{"id":2372,"date":"2018-08-02T21:23:27","date_gmt":"2018-08-02T19:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2372"},"modified":"2018-08-02T21:23:27","modified_gmt":"2018-08-02T19:23:27","slug":"urlaub-tag-5-jungfrau-besteigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2018\/08\/02\/urlaub-tag-5-jungfrau-besteigen\/","title":{"rendered":"Urlaub Tag 5: Jungfrau besteigen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;war angesagt. Wirklich bestiegen wurden aber nur Z\u00fcge. Und davon vier St\u00fcck, zwei um den Berg hoch zu fahren, und zwei f\u00fcr die R\u00fcckfahrt. Spazieren gehen war dann nur am Jungfraujoch dran, und nachmittags guckte man dann zu, wie die Pedalritter in Frankreich die Kehren nach Alpe d&#8217;Huez emporkraxelten.<\/p>\n<p><strong>Etappe 1: Fr\u00fchst\u00fcck und hinauf zur Kleinen Scheidegg<\/strong><\/p>\n<p>Ich wiederhole mich ja hier an dieser Stelle, aber nach einem m\u00e4\u00dfig spannenden Kampf um den besten Platz am Fr\u00fchst\u00fccksbuffet und dem Verzehr von K\u00e4sebr\u00f6tchen, Marmeladenbr\u00f6tchen, Kaffee und Orangensaft war man dann auch bereit f\u00fcr einen relativ kurzen Ausflug (weniger ausfl\u00fcgerisch war die Kellnerin, die schob irgendwie st\u00e4ndig Dienst &#8211; sie hatte uns am Vorabend bedient und war nun schon wieder mit dem Fr\u00fchst\u00fccksraum am Rotieren). Wichtig war das Einpacken eines dicken Pullovers und des Lichtschutzfaktors sowie nat\u00fcrlich der speziellen Spezialfahrkarten.<\/p>\n<p>Derlei ausger\u00fcstet begann der Tag dann p\u00fcnktlich gegen acht Uhr mit dem geordneten Abmarsch zum Bahnhof. Dort warf ich zun\u00e4chst mal die Ansichtskarten in den Briefkasten, auf dass sie noch vor Ende des Urlaubs die jeweiligen Empf\u00e4nger erreichen mochten. Der erste Zug des Tages fuhr nun zur Abwechslung mal vom linken Bahnsteig und nicht vom rechten, das war auch schon der gr\u00f6\u00dfte Unterschied. Die Fahrt selbst dauert ja dann nur ungef\u00e4hr eine halbe Stunde, dabei geht es zun\u00e4chst steil hinunter nach Grindelwald Grund und von dort nach einem Fahrtrichtungswechsel hinauf Richtung Kleine Scheidegg.<\/p>\n<p>Zwischendurch kam die Fahrkartenkontrollierdame durch und hatte allerhand Schwierigkeiten einigen fern\u00f6stlichen und indischen G\u00e4sten begreiflich zu machen, welche Fahrkarten denn hier nun notwendigerweise vorzuzeigen waren. Ist ja aber auch bl\u00f6d, wenn die Flatratetickets nun ausgerechnet auf der Paradetouristenstrecke nicht gelten&#8230;<\/p>\n<p><strong>Etappe 1: Kleine Scheidegg bis Jungfraujoch<\/strong><\/p>\n<p>Das Umsteigen an der Kleinen Scheidegg funktioniert ja tadellos, die Schaffner, die eben noch Fahrkarten kontrollierten stellen sich auf den Bahnsteig und machen auf Verkehrspolizist. &#8222;Alles aussteigen, rechts um marsch.&#8220; Da kommt man dann an entsprechende Barcodeleser, wo wieder drei Kontrollettis danebenstehen und schauen, dass alles reibungslos abl\u00e4uft. Es lief auch alles reibungslos ab, bis auf die v\u00f6llig unn\u00f6tige Hektik, die meine Mutter bei meinem Bruder machte, was diesen erstmal aus dem seelisch-moralischen Gleichgewicht brachte &#8211; er ist halt so kurz nachm Aufstehen nicht wirklich ansprechbar. Wir hatten eine Fahrtreservierung und durften damit in einen extra Wagen einsteigen, der dann auch gut und voll besucht war.