{"id":2008,"date":"2015-10-10T22:01:13","date_gmt":"2015-10-10T20:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2008"},"modified":"2015-10-10T22:01:13","modified_gmt":"2015-10-10T20:01:13","slug":"altes-metall-und-neuer-regen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/10\/10\/altes-metall-und-neuer-regen\/","title":{"rendered":"Altes Metall und neuer Regen"},"content":{"rendered":"<p>Am ersten September unternahm ich die letzte echte Tagestour des Urlaubs (danach folgte noch ein Tag, an dem ich nur zu Fu\u00df unterwegs war, eine R\u00fcckfahrt und ein Kurztrip nach N\u00fcrnberg). Und diese Tagestour f\u00fchrte mich nach Speyer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Im morgendlichen Berufsverkehr<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon am Vortag war das Fr\u00fchst\u00fcck eher eines der hektischen Sorte, zumal ich bereits halb acht den ICE nach Mannheim erreichen wollte. Das klappte auch ganz problemlos, was ich genauso von der Fahrt nach Mannheim sagen kann. Der Zug rollt da erstmal ein St\u00fcck aus Stuttgart raus, biegt in Kornwestheim ab in einen Tunnel und dann ist Vollgas (oder das Elektromotor\u00e4quivalent dazu) angesagt. Von der h\u00fcgeligen Landschaft da in der Gegend kriegt man nur auf einigen Br\u00fccken was mit, im Tunnel sieht man ja n\u00fcscht (das heest nichts, nich n\u00fcscht) davon.<\/p>\n<p>Gest\u00f6rt wurde das morgendliche Berufspendlertum, welches mit Schnarchen, Laptoptippen, Kaffee trinken und Zeitunglesen besch\u00e4ftigt war, nur durch eine einzelne Dame, die eher selten mit der Bahn zu fahren scheint. Erst ver\u00e4rgerte sie alle Mitreisenden durch einen ewig langen Anruf, bei dem sie inhaltlicherweise nur jemandem zum Geburtstag gratulierte, dies aber mit 20 Minuten Tratsch und Klatsch zu verbinden wusste. Und dann beschwerte sie sich beim Schaffner, dass die Steckdose an ihrem Sitzplatz nicht funktioniert&#8230; Sp\u00e4testens da hatten dann die gegen\u00fcber sitzenden Herren die Schnauze voll und erkl\u00e4rten, dass sie statt motzen doch einfach einen anderen Platz aufsuchen k\u00f6nnte, so eine Steckdose ist schlie\u00dflich nicht mal eine Randnotiz gegen\u00fcber Unp\u00fcnktlichkeit, fehlenden Waggons und kaputten Klimaanlagen. Letztere war rein von den Temperaturen her aber auch gar nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Gut unterhalten kam ich dann in Mannheim an und guckte mir dort den morgendlichen Umsteigebetrieb an. Da sind ja ganze V\u00f6lkerscharen unterwegs, und die ICEs stehen sich entsprechend auch gerne mal ein paar R\u00e4der platt. Ich stand mir hingegen nur die Beine in den Bauch, bis dann mal meine Bummelbahn, bestehend aus einem unbequemen Triebwagen, der in der ersten Klasse Sitze aus der Holzklasse verbaut hat (die sich von der zweiten Klasse nur durch das Muster unterscheiden).<\/p>\n<p>Aber es waren ja nur knapp 25 Kilometer zu fahren, wobei das Highlight dieser kurzen Reise die \u00dcberquerung des Rheins zwischen Mannheim und Ludwigshafen war. Naja, und das Sichten eines Sonderzuges auf dem Weg nach Schweden, bei dem unter anderem ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SBB_Ce_6\/8_II\">Krokodil<\/a> und die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DB-Baureihe_103\">103 222<\/a> (in einer abgrundtief h\u00e4sslichen aschfahl-mausgrauen Lackierung) zu sehen waren. Das Krokodil hatte \u00fcbrigens laut einschl\u00e4giger Internetinformationen diverse Sch\u00e4den im Rahmen der Reise, wo man sich schon fragt, was die da eigentlich verzapft haben, normalerweise laufen die ja wie Schweizer Uhrwerke&#8230;<\/p>\n<p><strong>Zum Speien<\/strong><\/p>\n<p>Kurz vor neun Uhr war ich dann auch schon in der uralten Stadt Speyer und machte mich erstmal grob mit dem Stadtplan vertraut. Dabei stellte ich fest, dass die Altstadt mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Speyerer_Dom\">Dom<\/a> direkt auf dem Weg zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Technik-Museum_Speyer\">Technikmuseum<\/a> liegt, was die weitere Planung nat\u00fcrlich ungemein vereinfacht. Der Himmel zeigte sich zu diesem Zeitpunkt noch bedeckt, mit einigerma\u00dfen angenehmen Temperaturen knapp \u00fcber 20 Grad, und so lief ich in Richtung der Altstadt, vorbei an einer schmucken Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, in der zu dieser fr\u00fchen Stunde aber noch nichts los war. Und wieso schreib ich eigentlich so \u00fcberlange Relativs\u00e4tze?