{"id":2003,"date":"2015-10-08T21:42:49","date_gmt":"2015-10-08T19:42:49","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=2003"},"modified":"2015-10-08T21:42:49","modified_gmt":"2015-10-08T19:42:49","slug":"schwaebische-spezialitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/10\/08\/schwaebische-spezialitaeten\/","title":{"rendered":"Schw\u00e4bische Spezialit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Die letzte Urlaubswoche brach an, und ich brauch auf &#8211; zu einer Reise nach T\u00fcbingen und Freudenstadt. Was mir teilweise Freude machte, teilweise aber auch nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Morgenstund hat Kaffee im Mund<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag begann recht ern\u00fcchternd mit einem eher aufgeregten Fr\u00fchst\u00fcck. Das Hotel ist ein Businesshotel, das hei\u00dft es waren massig Gesch\u00e4ftsreisende unterwegs, die schon fr\u00fch um sieben Arbeitsthemen bequatschen mussten, w\u00e4hrend ich eigentlich nur in Ruhe meinen Kaffee trinken wollte. Au\u00dferdem waren die Pl\u00e4tze recht knapp bemessen und es gab keine gescheiten S\u00fc\u00dfkramportionen. Die Kr\u00f6nung waren die Designerteller im Ovallook, die zwar gut aussehen, aber kaum Platz f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck lassen. Da nutzt es dann auch nix mehr, dass an der Wand die \u00fcbergro\u00dfen Visagen bekannter Rennfahrer angemalt sind, die ich sogar alle mit Name und wichtigsten sportlich-biographischen Fakten aufz\u00e4hlen k\u00f6nnte&#8230;<\/p>\n<p>Anyway, ich schlich dann zum Bahnhof, kaufte mir noch etwas zu trinken f\u00fcr unterwegs und nahm Platz im ersten Zug des Tages. Dieser bestand aus vier(!) gekuppelten Triebwagen der sch\u00f6nen *hust* <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DB-Baureihe_612_%281998%29\">Baureihe 612<\/a>, bekannt als Wackel-Dackel mit Brummdiesel. Die erste relevante Ansage des Zugpersonals betraf die Fahrtziele, da der Zug unterwegs mehrfach geteilt wird und damit irgendwie von \u00fcberall nach nirgendwo f\u00e4hrt. Die zweite Ansage betraf die Fahrg\u00e4ste in einem Zugteil in dem ich nicht sa\u00df, da war n\u00e4mlich einer der Motoren ausgefallen, und damit reichte die Leistung nicht mehr aus, um dort die Klimaanlage zu betreiben. Die Temperaturen betrugen am fr\u00fchen Morgen bereits sportliche 25 Grad, das war also eine eher bl\u00f6de Meldung f\u00fcr den fr\u00fchen Morgen.<\/p>\n<p><strong>T\u00fcbingen<\/strong><\/p>\n<p>Ich erreichte die Universit\u00e4tsstadt am fr\u00fchen Morgen, quasi zeitgleich mit der allgemeinen Laden\u00f6ffnung. Schnell wurde mir klar, dass ich mir von der Stadt deutlich mehr erwartet hatte &#8211; die bekannten Aussichtspunkte am Neckar waren dank Baustellen kaum genie\u00dfbar, der Marktplatz war zugebaut mit Bauger\u00fcsten vom Rathaus, und an jeder m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen H\u00e4userwand hatten Graffitischmierer ihre Zeichen hinterlassen. Das war irgendwie alles nix f\u00fcr mich. Ich marschierte dann also nur den Berg hoch zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schloss_Hohent%C3%BCbingen\">Schlo\u00df<\/a>, guckte von dort einmal kr\u00e4ftig in die Runde und beschlo\u00df, mit dem n\u00e4chstbesten Zug weiterzufahren.