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns also im gut beheizten Wagen ein kuschlig Pl\u00e4tzchen gesucht hatten begann die sch\u00f6ne Fahrt auch schon. Diese f\u00fchrt zun\u00e4chst bis zum Eigergletscher und danach wirds unterbergisch &#8211; man rumpelt halt diverse Kilometer durch einen Tunnel und sieht links Felswand, rechts Felswand und vorn und hinten Werbevideos \u00fcber tolle Aussichten.<\/p>\n<p>A propos tolle Aussichten: Meine Eltern sollten f\u00fcr Freunde ein Foto mitbringen: &#8222;Ehepaar in der Nordwand&#8220;. Also wurde eine entsprechendes Foto gemacht von Eltern im Zug, der durch den Fels der Nordwand rumpelt. Und ein Foto von Eltern vorm Schild mit der Eismeeraussicht auf 3160m. Und nat\u00fcrlich sp\u00e4ter noch zahllose Fotos von Eltern vor\/neben\/an\/auf der Jungfrau (je oller desto flacher die Witze und so).<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr einer halben Stunde Felsanstarren waren wir dann auch schon oben angekommen. Nachdem sich die gr\u00f6\u00dften Touristenmassen aus dem Eingangsbereich verzogen hatten begannen dann auch wir langsam und gem\u00fctlich den Rundgang.<\/p>\n<p><strong>Etappe 2: Jungfraubesichtigung<\/strong><\/p>\n<p>Das hei\u00dft in erster Linie ging meine Mutter langsam und gem\u00fctlich weil ihr die H\u00f6henluft zu schaffen machte. Der Rest der Familie hatte weniger damit zu k\u00e4mpfen und lief schnurstracks vorneweg, bis von hinten ein Machtwort gesprochen wurde. Am Fahrstuhl zur Aussichtsplattform musste man dann aber ohnehin erstmal warten, da waren dann auch prompt wieder alle vier gemeinsam unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die &#8222;Reisep\u00e4sse&#8220; schon abgestempelt, die man bei der Fahrt aufs <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jungfraujoch\">Jungfraujoch<\/a> ja bekommt und wo man dann abstempelt, dass man an $Datum wirklich da oben war. Ein nettes Gimmick, aber eigentlich v\u00f6llig idiotisch &#8211; wie \u00fcberhaupt die Idee, eine Bahn auf 3500m H\u00f6he bauen zu wollen ja reichlich idiotisch ist. Aber zwischen Genie und Wahnsinn liegt halt nur ein schmaler Grat, und der einzige Unterschied zwischen einem Irren und einem Vision\u00e4r ist, dass letzter mit seiner Wahnvorstellung am Ende Geld verdient hat.<\/p>\n<p>Am Aussichtsbereich angekommen konnte man dann erst einmal die kollektive Bl\u00f6dheit des Menschen im allgemeinen und des Touristen im Besonderen bewundern: Wenn an der gro\u00dfen Dreht\u00fcr zum Au\u00dfenbereich der Plattform gro\u00dfe Schilder in dr\u00f6lfzig Sprachen dran sind kapiert trotzdem keiner, dass die T\u00fcr sich automagisch dreht und man nicht dagegen dr\u00fccken soll&#8230; Man k\u00f6nnte nat\u00fcrlich alternativ auch an der Intelligenz der T\u00fcrenbauer zweifeln, warum man nun gerade so eine Dreht\u00fcr und keine manuell zu bet\u00e4tigendes Exemplar eingebaut hat&#8230; Aber gut, irgendwer wird sich schon irgendwas dabei gedacht haben.<\/p>\n<p>Auf der Aussichtsplattform war schon reger Betrieb, neben den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen aus Fernost, Mittelost, Nahost und sonstwo waren &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; auch Sachsen vertreten. &#8222;Wenn die die h\u00f6chsten Gipfel grie\u00dfen, zieht es dich in die Wieste hin, liegt dir e Paradies zu Fie\u00dfn &#8211; e Sachse liegt schon mitten drin.