<\/p>\n<p>Da kam ich dann auch direkt am Dom vorbei, der als Weltkulturerbe ausgewiesen ist und viel zu gro\u00df ist um ihn aufs Foto zu kriegen. Ich guckte mir das gute St\u00fcck also mehr oder minder oberfl\u00e4chlich an und lief dann direkt weiter zum Technikmuseum. Da war zu dieser fr\u00fchen Stunde auch noch nix los, so dass ich gar nicht erst gro\u00df anstehen musste um eine Eintrittskarte zu erwerben.<\/p>\n<p><strong>Historische Technik<\/strong><\/p>\n<p>Das Technikmuseum befindet sich auf einem Gel\u00e4nde neben dem Flugplatz Speyer in einer alten Fabrikhalle. Und da steht dann so ziemlich alles, was alt ist und R\u00e4der oder Fl\u00fcgel hat. So findet man dort einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mercedes-Benz_W_198\">300 SL<\/a> neben einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trabant_601\">Trabant<\/a>, rund 50 Rennmotorr\u00e4der, daneben verschiedenste Lokomotiven, Flugzeuge, Modelle, und was man sonst noch so an Technik ausstellen kann.<\/p>\n<p>Die schiere Gr\u00f6\u00dfe der Ausstellungen ist schon beeindruckend, man ist da problemlos den ganzen Tag besch\u00e4ftigt, sich alles anzuschauen. Mir taten bl\u00f6derweise ziemlich schnell die F\u00fc\u00dfe weh von dem ungewohnt langsamen Herumschleichen von Exponat zu Exponat. Die Pr\u00e4sentation mit vielen St\u00fccken auf wenig Raum ist auch nicht unbedingt optimal und geht h\u00f6chstens als Sammlung, aber nicht wirklich als Museum durch. Auf jeden Fall kann ich nun aber von mir behaupten, mal im Frachtraum und auf dem Fl\u00fcgel einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boeing_747\">747<\/a> gestanden und eine Probe Mondgestein sowie den Prototypen der Raumf\u00e4hre <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/OK-GLI\">Buran<\/a> gesehen zu haben.<\/p>\n<p>Das Wetter machte den Besuch allerdings ab ungef\u00e4hr 11 Uhr zur Tortur. Die Wolken verzogen sich langsam, die Temperaturen kratzten erneut an der 30 Grad-Marke und es war dr\u00fcckend schw\u00fcl, so dass die Klamotten am K\u00f6rper klebten&#8230; F\u00fcr den Abend waren ja auch ergiebige Gewitter vorhergesagt, insofern passte das alles schon zusammen, anstrenged war es trotzdem.<\/p>\n<p>Der Mittag wurde im Schnellrestaurant des Museums verbracht, wo ich mir gestreifte Kartoffeln mit geplatztem Huhn einschob und das ganze mit einer riesengro\u00dfen Limo runtersp\u00fclte. Dann fing es drau\u00dfen an mit ganz leichtem Nieselregen. Das nahm ich zum Anla\u00df, mich wieder auf den Weg zum Bahnhof zu begeben. Unterwegs nahm die Menge an Nieselregen soweit zu, dass ich mir gar die Jacke anzog, nur um sie 200m weiter wieder abzulegen, da der Regen aufh\u00f6rte und daf\u00fcr die Sonne rauskam. In Anbetracht dieser sch\u00f6nen Tatsache kam mir das italienische Eiscaf\u00e9 (die gibts da wie Sand in der Sahara) gerade recht, so dass ich mir eine Eist\u00fcte mit Erdbeer, Walnuss und (Achtung) After Eight g\u00f6nnte. Es h\u00e4tte noch mehr spannende Sorten gegeben, aber zu viel Eis ist ja auch nicht gut.<\/p>\n<p><strong>Querfeldein im Schw\u00e4bischen<\/strong><\/p>\n<p>Der Reiseplan sah nun die R\u00fcckfahrt nach Mannheim vor. Diese wurde zu einer sehr kurzweiligen Veranstaltung dank einiger Lokf\u00fchrer, die auf der R\u00fcckfahrt von einer Schulung waren. Diese tauschten diverse Stories aus, die zum einen komische Zielvereinbarungen zu energiesparender Fahrweise beinhalteten, zum anderen die teilweise gef\u00e4hrliche Bl\u00f6dheit der Reisenden thematisierten. Anla\u00df war der Typ, der am Bahnhof Speyer zwei EUR einwarf, weil er aufs Klo musste. Dass da an der T\u00fcr gro\u00df &#8222;defekt&#8220; dranstand hatte er geflissentlich ignoriert&#8230; Das Ignorieren bzw. Nichtsehen von offensichtlichen Schildern kann ich f\u00fcr defekte T\u00fcren im Zug genauso best\u00e4tigen. Danach ging es um Geschichten wie die von dem Typen der noch schnell vor \u00fcber die Gleise h\u00fcpfen musste und ausrutschte und nur mit M\u00fche wieder auf den Bahnsteig gelangte, ohne dass was passierte &#8211; au\u00dfer dem schallenden Gel\u00e4chter aller auf dem Bahnsteig stehenden Reisenden.