{"id":1998,"date":"2015-10-06T21:09:38","date_gmt":"2015-10-06T19:09:38","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1998"},"modified":"2015-10-06T21:09:38","modified_gmt":"2015-10-06T19:09:38","slug":"qualitative-unterschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/10\/06\/qualitative-unterschiede\/","title":{"rendered":"Qualitative Unterschiede"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den. 30.8., konnte ich (wieder einmal) wunderbar erfahren, wieso die Deutsche Bahn als Verein von Chaoten gilt, w\u00e4hrend es im Ausland alles deutlich entspannter zugeht&#8230; Und das kam so&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als letzten Aufenthaltsort meines Urlaubs hatte ich mir eine bekannte Stadt im S\u00fcdwesten der Republik ausgesucht, da man von dort aus relativ einfach besagten S\u00fcdwesten w\u00fcrde unsicher machen k\u00f6nnen. Um nun aber von Salzburg nach Stuttgart zu kommen, wollte ich nat\u00fcrlich auch wieder mit der Bahn ums Dorf fahren. Schlie\u00dflich hat man nicht jeden Tag diese M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Also begann der Tag erneut mit einem gediegenen Fr\u00fchst\u00fcck, danach folgte unzeremoniell der Abschied vom Hotel und ich zog mitsamt meines Koffers zum Bahnhof. Dort bestieg ich den RailJet in Richtung Z\u00fcrich. Dieser war zu dieser fr\u00fchen Stunde noch recht sp\u00e4rlich besetzt, ich hatte ein Viererabteil f\u00fcr mich, auf der anderen Seite des Waggons sa\u00df ein englisches Ehepaar, die sich dann als erstes ein Fr\u00fchst\u00fcck aus dem Speisewagen genehmigten, bevor sie sich \u00fcber marvellous splendid wonderful landscapes and mountains unterhielten.<\/p>\n<p><strong>Durch den Korridor<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der topographischen und politischen Gegebenheiten &#8211; irgendeiner hat da halt so komisch kaskadierende Bergketten in den Weg gestellt und die depperten Bayern und \u00d6sterreicher haben sich bei ihrer Grenzziehung nicht daran orientiert &#8211; f\u00fchrt die schnellste Bahnverbindung von Salzburg nach Innsbruck \u00fcber das sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsches_Eck_%28Verkehr%29\">Deutsche Eck<\/a>. Das hat nix mit Koblenz zu tun, sondern beschreibt die Tatsache, dass man via Rosenheim und Kufstein einfacher um den Berg herumfahren kann als \u00fcber Bischofshofen und Kitzb\u00fchel (wobei letztere Variante sicherlich optisch mehr zu bieten h\u00e4tte). Man einigte sich hier jedenfalls schon vor langer Zeit \u00fcber die Durchf\u00fchrung von vereinfachten Grenzkontrollen und die Nutzung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Korridorzug\">Korridorz\u00fcgen<\/a> (mit sowas hatten die Deutschen ja schon seit 1918 umfassende Erfahrungen gesammelt).<\/p>\n<p>Der Zug f\u00e4hrt also jedenfalls in Richtung Rosenheim, biegt dann aber kurz vor dem Bahnhof links ab und biegt auf die Strecke Richtung Kufstein ein. Ich geno\u00df den blauen Himmel und den Ausblick auf die Berge, deren H\u00f6he mit zunehmender Reisedauer deutlich zunahm. Ab Kufstein war man nun wieder in \u00d6sterreich unterwegs, bis auf ein Schild auf der neben der Bahnstrecke verlaufenden Stra\u00dfe war davon aber quasi \u00fcberhaupt gar nix zu bemerken. Der Zug eilte nun flotterweise zwischen L\u00e4rmschutzw\u00e4nden entlang auf Innsbruck zu. Auch da wird ja im Winter gerne holzbrettschliddernde Versuche im Segelfliegen unternommen. Daran war bei den aktuellen Temperaturen jedoch nicht zu denken.<\/p>\n<p><strong>Berge links und Berge rechts<\/strong><\/p>\n<p>Nun folgte bereits das erste Highlight des Tages, n\u00e4mlich die Fahrt \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arlbergbahn\">Arlbergstrecke<\/a>. Auf dem Naviger\u00e4t bin ich die schon zahllose Male zu Testzwecken abgefahren, um die Darstellung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arlberg_Stra%C3%9Fentunnel\">Autobahntunnel<\/a> zu pr\u00fcfen (die nie so funktionierten wie wir das gerne gewollt h\u00e4tten)&#8230; Aber was mei\u00dfeln die da auch so v\u00f6llig beknackte Tunnelkaskaden in den Berg, wo doch das Fahren \u00fcber den Berg viel mehr gute Aussichten verspricht? Das dachte sich wohl auch das \u00f6sterreichische Stra\u00dfenbauamt (oder wer auch immer da zust\u00e4ndig ist), weswegen der Arlbergtunnel ziemlich geschlossen war und alle die Passstra\u00dfe nutzen mussten. So viele Leute waren aber nicht unterwegs, es gab keinen Stau. Auch auf der Bahnstrecke verlief alles planm\u00e4\u00dfig, der Zug erklomm die Rampen, ich \u00e4rgerte mich \u00fcber die bl\u00f6den B\u00e4ume, die immer im unpassendsten Augenblick ins Foto h\u00fcpften, und viel zu fr\u00fch hatten wir den Arlbergtunnel erreicht.<\/p>\n<p>Es galt nat\u00fcrlich auch hier wieder die alte Radfahrerregel: Wer bergab fahren will, muss vorher bergauf fahren. Und wenn man ganz oben ist, kann es logischerweise nur noch bergab gehen. Ich wechselte nun meinen Sitzplatz von der rechten auf die linke Seite, da irgendein Ingenieur damals der Meinung war, die Westrampe an den S\u00fcdhang dranzubasteln (ja, das hat so schon seine Richtigkeit), was nun auch dank Gegenlicht keine gescheiten Fotos mehr erm\u00f6glichte (inwieweit Schnappsch\u00fcsse aus dem fahrenden Zug als gescheit gelten ist ohnehin diskussionsw\u00fcrdig, aber egal). Der Zug rollte also nun den Berg wieder runter, und ehe man es sich versah, waren wir schon im n\u00e4chsten wichtigen Kaff angekommen, an dem ich aus- und umsteigen durfte.<\/p>\n<p><strong>Felder und Kirchen und Wasser<\/strong><\/p>\n<p>Dies fasst die Landschaft einigerma\u00dfen gut zusammen, und deswegen hei\u00dft das Nest wohl auch Feldkirch &#8211; oder auch nicht, ich bin Tourist, ich hab keine Ahnung. Daf\u00fcr konnte ich beim Umsteigen nun feststellen, dass man in dieser Ecke \u00d6sterreichs eine ziemlich komische Sprache spricht, die wohl selbst von den \u00d6sterreichern nicht f\u00fcr voll genommen wird. Verstehen tu ich sie jedenfalls eher nicht.<\/p>\n<p>Aber ich wollte ja auch mit den Eingeborenen keinen weiteren Kontakt aufnehmen, sondern eigentlich nur auf der inzwischen topfebenen Strecke (die Berge hielten sich mittlerweile dezent im Hintergrund und fehlten in Fahrtrichtung links vorne g\u00e4nzlich) in eben jene Richtung fahren, wo keine Berge den Blick zum Horizont verstellten.<\/p>\n<p>An eben dieser Stelle &#8211; der geographisch einigerma\u00dfen Bewanderte wird es l\u00e4ngst bemerkt haben &#8211; liegt das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bodensee\">Schw\u00e4bische Meer<\/a>. Und das war gut besucht, bei Au\u00dfentemperaturen um die 30 Grad kein Wunder. Und so stapelten sich an den wenigen Grasfl\u00e4chen die Badew\u00fctigen, daneben rollten die Radwanderer ihres Weges, und direkt daneben guckte ich mir die ganze Szenerie samt Segelbooten und F\u00e4hren aus dem fahrenden Zug an &#8211; und war froh \u00fcber die funktionierende Klimaanlage.<\/p>\n<p><strong>Willkommen in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>In Lindau Hauptbahnhof betrat ich nun wieder deutschen Boden &#8211; und eilte in erster Amtshandlung gleich erstmal quer \u00fcber den ganzen Bahnhof zum Anschlu\u00dfzug Richtung Friedrichshafen. Dieser f\u00e4hrt nat\u00fcrlich am anderen Ende des Bahnhofs ab, und damit man einen Anreiz zu sportlicher Bet\u00e4tigung hat ist die Umsteigezeit knackig kurz. Als besonderes Highlight bestandt der Zug aus einem 30 Jahre alten Triebwagen, der dementsprechend zwar \u00fcber kleine Klappfenster, aber weder eine Klimaanlage noch eine erste Klasse verf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Das Gegurke nach Friedrichshafen war denn auch ziemlich zerm\u00fcrbend, zum Einen wegen der Hitze im Zug, zum Anderen aufgrund des knapp vollj\u00e4hrigen M\u00e4dels gegen\u00fcber, die die ganze Zeit lautstark mit ihrer Mutter telefonierte. Es interessierte mich nicht im Allergeringsten, dass du einen tollen Zelturlaub hattest, und es interessiert mich auch nicht, dass du in zwei Wochen zur Bundeswehr gehst und Feld-, Wald- und Wiesenwebel werden willst. Ich dachte mir da nur so, dass sie sich ob ihrer \u00fcberlangen Fingern\u00e4gel und der Schminke im Gesicht noch ziemlich wird umgucken k\u00f6nnen *hrhr* Aber gut, die Fahrt war dann zum Gl\u00fcck auch schnell vorbei.<\/p>\n<p>In Friedrichshafen Stadt &#8211; nicht zu verwechseln mit Friedrichshafen Hafen &#8211; stand der Anschlu\u00dfzug auch schon bereit. