{"id":203,"date":"2007-03-03T11:13:33","date_gmt":"2007-03-03T10:13:33","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.ws\/blog\/2007\/03\/03\/schreib-mal-wieder\/"},"modified":"2020-02-11T19:02:14","modified_gmt":"2020-02-11T18:02:14","slug":"schreib-mal-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2007\/03\/03\/schreib-mal-wieder\/","title":{"rendered":"Schreib mal wieder"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin heute beim Aufr\u00e4umen auf einen etwa zwei Jahre alten Tagebucheintrag gesto\u00dfen. In diesem habe ich mich ziemlich eingehend mit dem Schreiben mit Stift und Papier besch\u00e4ftigt und das mit den heute g\u00e4ngigen elektronischen Varianten verglichen. Eigentlich war der Eintrag damals nur Mittel zum Zweck, denn ich hatte gerade meinen inzwischen vollj\u00e4hrigen F\u00fcller nach zwei Jahren Ruhepause reaktiviert und philosophierte dann in Ermangelung anderer Ideen erstmal etwas zu diesem Thema. Als ich das dann heute wieder gelesen habe befand ich das f\u00fcr nach wie vor interessant genug, so da\u00df daraus nun ein neuer Bla(h)fasel-Eintrag entstanden ist.<\/p>\n<p><!--more-->Heutzutage wird ja ein Gro\u00dfteil der Korrespondenz per <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/E-mail\">E-Mail<\/a> erledigt. Das ist praktisch, schnell und man kann auch gleich noch zus\u00e4tzlich Daten durch die Gegend schicken. Auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chat\">Chats<\/a> sind ziemlich verbreitet zur schnellen Kommunikation. Ich betone das schnell hier derartig, weil es in der heutigen Welt gr\u00f6\u00dftenteils einfach notwendig ist, auf diese Weise zu kommunizieren, weil es eben schnell gehen soll. Ein anderer Weg der Echtzeitkommunikation ist in dieser Hinsicht das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Telefon\">Telefon<\/a>, aber damit tu ich mich ziemlich schwer, allein schon weil ich gar keins habe&#8230; Deswegen wird das in diesem Rahmen auch nicht weiter diskutiert.<br \/>\nF\u00fcr bestimmte Anwendungszwecke mag ich die vermeintlich modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten allerdings einfach \u00fcberhaupt nicht. So zum Beispiel bin ich (nach einem gewissen Lern- und Reifeprozess) inzwischen ein Anh\u00e4nger der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brief\">Briefpost<\/a>, in ausgew\u00e4hlten F\u00e4llen zumindest. Das mag anachronistisch klingen (und eigentlich ist es das auch, wenn man sich \u00fcberlegt, da\u00df man f\u00fcr einen Brief einen Haufen Porto blecht und es dann auch noch mehrere Tage dauert, bis er mal angekommen ist), aber ein Brief, also so ein richtiger mit Umschlag und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Briefmarke\">Briefmarke<\/a> und allem Dran und Drum hat etwas, was ein Chat oder eine E-Mail niemals haben kann: Ausstrahlung.<br \/>\nEinen Brief zu erhalten ist gerade in der heutigen Zeit etwas besonderes (von Werbem\u00fcll mal abgesehen). Man macht den Briefkasten auf, sieht den Briefumschlag, dreht ihn ein paarmal, pr\u00fcft den Absender und \u00fcberlegt, was dieser wohl mitzuteilen hat. Dann setzt man sich (also zumindest mach ich das so) in Ruhe hin, macht den Umschlag auf und liest den Brief ganz in Ruhe, vielleicht auch zwei- oder dreimal. Bei einer E-Mail ist das ganz anders. Man \u00f6ffnet ganz unzeremoniell das Mailprogramm, sieht schon anhand des Subjects, um was es geht (meistens jedenfalls), trifft anhand dieser Information die Entscheidung, wie wichtig die Nachricht ist, \u00fcberfliegt dann den Text, klickt auf &#8222;Antworten&#8220; und tippt fix was dazu, oder auch nicht.<br \/>\nViel schlimmer aber ist, da\u00df jede Mail gleich aussieht (von so Verbrechen wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypertext_Markup_Language\">HTML<\/a> mal abgesehen), immer die gleiche Schriftart und -gr\u00f6\u00dfe. Die einzige M\u00f6glichkeit, da etwas Individualit\u00e4t hineinzubringen ist der Schreibstil &#8211; und das geht meistens einfach nur daneben. Bei einem richtigen Brief ist das ganz anders, schon aufgrund des Faktors Handschrift. Allein diese verleiht einem Brief eine individuelle Note, die keine Mail und keine Chat-Nachricht jemals haben kann. Hinzu kommt der Hang, in den elektronischen Kommunikationsvarianten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emoticon\">Emoticons<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Abk%C3%BCrzungen_(Netzjargon)\">Abk\u00fcrzungen<\/a> zu verwenden, weils Platz, Zeit und eventuell auch Geld spart. F\u00fcr wirklich pers\u00f6nliche Dinge ist das aber v\u00f6llig unbrauchbar. Ein aufrichtiges und ausgeschriebenes &#8222;Dankesch\u00f6n&#8220; ist mir tausendmal lieber als ein schnell dahingetipptes &#8222;thx&#8220;, von kryptischen Verunstaltungen der Sprache oder, ganz banal, Verzicht auf Gro\u00df- und Kleinschreibung mal ganz abgesehen.<br \/>\nIch bin in dieser Beziehung ziemlich altmodisch. Wenn es um etwas pers\u00f6nliches geht was eine individuelle Note haben soll, dann greife ich sofort zu Papier und Stift. Das darf dann nat\u00fcrlich auch nicht irgendein Stift sein. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bleistift\">Bleistift<\/a> verbietet sich von selbst, da nicht abriebfest und schlecht lesbar. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kugelschreiber\">Kugelschreiber<\/a> sind zwar praktisch, aber damit kann jeder schreiben, au\u00dferdem mu\u00df man da ziemlich aufdr\u00fccken, was dem Schriftbild abtr\u00e4glich ist. Nein, ein wirklich gutes und ansprechendes Ergebnis kriege zumindest ich ausschlie\u00dflich mit dem klassischen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F%C3%BCllfederhalter\">F\u00fcllfederhalter<\/a> hin.<br \/>\nZu meinem selbstpers\u00f6nlichen Eigenexemplar habe ich ohnehin ein besonderes Verh\u00e4ltnis. Das habe ich ca. 1989 geschenkt gekriegt, damals war ich in der dritten Klasse. Und seitdem benutzte und benutze ich diesen F\u00fcller, von kurzen Ausnahmen einmal abgesehen. Mit ihm habe ich meine Abiturklausuren und alle Pr\u00fcfungen beim Studium geschrieben, au\u00dferdem Briefe, Notizen, Unterrichts- und Vorlesungsmitschriften und was man sonst noch so blau auf wei\u00df notiert. Zwischendurch hat er eine neue Kappe und ein paar Ersatzteile spendiert gekriegt, aber das Herzst\u00fcck, die Feder, ist noch original, das ist eben Wertarbeit (f\u00fcr 12 Ostmark damals).<br \/>\nNicht nur, da\u00df das Schreiben mit F\u00fcller eine ganz spezielle Note hat, es ist auch unheimlich praktisch: Wenn ein F\u00fcller richtig gut eingeschrieben ist (und das ist meiner zweifelsohne),<br \/>\ndann gen\u00fcgt ein ganz leichtes Ziehen \u00fcber das Papier, kein Aufdr\u00fccken, keine verkrampfte Handhaltung. Das schont nicht nur das Handgelenk, es erm\u00f6glicht auch ein extrem schnelles Schreiben, wenn man nicht gerade eine v\u00f6llig verschn\u00f6rkelte Handschrift hat. Nuja, meine Handschrift verzichtet auf derartige Schn\u00f6rkel, lesbarer wird sie davon aber auch blo\u00df nicht&#8230; Aber es ist eben meine Handschrift, und als solche Ausdruck meiner Pers\u00f6nlichkeit. Und genau deswegen schreibe ich Dinge, die mir pers\u00f6nlich wichtig sind, in eben dieser Handschrift und mit meinem steinalten F\u00fcller. Wer also von mir mal einen Brief kriegt, den ich sch\u00f6n mit Tinte geschrieben habe, kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, da\u00df er mir wichtig ist. Insbesondere gilt das nat\u00fcrlich f\u00fcr so delikat sch\u00f6ne Sachen wie Liebesbriefe. In einer Zeit, in der man per <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Short_Message_Service\">SMS<\/a> kommuniziert und eine Beziehung auch schon mal auf diese Art beendet, halte ich es f\u00fcr besonders wichtig, sich die Zeit zu nehmen, einen Brief so richtig zu verfassen, eben weil es ein Zeichen einer hohen Wertsch\u00e4tzung ist.<br \/>\n\u00dcberhaupt ist das Briefschreiben eine Kunst f\u00fcr sich, wenn mans richtig machen will. Im Gegensatz zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Textverarbeitung\">Textverarbeitung<\/a> kann man ja nicht einfach so lange dran herumbasteln, bis alles pa\u00dft und man die richtigen Worte gefunden hat. Stattdessen mu\u00df man vorher \u00fcberlegen, was man schreiben will und wie man sich ausdr\u00fccken m\u00f6chte. Das ist viel spannender, und oft genug ertappe ich mich dabei, da\u00df ich ganze Passagen in Texten l\u00f6sche und neu schreibe oder Abs\u00e4tze vertausche oder oder oder.<br \/>\nDas Ergebnis mag dann zwar inhaltlich und vom Ausdruck her perfekt sein, aber es verliert dadurch auch den Charakter, einfach weil es durch mehrere Korrekturprozesse, die Rechtschreibpr\u00fcfung und m\u00f6glicherweise auch noch unter Mithilfe eines <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thesaurus\">Thesaurus<\/a> entstanden ist. Ein Brief hingegen ist vielleicht nicht so perfekt, enth\u00e4lt durchgestrichene W\u00f6rter, Interpunktionsfehler oder verbesserungsf\u00e4higen Ausdruck, aber er gibt genau damit relativ unverf\u00e4lscht wieder, was der Verfasser zum Zeitpunkt des Schreibens dachte. Nun k\u00f6nnte nat\u00fcrlich der geneigte Leser einwenden, da\u00df dieser Text in elektronischer Form mit Korrektur und so weiter entstanden ist. Ja, ist er, aber wie weiter oben bereits erw\u00e4hnt, entstand die urspr\u00fcngliche Fassung ja vor Jahren direkt auf dem Papier, und zwar so gut, da\u00df ich nur wenige Dinge \u00e4ndern brauchte.<br \/>\nLanger Rede kurzer Sinn, so praktisch E-Mails, Chats und SMS im t\u00e4glichen Gebrauch sein m\u00f6gen (bei SMS sehe ich diesen aber nach wie vor kaum), sobald es um eine individuelle Note geht, setze ich nach wie vor auf etwas handschriftliches, bevorzugt mit meinem F\u00fcller. Also Leute: Schreibt mal wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin heute beim Aufr\u00e4umen auf einen etwa zwei Jahre alten Tagebucheintrag gesto\u00dfen. In diesem habe ich mich ziemlich eingehend mit dem Schreiben mit Stift und Papier besch\u00e4ftigt und das mit den heute g\u00e4ngigen elektronischen Varianten verglichen. 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