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde mir erlauben, deutlich eher in Freudenstadt zu sein, und von dort dann noch einen Ausflug in die eine oder andere Richtung zu machen. Und so machte ich das dann auch. Ich stiefelte zur\u00fcck zum Bahnhof und lie\u00df mich am Neckar entlang nach Horb kutschieren. Dort wechselt der Zug die Fahrtrichtung und dieselt weiter in der Gegend herum. Bis Horb war der Zug &#8211; ein mickriger Triebwagen &#8211; gut besucht, in erster Linie aber von &#8222;Oma beim Einkauf mit Tasche&#8220;. In Horb steht man dann noch zwecks Anschlu\u00df und so eine Viertelstunde herum, und so kam ich dann absolut p\u00fcnktlich in Hochdorf bei Horb an. Das ist ein Bahnsteig mitten in der Pampa, an dem man vom Dieseltriebwagen in die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stadtbahn_Karlsruhe\">Stra\u00dfenbahn<\/a> umsteigen kann. Letztere f\u00e4hrt dann nach Freudenstadt bzw. weiter nach Karlsruhe.<\/p>\n<p><strong>Freudenstadt<\/strong><\/p>\n<p>Die Stra\u00dfenbahn \u00fcberzeugte nicht nur mit zahllosen \u00dcberwachsungskameras, sondern auch durch gro\u00dfe dreckige Fenster, die einen guten, aber nicht hervorragenden Blick auf die durchaus h\u00fcbsche Landschaft erlaubten. Im Ohr krawallten derweil Armored Saint und Deep Purple. Letztere wurden dann auch gerade fertig, als ich in Freudenstadt Hauptbahnhof aus der Bahn stieg.<\/p>\n<p>Nun hatte ich ein kleines Problem mit der modernen Technik: Meine Netzanbindung war so mies, dass ich keine Karte der Umgebung auf meinem smarten Phone aufrufen konnte. Also musste ich mir mit dem vor dem Bahnhofsgeb\u00e4ude aufgestellten Lageplan behelfen. Dieser jedoch war &#8211; und das fiel mir erst hinterher auf &#8211; ziemlich verwirrend. Es gibt n\u00e4mlich den Bahnhof Freudenstadt Stadt, und den Bahnhof Freudenstadt Hauptbahnhof. Zwischen beiden liegen diverse Meter Bahnstrecke und ordentlich H\u00f6henmeter. Und der Hauptbahnhof liegt soweit ab vom Stadtzentrum, dass er auf dem Plan gar nicht eingezeichnet war&#8230; Ich lief also auf gut Gl\u00fcck der Hauptstra\u00dfe nach den Berg hinauf &#8211; irgendwo musste man ja herauskommen.<\/p>\n<p>Dass ich auf dem richtigen Weg war bemerkte ich erst 20 Minuten sp\u00e4ter, als ich feststellte, dass direkt vor mir die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone begann und ein Wegweiser Richtung Stadtzentrum wies. Dort angekommen war es ziemlich High Noon, passend dazu knallte die Sonne bei \u00fcber 30 Grad vom Himmel. Ich beschr\u00e4nkte mich darauf, eine Menge Fotos vom wirklich sehenswerten riesengro\u00dfen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Freudenstadt#Marktplatz\">Marktplatz<\/a> zu machen und begab mich zum anschlie\u00dfenden Abschlu\u00df des Spaziergangs zu einem italienischen Eiscaf\u00e9. Das hei\u00dft es war genauer gesagt ein von Italienern betriebenes Eiscaf\u00e9. Die hatten dann dort neben den \u00fcblichen verd\u00e4chtigen Sorten so illustre Eissorten wie &#8222;Kinderschokolade&#8220;.<\/p>\n<p>Ich hingegen hatte kein Kleingeld mehr einstecken, und Eis f\u00fcr 50 EUR (der einzige sch\u00f6ne Schein in der Brieftasche) w\u00e4re doch etwas viel gewesen. Zum Gl\u00fcck konnte die Bedienung wechseln, und so war ich um eine Eist\u00fcte mit Vanille, Erdbeere und Zitrone (wie langweilig) reicher. Diese wurde im flotten Schweinsgalopp verdr\u00fcckt, denn in nur 35 Minuten fuhr meine Stra\u00dfenbahn, die mich quer durch den Wald nach Karlsruhe bringen sollte. Und ich hatte noch zwei Kilometer Fu\u00dfmarsch den Berg wieder hinunter vor mir.