{"id":2252,"date":"2017-09-28T21:55:44","date_gmt":"2017-09-28T19:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2252"},"modified":"2017-09-28T21:55:44","modified_gmt":"2017-09-28T19:55:44","slug":"von-einem-hoehepunkt-zum-naechsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2017\/09\/28\/von-einem-hoehepunkt-zum-naechsten\/","title":{"rendered":"Von einem H\u00f6hepunkt zum n\u00e4chsten"},"content":{"rendered":"<p>Nein, kein Schweinkram, nur eine mehr oder mindere elaborierte Aufz\u00e4hlung dessen, was man unterwegs halt so sieht wenn man in der Schweiz aus dem Fenster guckt w\u00e4hrend sich dieses Fenster mitsamt dem ganzen Zug durch die Gegend bewegt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Abschnitt 1 &#8211; Einsteigen bitte<\/strong><\/p>\n<p>Vor das Einsteigen in den Zug haben die G\u00f6tter der planm\u00e4\u00dfigen Personenbef\u00f6rderung den Kauf eines Fahrscheins gesetzt. Und f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Z\u00fcge braucht man dann zus\u00e4tzlich noch eine Sitzplatzreservierung. Zu diesen ausgew\u00e4hlten Z\u00fcgen z\u00e4hlt in der Schweiz auch der speziell f\u00fcr Touristen konzipierte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glacier_Express\">Glacier Express<\/a>. Der gurkt in gem\u00e4chlichen acht Stunden \u00fcber eine Strecke von 290 km (atemberaubende 36.25 km\/h im Schnitt) von St. Moritz nach Zermatt. Blumenpfl\u00fccken w\u00e4hrend der Fahrt ist allerdings nicht, denn erstens kann man die Panoramafenster nicht \u00f6ffnen, zweitens f\u00e4hrt man eher selten durch Blumenwiesen sondern meist \u00fcber Br\u00fccken und durch Tunnel, und drittens hat man eh die ganze Zeit was anderes zu tun &#8211; Mittagessen, Kaffeetrinken, die Landschaft bestaunen und \u00fcber den Kopfh\u00f6rer semiinteressante Fakten und Werbung f\u00fcr die Bordgastronomie mitzukriegen n\u00e4mlich. Man kann die Fahrt nat\u00fcrlich auch verpennen, aber dann ist das ein verdammt teures und exklusives Nickerchen.<\/p>\n<p>Anyway, ich hatte mir bereits Monate vor der Reise meinen Platz reserviert, damit ich auch auf der richtigen Seite mit dem richtigen Ausblick und garantiert am Fenster sitze. Neben dieser obligatorischen Reservierung kann man noch das Mittagessen vorbestellen, das verringert dann die Rechnerei beim Bezahlen im Zug. Zur Wahl steht dabei ein Men\u00fc mit Salat, Hauptgang und Dessert, man kann aber auch einfach nur den Hauptgang nehmen. Da hat man dann die Qual der Wahl vom geplatzten H\u00fchnchen \u00fcber Zerschnetzeltes bis hin zum Entrec\u00f4te mit Butter. Man kann also reisen und speisen wie Gott in&#8230; der Schweiz &#8211; zu entsprechenden Preisen, versteht sich, denn umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben. Ich hatte jedenfalls einfach den Tagesteller vorbestellt.<\/p>\n<p>Und wo wir nun schon vom Essen reden, begann der Reisetag gem\u00fctlich mit Aufstehen und Fr\u00fchst\u00fccken in dem wieder super hergerichteten Fr\u00fchst\u00fccksraum mit dem exzellent aufgebauten Buffet. Danach packte ich meine Siebensachen und machte mich ans Auschecken. Die nette und adrette Empfangsdame machte die Rechnung fertig, die Kartenzahlung funktionierte hier auf Anhieb und ich konnte mich dabei auch nur ein wenig in Smalltalk (nein, nicht die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Smalltalk_(Programmiersprache)\">Programmiersprache<\/a>) \u00fcben. Nun fehlte nur noch die ausgedruckte Rechnung, aber der Drucker weigerte sich beharrlich etwas aufs Papier zu klecksen. Das arme M\u00e4del wurde zusehends nerv\u00f6ser, weil die \u00fcblichen Tricks (Have you tried turning it off and on again?) nichts brachten &#8211; bis sie die Chefin rief, und kaum warf diese einen strengen Blick auf den sturen Drucker war er auch wieder bereit das zu tun was verlangt wurde&#8230; So ein Drucker ist eben auch nur ein Mensch.<\/p>\n<p>Nach diesem ersten Extra (H\u00f6hepunkt kann mans eher nicht nennen) des Tages ging es gem\u00fctlichen Fu\u00dfes zum Bahnhof, wo auch schon der Zug bereitstand. Ich hatte noch mehr als genug Zeit mich ein wenig umzusehen. Der Glacier Express verkehrt ja von St. Moritz zun\u00e4chst \u00fcber die Albulastrecke nach Chur. Auf dieser Strecke h\u00e4ngen die Waggons am regul\u00e4ren Regionalzug. In Chur wird dann herumrangiert und man f\u00e4hrt unabh\u00e4ngig vom restlichen Regionalverkehr. Ich suchte mir gem\u00e4chlich meinen reservierten Platz und konnte mich direkt an der Tatsache erfreuen, dass mir w\u00e4hrend der Fahrt niemand gegen\u00fcber sitzen und mir den Fu\u00dfraum streitig machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 2 &#8211; St. Moritz &#8211; Chur<\/strong><\/p>\n<p>Als wesentlich weniger erfreulich stellte sich die Tatsache heraus, dass in den zwei Vierersitzgruppen auf der anderen Seite eine holl\u00e4ndische Reisegruppe mit Tante, Schwiegertochter und allem Pipapo Platz nahm. Denn diese Truppe dekorierte als erste Amtshandlung die Sitzgruppe mit bunten Luftballons und trank Sekt aus Plastikgl\u00e4sern, weil die Tante n\u00e4mlich Geburtstag hatte. Und da gab es nat\u00fcrlich ein Geburtstagsst\u00e4ndchen (irgendwas sehr schief gesungenes Holl\u00e4ndisches). Das kriegte nat\u00fcrlich der Zugchef mit, woraufhin die Jubilarin noch ein Pl\u00fcschtier aus dem Souvenirangebot geschenkt bekam. Schlu\u00dfendlich gab noch das K\u00fcchenpersonal ein St\u00e4ndchen und spendierte ein Extrast\u00fcck Kuchen. Bis dieses ganze Chaos mal \u00fcberstanden war, war der Zug schon fast in Thusis und ich konnte die Fahrt \u00fcber die Albulastrecke nur unzureichend genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das lag nat\u00fcrlich auch an meinem Platz auf der f\u00fcr diese Strecke falschen Seite im Zug. Ab Chur kehrt sich das ja dann aber um, insofern war es verschmerzbar, zumal ich ja auch erst zwei Tage vorher die gleiche Strecke gefahren war. Und durch die gro\u00dfen Fenster kann man auch von der falschen Seite noch genug sehen. Das Wetter spielte ja erfreulicherweise mit, und s\u00e4mtliche Mitreisenden waren schwer damit besch\u00e4ftigt ihre Nase gegen die Scheibe zu pressen und Fotos vom Ausblick auf die Landschaft zu machen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20170821\/zermatt_height.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"H\u00f6hendiagramm\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20170821\/zermatt_height2.png\" width=\"570\" height=\"214\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Zugpersonal kontrollierte derweil in aller Ruhe den ganzen Papierkram. Die K\u00fcchencrew war auch schon m\u00e4chtig am Wuseln, servierte Getr\u00e4nke und verteilte Besteck und Servietten f\u00fcr das Mittagessen. F\u00fcr das Personal ist das ja ein Knochenjob, Mittagessen f\u00fcr ca. 100 Leute in der ersten Klasse plus Speisewagen zubereiten, im schwankenden Zug unfallfrei an den Platz bringen, mit Getr\u00e4nken jonglieren und das alles bei st\u00e4ndig dusslig im Weg herumstehenden G\u00e4sten, die vor lauter Blick aus dem Fenster sonst nix mitkriegen&#8230; Die Chefin des Speisewagens hatte trotzdem alles im Griff. Wie ich sp\u00e4ter am Tag herausfand war das eine Polin, die aber kein Problem hatte, sich mit den Fahrg\u00e4sten auf Deutsch, Englisch und sogar Japanisch zu unterhalten. Nebenbei gab sie noch Hinweise wann man wie wo was fotografieren sollte.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 3 &#8211; Chur &#8211; Disentis\/Must\u00e9r<\/strong><\/p>\n<p>In Chur hat man den tiefsten Punkt der Strecke erreicht, ab hier gehts nun bis zum Oberalppass stetig bergauf. Der erste H\u00f6hepunkt auf dieser Strecke ist dabei das Durchfahren der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ruinaulta\">Rheinschlucht<\/a>, auch Grand Canyon der Schweiz genannt. Und das ist nicht \u00fcbertrieben. Beiderseits des Flusses ragen die Felsen mehrere 100 Meter nach oben, und nur die Bahnstrecke schl\u00e4ngelt sich durch das Tal &#8211; es gibt keinen durchgehenden Wanderweg und eine Stra\u00dfe schon gar nicht. Da kriegt man also definitiv jede Menge Landschaft zu sehen.<\/p>\n<p>Nach dem Passieren der Rheinschlucht wird das Tal breiter, die Bahnstrecke schl\u00e4ngelt sich nun mehr oder minder nahe entlang des Rheins Richtung S\u00fcdwesten. Man erreicht mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilanz\/Glion_(Stadt)\">Ilanz<\/a> die erste Stadt am Rhein, und langsam wird die Landschaft hochalpiner. Inzwischen wurde auch das Essen serviert &#8211; nachdem ich den anderen Reisenden schon beim Futtern des Salats zusehen durfte (w\u00e4re nicht mein Fall gewesen, insofern kein Verlust f\u00fcr mich) gabs nun auch f\u00fcr mich was zu spachteln. Serviert wurde Z\u00fcricher Geschnetzeltes mit Mischgem\u00fcse und Reis.<\/p>\n<p>Das Servieren ist nun aber nicht wie man sich das vorstellen k\u00f6nnte so, dass man aus dem Speisewagen einen fertigen Teller hingestellt bekommt. Nein, man kriegt einen leeren Teller, und dann kommen drei Mann (bzw. in dem Fall waren es drei Frauen) mit je einer gro\u00dfen Sch\u00fcssel und kellen nach Wunsch Reis, Gem\u00fcse und Geschnetzeltes auf. Und das im fahrenden Zug. Da braucht man also definitiv eine ordentliche Balance. Leider hilft das nix, wenn dusslige holl\u00e4ndische Touristen den Prozess des Servierens unbedingt im Foto festhalten wollen und dem Personal im Weg stehen m\u00fcssen&#8230; Und so kam es, dass der Reis nicht nur auf dem Teller, sondern auch auf meinem Shirt landete (was kein Problem war, da der Reis keine Flecken macht und das Shirt eh gewaschen werden musste). Dem Reis folgte dann noch eine Ladung Geschnetzeltes mit So\u00dfe&#8230; Zum Gl\u00fcck hatte ich mir die Serviette in aller Gr\u00f6\u00dfe aufm Scho\u00df ausgebreitet, so dass sie alles auffing und die Hose fleckenfrei blieb. Das Personal entschuldigte sich noch dreimal und bot mir einen kostenlosen Kaffee zum Ausgleich an &#8211; den ich am Ende trotzdem bezahlen musste, weil irgendwas in der Kommunikation nicht klappte, aber warum soll man sich am letzten Urlaubstag noch \u00fcber sowas aufregen, wenn man sich stattdessen \u00fcber Holl\u00e4nder aufregen kann?<\/p>\n<p>Das Essen schmeckte jedenfalls prima, und ich war grade so fertig, als wir auch schon <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Disentis\/Must%C3%A9r\">Disentis\/Must\u00e9r<\/a> erreichten. Letzteres ist der r\u00e4toromanische Name des Ortes, denn r\u00e4toromanisch ist in Graub\u00fcnden offizielle Amtssprache, auch wenns kaum noch einer spricht. F\u00fcr die Fahrt ist dieser Halt vergleichsweise relevant, denn hier werden die Lokomotiven getauscht, und das K\u00fcchenpersonal hat Schichtwechsel, da nach dem Mittagessen nun &#8222;nur noch&#8220; Desserts und Getr\u00e4nke serviert werden. Der Lokomotivtausch ist notwendig, da im weiteren Streckenverlauf Zahnstangenabschnitte \u00fcberwunden werden m\u00fcssen. Bei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rh%C3%A4tische_Bahn\">Rh\u00e4tischen Bahn<\/a> gibt es keine, weswegen die dort verwendeten Lokomotiven nicht entsprechend ausger\u00fcstet sind. Au\u00dferdem verl\u00e4\u00dft man dann ohnehin das Netz der Rh\u00e4tischen Bahn und verkehrt auf den Gleisen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matterhorn-Gotthard-Bahn\">Matterhorn-Gotthard-Bahn<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 4 &#8211; Disentis\/Must\u00e9r &#8211; Visp<\/strong><\/p>\n<p>Direkt hinter der Ausfahrt aus Disentis folgt bereits der erste Zahnstangenabschnitt, so dass man sein Getr\u00e4nkeglas auf dem Tisch im Auge behalten musste, damit kein Ungl\u00fcck passierte. Ich schaute gem\u00fctlich aus dem Fenster auf die umliegenden Gipfel, w\u00e4hrend die Holl\u00e4nder nach dem Essen endlich ruhiger wurden und das K\u00fcchenpersonal das Dessert kredenzte &#8211; Tiramisu oder K\u00e4seplatte (und einmal nix f\u00fcr mich, weil ich ja kein Dessert bestellt hatte).<\/p>\n<p>Die Strecke f\u00fchrte nun vergleichsweise steil bergan, und schon bald erreichte man auf \u00fcber 2000 m den h\u00f6chsten Punkt (ha, ein echter H\u00f6hepunkt) der Reise am Oberalppass. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rheinquelle\">Rheinquelle<\/a> (konkret gemeint ist der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tomasee\">Tomasee<\/a>) selbst ist von dort noch nicht zu sehen, da m\u00fcsste man noch eine Ecke wandern, zu sehen war immerhin der Leuchtturm (als Duplikat zu dem in Rotterdam am anderen Ende des Rheins), und weil das Wetter deutlich besser war als zwei Wochen zuvor konnte ich diesmal auch tats\u00e4chlich was von der Landschaft um den Oberalppass erkennen.<\/p>\n<p>In N\u00e4tschen, kurz vor der steilen Abfahrt nach Andermatt hinunter (die vom Ausblick her wenn man in Fahrtrichtung rechts sitzt ein weiterer H\u00f6hepunkt ist), hatten wir ungeplante f\u00fcnf Minuten Wartezeit wegen einer Zugkreuzung &#8211; was aber den Fahrplan mal so gar nicht weiter tangierte, da ist so viel Luft vorgesehen dass man trotzdem alle Anschl\u00fcsse kriegt. Wir kurvten also gem\u00fctlich nach Andermatt, wo ohnehin Aufenthalt zum Beine vertreten angesetzt war. Und damit waren wir dann bei der Abfahrt auch schon wieder voll im Plan.<\/p>\n<p>Der Schaffner kam nochmal durch und begr\u00fc\u00dfte zugestiegene Fahrg\u00e4ste und unterhielt sich dann in aller Ausf\u00fchrlichkeit bis nach Realp mit einem \u00e4lteren Ehepaar (Gro\u00dfeltern mit Grundschulkind), die Urlaub machten und wohl noch diverse Eisenbahntouren geplant hatten &#8211; so am kommenden Tag auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gornergrat\">Gornergrat<\/a> und danach irgendwann noch eine Fahrt \u00fcber die Furka-Bergstrecke. Der Schaffner diskutierte bereitwillig auch \u00fcber technische Details der Strecke, z.B. dass der steilste Streckenabschnitt zwischen Stalden-Saas und St. Niklaus liegt und derlei mehr.<\/p>\n<p>Danach gabs langweilig Tunnelwand angucken im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Furka-Basistunnel\">Furka-Basistunnel<\/a>, und pl\u00f6tzlich waren wir schon im Goms auf dem Weg in Richtung Brig. Der Abschnitt zwischen Oberwald und Fiesch ist dann meiner Meinung nach tats\u00e4chlich der vergleichsweise langweiligste &#8211; das Rh\u00f4netal ist hier noch recht breit und gleichm\u00e4\u00dfig, man hat eben links und rechts Berge und gut. Das nutzte Opa mit seinem Enkel, um im Souvenirshop Ansichtskarten zu erstehen, auf denen anschlie\u00dfend das Schreiben von Urlaubsgr\u00fc\u00dfen ge\u00fcbt wurde. Allerdings hatte der Enkel eine andere Meinung zum Inhalt der Karte, was zu einer l\u00e4ngeren Diskussion f\u00fchrte, was man in eine Ansichtskarte an die Eltern nun so reinschreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich guckte derweil gem\u00fctlich ausm Fenster, genoss meinen Kaffee (naja, was man halt so Kaffee genie\u00dfen nennen kann), und dann kam auch schon die K\u00fcchenchefin vorbei wegen Kassieren &#8211; weil bis zur Ankunft in Brig alles abgerechnet sein muss. Da ich ja mein Essen vorbestellt und dabei bereits bezahlt hatte, brauchte ich nur mein Getr\u00e4nk vom Vormittag und den Kaffee vom Nachmittag bezahlen. Ich hatte es leider vers\u00e4umt einen Schnaps zu bestellen, und erstaunlicherweise bestellte im gesamten Waggon niemand einen Schnaps. Warum ich das extra erw\u00e4hne? Weil das Einschenken eines Schnapses im Glacier Express eine <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Glacier_Express_Grappa.JPG\">Kunstform<\/a> ist, da die Flasche dabei mindestens 60 cm \u00fcber dem Glas gehalten werden soll &#8211; und das im fahrenden Zug. Das sollte man mal gesehen haben, ist sehr artistisch.<\/p>\n<p>Inzwischen war die Landschaft schon wieder deutlich spannender geworden. Die Rh\u00f4ne hat sich in der N\u00e4he von Brig eine relativ enge Schlucht gegraben. Die Bahnstrecke verl\u00e4uft zun\u00e4chst oberhalb dieser Schlucht, bevor es dann ab Fiesch mit Hilfe der Zahnr\u00e4der, eines Kehrtunnels und eines Viaduktes \u00fcber die Rh\u00f4ne steil hinunter geht in Richtung Betten. Wenige Kilometer nach diesem reizvollen Abschnitt hat man dann auch schon Brig erreicht. Hier halten die Z\u00fcge der MGB auf dem Bahnhofsvorplatz, die Z\u00fcge der &#8222;richtigen&#8220; gro\u00dfen Eisenbahn (in Brig kreuzt man die Simplonstrecke) halten auf der anderen Seite des Bahnhofsgeb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Der folgende Abschnitt nach Visp ist der letzte relativ ebene Streckenteil. Hier m\u00fcsste man auf der in Fahrtrichtung rechten Seite sitzen, um der Rampe der L\u00f6tschberg-Bergstrecke mit den Augen folgen zu k\u00f6nnen, aber erstens war ich eh erst wenige Tage vorher dort gewandert und zweitens sieht man dank Panoramafenster (und pennender Holl\u00e4nder, die daher mal nicht den Ausblick verstellen) auch so jede Menge Landschaft (aber das hab ich ja eingangs schon mal erw\u00e4hnt). Inzwischen wars dann auch am Nachmittag so gegen 16 Uhr, man hat bereits sieben Stunden Zugfahrt hinter sich und ist dann doch so langsam etwas kn\u00fclle vom Nixtun und Landschaft begucken.<\/p>\n<p><strong>Abschnitt 5 &#8211; Visp &#8211; Zermatt<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte und meiner Meinung nach spektakul\u00e4rste (im Bezug auf die umgebende Berglandschaft) Abschnitt ist der letzte nach Zermatt hinauf. Direkt nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Visp biegt die Bahn um 90 Grad nach S\u00fcden ab und f\u00e4hrt in das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mattertal\">Mattertal<\/a> ein. Bis Stalden ist das noch relativ unspektakul\u00e4r, aber dann klebt der Zug im Berghang, links tut sich eine tiefe Schlucht auf, und beiderseits sieht man die ersten Berggipfel, die deutlich \u00fcber 3500 m aufragen. Je nach Blickwinkel kann man auch schon Blicke auf die ersten 4000er erhaschen. Pl\u00f6tzlich wachten auch wieder alle auf und knipsten eifrig Bilder von Berg und tiefem Tal&#8230;<\/p>\n<p>Die weitere Fahrt nach Zermatt wurde dann mehrfach vom Warten auf Gegenz\u00fcge unterbrochen, die Berge wurden h\u00f6her, man hatte Blick auf Gletscher und die \u00dcberbleibsel des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Randa_VS#Bergsturz_von_Randa\">Felssturzes von Randa<\/a>, und die wichtigste Frage wurde &#8222;Ist das da vorn das Matterhorn?