&#8220; So isses eben. Wir machten also die dort \u00fcblichen Fotos von Wolken \u00fcberm Aletschgletscher, vom Ausblick ins Nordschweizerische und von den Bergen links und rechts. Die Thermometer hatten irgendwas von einstelligen Plusgraden angezeigt, dazu wars praktisch windstill, durch den Sonnenschein wars also gef\u00fchlt angenehm warm, man h\u00e4tte problemlos in kurzen Hosen rumlaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir liefen hingegen zur\u00fcck zum Fahrstuhl und begaben uns zum n\u00e4chsten Teil des Rundgangs. Da gings dann raus in den Schnee, nur echt mit Liegesesseln (zum Ausleihen f\u00fcr teuer Franken), jeder Menge Chinesen beim Schneeballwerfen und der Schwierigkeit, bei dem vielen Lichteinfall einigerma\u00dfen kontrastreiche Fotos zu machen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem mit dem Licht hatte indes mein Bruder, aber ohne Sonnenbrille da aufm Schnee rumlaufen ist nat\u00fcrlich auch nicht ohne. Daher wurde das Herumgestapfe im Schnee kurz gehalten und sich wieder den dunkleren Tunneln im Berg zugewandt.<\/p>\n<p>Dort gibts dann noch so kitschigen Bl\u00f6dsinn wie eine ausm ganzen Holz geschnitzte Kuh (da muss man sich davor fotografieren lassen, sonst war man nicht da) oder einen Eispalast. Dort zeigte sich erneut der ganze Wahnsinn der Touristerei &#8211; eine Frau im Rollstuhl wurde dort die Treppe runtergefahren, w\u00e4hrend gleichzeitig links und rechts eine Horde Chinesen vorbeidr\u00e4ngte&#8230; Muss irgendwie alles nicht sein soviel Gedr\u00e4ngel. Der Berg rennt ja nicht weg, der ist \u00e4lter als das Reich der Mitte. Was eventuell eher mal wegrennt sind die Eisskulpturen, wegen denen der Bereich auf Minusgrade gek\u00fchlt werden muss. Da gibts dann Eisb\u00e4ren und Tuxe und einen Hund (chinesisches Jahr des Hundes, letztes Jahr stand da noch ein Gockel in der Gegend rum) und\u00a0 &#8211; besonderes Highlight &#8211; Scrat, das komische Haselnuss jagende Viech aus Ice Age eingefroren im Eis.<\/p>\n<p>Fast am Ende des Rundgangs kommt man dann nochmal auf der anderen Seite der Station in den Schnee hinaus und kann sich dann vor der Bergkulisse oder der Schweizer Flagge fotoknipsen lassen &#8211; vorausgesetzt man findet einen Platz , wo nicht schon \u00f6chzig Leute im Bild stehen. Das klappte erstaunlicherweise recht gut, so dass wir ein schickes Foto der Sorte &#8222;Eltern im Schnee vor Schweizer Flagge vor Bergkulisse&#8220; machen konnten. Und damit waren wir auch schon so gut wie am Ende der sch\u00f6nen Tour, ich musste etwas auf die Zeit achten, eildiweil Indianerpfeil wir ja Reservierungen f\u00fcr die R\u00fcckfahrt erstanden hatten. Und wir waren noch nicht durch den Souvenirshop und den Schokoladenladen durch &#8211; hatten aber auch keine halbe Stunde Zeit mehr.