<\/p>\n<p>Eher nachdenklich stimmte mich aber die Story von der jungen Dame, die direkt nach dem Aussteigen hinter dem Zug die Gleise \u00fcberqueren wollte. Da kam n\u00e4mlich auf dem Nachbargleis gerade ein ICE herangerauscht. Laut Erz\u00e4hlung muss die Dame ein irrsinniges Gl\u00fcck gehabt haben, dass der Zug nur wenige Zentimeter vor ihrer Nasenspitze vorbeidonnerte. Wenn der Lokf\u00fchrer nur Sekundenbruchteile eher die T\u00fcren ge\u00f6ffnet h\u00e4tte, w\u00e4re das anders ausgegangen. Insofern habe ich da auch Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass Lokf\u00fchrer sein kein einfacher Job ist.<\/p>\n<p>In Mannheim hie\u00df es nun Umsteigen in den Zug Richtung Heilbronn. Dieser juckelte nun nach Heidelberg und von dort querfeldein \u00fcber so illustre Halte wie Sinsheim (noch ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auto-_und_Technikmuseum_Sinsheim\">Technikmuseum<\/a>, da sieht man vom Zug aus aber nur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Concorde\">Concorde<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tupolew_Tu-144\">TU-144<\/a>) und Bad Wimpfen. Das Wetter fiel zusehends in sich zusammen, der Himmel zog zu und kurz vor Heilbronn begann erneut ein leichter Regen.<\/p>\n<p>Da die direkte Verbindung von Heilbronn nach Stuttgart wegen Bauarbeiten gesperrt war, machte ich nun noch einen zus\u00e4tzlichen Umweg mit einem Schlenker in Richtung Osten. Dieser wurde in einem steinalten Dieseltriebwagen zur\u00fcckgelegt, der weder Klimaanlage noch erste Klasse aufwies. Ersteres war nicht notwendig, letzteres h\u00e4tte ich mir schon gew\u00fcnscht, der Zug war n\u00e4mlich zum beginnenden Feierabend gut gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Von der Strecke aus kann man bei sch\u00f6nem Wetter sicherlich tolle Landschaften sehen, ich sah hingegen nur tiefh\u00e4ngende Regenwolken, und sp\u00e4testens ab \u00d6hringen war dann endg\u00fcltig Schlu\u00df mit sch\u00f6nem Wetter, ab da go\u00df es aus Eimern. In Schw\u00e4bisch Hall-Hessental musste ich dann auch noch raus in dieses Mistwetter, weil ich von dort nun wieder zur\u00fcck nach Stuttgart fahren wollte. Der Bahnhof ist mitten in der Pampa, zum Unterstellen gibt es gar nix au\u00dfer der \u00dcberdachung der Unterf\u00fchrung (das w\u00e4re doch mal ein Projekt f\u00fcr die \u00f6rtliche Bausparkasse&#8230;), ich war also froh, dass mein Anschlu\u00df bereits am gegen\u00fcberliegenden Bahnsteig stand. Ich lief als auf diesem Bahnsteig ungef\u00e4hr eine Wagenl\u00e4nge den Zug entlang zum Wagen der ersten Klasse, also insgesamt vielleicht 30 Meter. Das reichte schon, dass meine Jacke an den Schultern komplett durchgeweicht war. Und weil Murphy ein Arschloch ist, lie\u00df der Regen keine 10 Minuten sp\u00e4ter deutlich nach.<\/p>\n<p><strong>Abends im Hotel<\/strong><\/p>\n<p>Der Zug fuhr nun ohne weitere Ereignisse nach Stuttgart, wo es nur ganz leicht nieselte. Ich lief zur\u00fcck zum Hotel, g\u00f6nnte mir an der Bar erstmal ein Bier und schrieb die Erlebnisse des Tages ins Reisetagebuch. Den restlichen Abend verbrachte ich vor der Glotze, da lief aber irgendwie nur Schrott. Ich blieb am Ende bei einer Doku \u00fcber die 20 Jahre Jubil\u00e4umstouren von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scooter_%28Band%29\">Scooter<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DJ_BoBo\">DJ Bobo<\/a> h\u00e4ngen&#8230; Musikalisch ist das ja nicht meine Baustelle, aber die Jungs kamen in den Interviews durchaus bodenst\u00e4ndig r\u00fcber und sagten auch selbst ganz klar, dass sie sich \u00fcberhaupt nicht als gro\u00dfe K\u00fcnstler sehen, sondern eben einfach nur mit viel Gl\u00fcck zur richtigen Zeit am richtigen Ort den richtigen Hit hatten. Danach folgte noch eine Doku \u00fcber die Entwicklung der Technoszene im Berlin der fr\u00fchen 90er Jahre, was auch mal ganz interessant war. Damit war dann der Tag aber auch endg\u00fcltig vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am ersten September unternahm ich die letzte echte Tagestour des Urlaubs (danach folgte noch ein Tag, an dem ich nur zu Fu\u00df unterwegs war, eine R\u00fcckfahrt und ein Kurztrip nach N\u00fcrnberg). 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