&#8220; Diese Frage kann man mit absoluter Sicherheit mit Nein beantworten, denn von der Bahnstrecke aus kann man das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matterhorn\">Matterhorn<\/a> nicht sehen, da sind andere Berge im Weg. Trotzdem macht sich dann nat\u00fcrlich so kurz vor dem Ziel eine gewisse Unruhe unter den Reisenden breit. Ich guckte mir das gem\u00fctlich an, warum soll ich schlie\u00dflich schon in T\u00e4sch anfangen mit einpacken und r\u00e4umen und Jacke anziehen und so weiter.<\/p>\n<p>Ab T\u00e4sch wurde der Zugverkehr nochmal dichter, denn von dort pendeln &#8222;Stra\u00dfenbahnen&#8220; nach Zermatt, w\u00e4hrend Autofahrer ihre Blechkaleschen in T\u00e4sch im Parkhaus abstellen m\u00fcssen &#8211; Zermatt ist autofrei, da gibts nur Elektrokarren von Gesch\u00e4ften und Hotels. Das ist f\u00fcr Touristen insofern ungewohnt als dass man die Elektrokarren im allgemeinen Gewusel kaum h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall erreichten wir recht p\u00fcnktlich kurz nach 17 Uhr Zermatt, ich schnappte mir meinen Koffer und marschierte die 300 Meter zum Hotel. Dort wurde ich von einem eher schlecht gelaunten Mitarbeiter empfangen, der als erstes \u00fcber asiatische Touristen herzog (als er erfuhr dass ich mit dem Glacier Express gefahren war &#8211; und da waren ganze 2 Japaner im Waggon gewesen). Das machte auf mich \u00fcberhaupt keinen guten Eindruck, aber was will man von einem deutschen Gastarbeiter schon erwarten&#8230; S\u00e4mtlichen Schlonz mit Bergbahnen und Gornergrat und Reisef\u00fchrer und so weiter konnte man sich auch schenken, da ich bereits am n\u00e4chsten Morgen wieder abreisen w\u00fcrde. Immerhin hatte ich ein irrwitzig gro\u00dfes Zimmer, quasi ein Tanzsaal, gemessen an durchschnittlichen Hotelzimmern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20170821\/urlaub.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" alt=\"Urlaub\" src=\"http:\/\/www.domaratius.de\/blog\/img\/20170821\/urlaub2.jpg\" width=\"570\" height=\"321\" \/><\/a><\/p>\n<p>Letzte wichtige Aktion des Tages war nun das Shoppen von Mitbringseln. Neben der im Scherz gekauften Kuhglocke vom Jungfraujoch wollte meine Lieblingsmutter n\u00e4mlich Schweizer Schokolade, trotz meiner Einw\u00e4nde dass es bei mir ins Geld und bei ihr auf die H\u00fcften gehen w\u00fcrde&#8230; Und so marschierte ich nochmal eine kleine Runde durch den Ort bis zum n\u00e4chstgelegenen Fachgesch\u00e4ft f\u00fcr Kohlenhydratbomben. Dort erstand ich zwei Packungen (eine f\u00fcr Mutter, eine f\u00fcr alle anderen) und war damit meine letzten verbliebenen Franken los &#8211; pa\u00dfte also prima. Danach gings direkt zur\u00fcck ins Hotel und ich verbrachte den Abend mit hochgelegten Beinen vor der Glotze &#8211; muss ja irgendwann auch mal sein, zumal am letzten Abend des Urlaubs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, kein Schweinkram, nur eine mehr oder mindere elaborierte Aufz\u00e4hlung dessen, was man unterwegs halt so sieht wenn man in der Schweiz aus dem Fenster guckt w\u00e4hrend sich dieses Fenster mitsamt dem ganzen Zug durch die Gegend bewegt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2252"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}