<\/p>\n<p>Ende der Geschichte: Mein Bruder war genervt, mein Vater war genervt, meine Mutter war genervt, ich war genervt &#8211; nur die Gr\u00fcnde waren unterschiedlich. Bei meinem Bruder wars zu viel Sonne, bei meinem Vater wars sein holdes Eheweib, bei selbiger die Tatsache dass sie nicht genug Zeit f\u00fcr Souvenirshop und Schokoladenladen hatte (nachdem sie die allermeiste Zeit ja schon in ersterem verplempert hatte&#8230;) und bei mir die Tatsache dass ich von vornherein eine Stunde mehr h\u00e4tte einplanen k\u00f6nnen. Aber dann w\u00e4re mein Bruder nur noch genervter gewesen, weil er dann noch mehr von den Radlfahrern am Nachmittag verpasst h\u00e4tte. Man kanns halt nicht allen rechtmachen.<\/p>\n<p><strong>Etappe 3: R\u00fcckfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Der Rest ist jetzt schnell erz\u00e4hlt: Wir fanden uns p\u00fcnktlich zur Abfahrt des Zuges am Bahnsteig ein, zeigten brav die Barcodes am Scanner vor und rumpelpumpelten kurz darauf auch schon wieder sch\u00f6n talw\u00e4rts. Die Aussicht war marginal schlechter, statt Fels und Fels und Werbevideos zur Aussicht gabs Fels und Fels und Werbevideos f\u00fcr einen Kraftwerkshersteller&#8230; nuja. An der Kleinen Scheidegg war inzwischen ordentlich Betrieb, wir hingegen fuhren nun azyklisch zum Ansturm den Berg wieder hinunter, betrachteten dabei gem\u00fctlich die sch\u00f6ne Aussicht auf Grindelwald, was von da oben aus tats\u00e4chlich aussieht wie eine Ansammlung von Modellh\u00e4uschen auf der Modellbahn, bevor man immer n\u00e4her kommt und irgendwann feststellt, dass das ja doch richtige H\u00e4user sind&#8230;<\/p>\n<p>Kurz nach dem Mittag waren wir bereits wieder in Grindelwald, kauften noch fix Getr\u00e4nke ein und danach begann das nachmitt\u00e4gliche Unterhaltungsprogramm mit extrem Farbglotzofon gucken. Da strampelten sich ein paar bunt gewandete Pedalritter einen ab, um als erster oben aufm Berg anzukommen. Ich fand es m\u00e4\u00dfig spannend, interessanter war schon das Sprachstudium bei der \u00dcbertragung durch das Schweizer Fernsehen &#8211; wie \u00fcberhaupt der Schweizer Wetterbericht ein echtes Highlight ist. Man versteht es irgendwie, aber irgendwie auch wieder nicht so richtig&#8230;<\/p>\n<p>Letzte Amtshandlung des Tages war nun wie \u00fcblich das Abendessen, wobei ich zwar noch wei\u00df, dass ich Schnitzel bestellt hab, aber nicht mehr, ob das an jenem Tag so komisch ablief weil es kurzfristig regnete und die G\u00e4ste von der Terrasse auch noch ins Restaurant str\u00f6mten oder ob das am Vortag passiert war&#8230; Das kommt davon wenn man sich keine Notizen macht&#8230; Das Schnitzel hat auf jeden Fall geschmeckt und der Chefservierer hatte den Laden auch voll im Griff und brillierte mit Sprachkenntnissen und Wortwitz. Nur aufs Eis wurde verzichtet (denke ich jedenfalls, am Vortag gabs Eis und da waren wir danach alle ziemlich gut voll und wirklich gro\u00dfartig aktiv waren wir ja nicht gewesen).<\/p>\n<p>Das mit der Aktivit\u00e4t sollte sich am n\u00e4chsten Tag verbessern, aber das wird dann in den n\u00e4chsten Beitr\u00e4gen thematisiert. Uff, viel Geschreibsel und heute nicht mal mit auflockernden Grafiken dazwischen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;war angesagt. Wirklich bestiegen wurden aber nur Z\u00fcge. Und davon vier St\u00fcck, zwei um den Berg hoch zu fahren, und zwei f\u00fcr die R\u00fcckfahrt. Spazieren gehen war dann nur am Jungfraujoch dran, und nachmittags guckte man dann zu, wie die Pedalritter in Frankreich die Kehren nach Alpe d&#8217;Huez emporkraxelten. 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