<\/p>\n<p>Dieser Marsch wurde aber bravour\u00f6s gemeistert, und so konnte ich p\u00fcnktlich in einem toll aufgeheizten Stra\u00dfenbahnwagen (ich erw\u00e4hnte bereits die gro\u00dfen Fenster, aber nicht die Tatsache, dass er keine Klimaanlage hat) Platz nehmen. Dieser kurvte nun ungef\u00e4hr zwei Stunden durch die n\u00f6rdlichen Ausl\u00e4ufer des Schwarzwaldes, steil den Berg hinunter und durchs <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Murgtalbahn\">Murgtal<\/a> in Richtung Rastatt. Rein optisch war die Fahrt ein echtes Erlebnis, nur die Tatsache, dass ich langsam aber sicher am Stuhl festklebte, war doch irgendwie nervig.<\/p>\n<p>Nach Zwischenhalten an so illustren Haltestellen wie &#8222;Unimogwerk Gaggenau&#8220; oder Forchheim (das gibts da dr\u00fcben tats\u00e4chlich auch nochmal) und dem \u00fcberm\u00e4\u00dfig langen Warten auf einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/TGV\">TGV<\/a> zwecks \u00dcberholung kamen wir dann schlie\u00dflich vor dem Karlsruher Hauptbahnhof an &#8211; so richtig ganz normal als Stra\u00dfenbahn eben.<\/p>\n<p><strong>Zwischen Tunneln und Kehrschleifen<\/strong><\/p>\n<p>Nun hatte ich irgendwie noch den ganzen Nachmittag vor mir. Nach Stuttgart zur\u00fcck wollte ich noch nicht, warum also nicht noch eine Schleife nach S\u00fcden machen, um endlich mal eine weitere L\u00fccke auf der pers\u00f6nlichen Eisenbahnlandkarte zu schlie\u00dfen? Diese betraf die G\u00e4ubahn zwischen Rottweil und Hattingen. Um nun dahin zu kommen musste ich erstmal in den S\u00fcden fahren. Da lag es nahe, in den schon bereitstehenden IRE nach Singen einzusteigen, der erst bis Offenburg durchs Rheintal eilt, um anschlie\u00dfend \u00fcber 39 Tunnel und m\u00e4chtige Kehren den Schwarzwald zu queren.<\/p>\n<p>Die Strecke kenne ich ja gut aus der Zeit als ich da unten noch wohnte und arbeitete, aber nach f\u00fcnf Jahren Abstinenz wollte ich mir mal wieder die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwarzwaldbahn_%28Baden%29\">Schwarzwaldbahn<\/a> g\u00f6nnen. Daher setzte ich mich im Doppelst\u00f6cker oben in Fahrtrichtung rechts und freute mich \u00fcber die Laufruhe, den quasi leeren Waggon und die gut arbeitende Klimaanlage.<\/p>\n<p>Im Rheintal passierte nicht viel, der Zug war quasi leer, und Landschaft ist ja dort auch noch nicht wirklich. In Offenburg hingegen wurde der Zug invasiert von Leuten aus dem s\u00fcdlich liegenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweiz\">Nachbarland<\/a> mit der komischen Aussprache. Und die unterhielten sich &#8211; Schreck lass nach &#8211; \u00fcber Fu\u00dfball. Ganz offensichtlich waren sie am Wochenende in Dortmund und\/oder K\u00f6ln gewesen und hatten dort im Stadion mitgefiebert. Mir war gar nicht klar, dass man als Schweizer so leidensf\u00e4hig sein kann, Fan vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/1._FC_K%C3%B6ln\">1. FC K\u00f6ln<\/a> zu sein. Aber gut, ist vielleicht immer noch besser als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BSC_Young_Boys\">Young Boys Bern<\/a> (die wohl auch eine Frauenfu\u00dfball-Abteilung haben)&#8230;<\/p>\n<p>Den Vogel ab schossen die Damen, die sich eingehend \u00fcber die besonderen St\u00e4rken der Spieler austauschten &#8211; Mats Hummels hat die tollste Haarpracht, der G\u00fcndogan (oder wie er sich richtig