immer wieder auf Gegenz\u00fcge warten mussten und die Schienen auch sch\u00f6n feucht waren.<\/p>\n<p>Mit ungef\u00e4hr 15 Minuten Versp\u00e4tung (bei grade mal einer Stunde Fahrzeit, Skandal!) erreichten wir schlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arosa\">Arosa<\/a>. Hier befand ich mich nun noch unterhalb der Wolkendecke, es war trocken und die Temperaturen waren akzeptabel zum Wandern &#8211; ungef\u00e4hr 15 Grad. Also gings auch direkt los &#8211; allerdings in die falsche Richtung, weil ich an der ersten Kreuzung das Hinweisschild &#8222;zu den Wanderwegen&#8220; \u00fcbersehen hatte. Den dadurch entstandenden Schlenker sieht man auch sch\u00f6n in der Karte. Ich lief dann nochmal zur\u00fcck zum Bahnhof und schaute mir dort die aush\u00e4ngende Wanderkarte nochmal genauer an. Und dann gings im zweiten Anlauf auch in die richtige Richtung &#8211; zumindest horizontal, vertikal wars immer noch falsch, weil bergab.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/t-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Der Weg folgte erstmal der Bahnstrecke talw\u00e4rts, bevor er knapp 200 H\u00f6henmeter sp\u00e4ter an einem kleinen Stausee abzweigte und von da ab in den Wald f\u00fchrte. Der Boden war hier grunds\u00e4tzlich nass, aber nicht v\u00f6llig aufgeweicht, man konnte also recht problemlos laufen ohne die halbe Schweiz an den F\u00fc\u00dfen kleben zu haben. Nur auf den Steinen musste man ein bissl aufpassen wegen der Rutschgefahr.<\/p>\n<p>Der Weg (ha, ich wiederhole mich) stieg kontinuierlich an, und schon nach kurzer Zeit \u00e4rgerte es mich dass ich erst den Berg runtergelaufen war, denn das musste ich nun alles zus\u00e4tzlich wieder hochlaufen. Ich merkte auch schnell dass ich ziemlich aus der \u00dcbung war, so konditionsm\u00e4\u00dfig. Es k\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch einfach nur die H\u00f6henluft gewesen sein, jedenfalls machte sich eine gewisse Kurzatmigkeit bemerkbar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/s-h.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Dummerweise war das Wetter nicht unbedingt wirklich gut geeignet f\u00fcr anstrengende Wanderungen, da ich zwar die Klamotten schnell durchschwitzte, aber gleichzeitig die Regenjacke brauchte, die wiederum Wasser in weder der einen noch der anderen Richtung durchl\u00e4sst&#8230; Aber gut, von solchen Kleinlichkeiten l\u00e4sst sich ein Depp wie ich nicht beirren, also frisch auf weiter den Berg hoch. In Anbetracht der Witterungsbedingungen hatten ich den ganzen Berg f\u00fcr mich alleine &#8211; bis auf die drei K\u00fche (kein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fleckvieh\">Fleckvieh<\/a>, sondern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Braunvieh\">Braunvieh<\/a>), die zwischendrin einfach mal so auf dem Weg herumstanden, mich gelangweilt mit gro\u00dfen Augen anglotzten und stur weiter auf Grasb\u00fcscheln herumkauten.<\/p>\n<p><strong>Wie sie sehen, sehen sie nichts<\/strong><\/p>\n<p>Mit fortschreitender Wanderdauer gings immer weiter bergauf, die Luft wurde d\u00fcnner und die Aussicht immer schlechter &#8211; tiefh\u00e4ngende Wolken und so. Knapp \u00fcber der Baumgrenze war ich schlie\u00dflich auch in den Wolken angekommen &#8211; d.h. Sichtweite um die 50 Meter, wenn \u00fcberhaupt, au\u00dferdem ein konstanter Nieselregen und \u00fcberhaupt alles klamm und feucht. Rein theoretisch h\u00e4tte ich von den verschiedenen Aussichtspunkten eine grandiose Aussicht ins Tal haben m\u00fcssen (kann man bei Google Earth sch\u00f6n nachvollziehen), allein ich sah nur grau in grau.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/s-v.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Das ganze hatte oben auf der Alm was von einem schlechten Horrorfilm (The Fog oder auch Silent Hill oder The Last House on the Left) &#8211; es hat eben eine ganz merkw\u00fcrdige Atmosph\u00e4re wenn man da so durch den Nebel stolpert. Kaum Sicht, merkw\u00fcrdig ged\u00e4mpfte Ger\u00e4usche und man wei\u00df auch nicht so richtig ob man \u00fcberhaupt in die richtige Richtung l\u00e4uft. Markierungen am Weg gibts zwar alle paar hundert Meter mal, aber wenn man kaum 50 Meter Sicht hat und sich nur daran orientieren kann dass das Gras der Wiese am Weg etwas st\u00e4rker zertrampelt ist als daneben muss man schon recht genau hingucken was Sache ist. Ich war mir jedenfalls zwischendrin nicht immer so ganz sicher ob ich noch aufm richtigen Pfad unterwegs war. War ich allerdings wie ich zu meiner Beruhigung immer wieder feststellen konnte, nachdem ich dann doch den n\u00e4chsten Wegweiser gefunden hatte.<\/p>\n<p>Irgendwann gings dann wieder recht steil bergab. Gr\u00f6\u00dftes Hindernis hierbei waren diverse Spinnweben, die fieserweise einfach quer \u00fcber den Wanderweg gespannt worden waren, und deren Besitzer es sich in der Mitte gem\u00fctlich gemacht hatten&#8230; Nichtsdestoabertrotz ging es immer weiter bergab &#8211; sowohl beim Wandern als auch mit meiner Laune, ist eben schon recht nervig wenn man so durch eigentlich tolle Landschaft latscht, aber nix davon mitkriegt. Au\u00dferdem taten mir so langsam aber sicher F\u00fc\u00dfe und Kniegelenke weh (jaja, ich jammerndes Weichei, ich).<\/p>\n<p><strong>Satz von der Erhaltung der Gemeinheit<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall kam ich irgendwann wieder aus den Wolken raus und hatte auch wieder eine Aussicht die man guten Gewissens als solche bezeichnen kann. Mittlerweile war ich allerdings auch schon fast in Langwies angekommen und hatte dummerweise nicht ein gutes Foto vom Viadukt machen k\u00f6nnen. Kurz vor 15 Uhr erreichte ich schlu\u00dfendlich den Bahnhof, durchgeschwitzt, nassgeregnet, mit schmerzenden Knien, recht abgek\u00e4mpft und wie sich sp\u00e4ter rausstellen sollte kleineren Blasen am rechten Fu\u00df (der geneigte Leser darf mich jetzt bemitleiden oder auch die Nase r\u00fcmpfen \u00fcber mein Gejammer).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Diagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20190810\/s-deltah.png\" width=\"570\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Dem Fahrplanaushang konnte ich entnehmen dass der n\u00e4chste Zug eine Viertelstunde sp\u00e4ter ankommen w\u00fcrde, also setzte ich mich auf die bereitstehende Bank (ja, liebe DB, sowas geh\u00f6rt zu einem Bahnhof &#8211; Sitzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr wartende Fahrg\u00e4ste) und harrte der Dinge die da kommen sollten. Und siehe da, es kam auch gleich was, n\u00e4mlich der Gegenzug, was mir schlie\u00dflich doch noch ein paar brauchbare Beweisfotos der Sorte &#8222;Zug auf gro\u00dfer Br\u00fccke vor gebirgiger Landschaft&#8220; einbrachte. Au\u00dferdem traute sich wie zum Hohn die Sonne hinter den Wolken hervor, nachdem sie den gesamten bisherigen Tag mit Abwesenheit gegl\u00e4nzt hatte&#8230;<\/p>\n<p>Der Zug zur\u00fcck nach Chur k\u00fcndigte sich bereits Minuten vorher durch lautstarkes Gequietsche am Berghang an, mehrfach von der gegen\u00fcberliegenden Talseite reflektiert und mit ordentlich Echo und Hall versehen. Ich hatte dann einen gesamten Waggon f\u00fcr mich, was ich prompt dazu nutzte das Fenster zu \u00f6ffnen (ja, liebe DB, sowas reicht vollkommen aus zum Bel\u00fcften und kann im Gegensatz zu einer Klimaanlage auch nicht so leicht kaputtgehen) und jede Menge mehr oder minder brauchbarer Schnappsch\u00fcsse der Sorte &#8222;Fahrleitungsmast vor toller Landschaft&#8220; anzufertigen. Eine gute halbe Stunde sp\u00e4ter und mit vom lautstarken Gequietsche ziemlich klingelnden Ohren erreichte ich schlie\u00dflich wieder Chur und schlich zur\u00fcck ins Hotel.<\/p>\n<p>Fazit: Als Wanderung war das gar nicht schlecht, allerdings sollte man f\u00fcr den Anstieg schon ein bissl mehr Kondition bzw. \u00dcbung mitbringen als ich es tat, und das vorherige Bestellen von sch\u00f6nem Wetter h\u00e4tte sicherlich auch nicht geschadet. Am n\u00e4chsten Tag gings dann wieder in die gleiche Richtung, allerdings nochmal 1000 H\u00f6henmeter weiter hinauf. Aber das wird im n\u00e4chsten Beitrag besprochen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man der \u00dcberschrift bereits entnehmen kann war das Wetter am ersten Urlaubstag eher mal suboptimal, allerdings hielt mich das nicht vom Wandern ab. 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