schreibt) ist auch supers\u00fc\u00df, und Marco Reus ist wohl auch sehr schnuckelig. Da m\u00f6chte man als Kerl doch glatt im Strahl reiern wenn man solchen Mist mit anh\u00f6ren muss. Aufgrund der allgemeinen Lautst\u00e4rke konnte ich das nicht mal mehr mit Krach aus der Konserve kontern&#8230;<\/p>\n<p>Die Landschaft zwischen Hausach und St Georgen ist trotzdem \u00fcber jeden Zweifel erhaben, es war sehr sch\u00f6n da mal wieder langzufahren und auch einen Blick auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Villingen-Schwenningen\">Villingen<\/a> zu erhaschen. Nach dem Anstieg bis St Georgen geht die Bahnstrecke ja relativ eben weiter nach Singen, da ist die Landschaft dann zwar immer noch sch\u00f6n, aber nicht mehr so spektakul\u00e4r.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck nach Stuttgart<\/strong><\/p>\n<p>In Singen angekommen musste ich noch auf den Zug zur\u00fcck nach Stuttgart warten. Dieser kam aus Z\u00fcrich und wechselte in Singen Fahrtrichtung und Lokomotive. W\u00e4hrend der Wartezeit am Bahnsteig &#8211; die Temperaturen waren inzwischen wieder ertr\u00e4glich, aber es war auch bereits 18 Uhr abends &#8211; erhielt eine Durchsage gro\u00dfe Aufmerksamkeit, die ich so auch noch nicht geh\u00f6rt hatte: &#8222;Der Zug nach Konstanz f\u00e4llt aus wegen einer Suizidank\u00fcndigung.&#8220; Das hatte ich nun auch noch nicht geh\u00f6rt. Notarzteinsatz am Gleis, Verz\u00f6gerungen im Betriebsablauf, technischer Schaden am Triebfahrzeug oder Stellwerk, damit rechnet man ja mittlerweile schon. Aber ein angek\u00fcndigter Suizid? Warum denn ank\u00fcndigen, dann kommt doch gar kein Zug mehr hinter den man sich schmei\u00dfen kann&#8230;<\/p>\n<p>Meinen IC nach Stuttgart betraf das aber alles nicht, der fuhr p\u00fcnktlich ab. Ich fand im fast leeren Waggon einen guten Platz gegen\u00fcber von drei Schweizer Gesch\u00e4ftsleuten. Diese waren auf dem Weg nach Frankfurt, von wo sie am n\u00e4chsten Morgen irgendwohin fliegen sollten, wenn ich das richtig verstanden habe. Das mit dem Verstehen ist ja ein wenig komplizierter bei diesem v\u00f6llig schr\u00e4gen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweizerdeutsch\">Dialekt<\/a>. H\u00f6rt sich zwar toll an, aber man versteht als zugereister Exilhalbsachse trotzdem nur Bahnhof.<\/p>\n<p>Die Fahrt f\u00fchrte gem\u00fctlich durchs Neckartal durch so wichtige Ortschaften wie Tuttlingen, Rottweil und noch einmal Horb. In B\u00f6blingen erhaschte ich einen kurzen Blick auf unsere dortige Dienststelle, wo die Kollegin arbeitet mit der ich t\u00e4glich stundenlang telefonieren kann\/darf\/soll\/muss (rein dienstlich, bevor hier irgendwer auf falsche Ideen kommt) &#8211; toller Satzbau hier aber auch. Danach kurvt der Zug noch einmal h\u00fcbsch den Berg hinunter in Richtung Stuttgart Hauptbahnhof, wobei man einige wenige gute Blicke von oben auf die Innenstadt erhaschen kann.<\/p>\n<p>Mit einsetzender Dunkelheit war ich dann gut wieder angekommen und trampelte direkt zur\u00fcck ins Hotel &#8211; der Tag war lang gewesen und ich brauchte meinen Sch\u00f6nheitsschlaf \ud83d\ude09 F\u00fcr den n\u00e4chsten Tag war schlie\u00dflich bereits der n\u00e4chste Trip geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzte Urlaubswoche brach an, und ich brauch auf &#8211; zu einer Reise nach T\u00fcbingen und Freudenstadt. 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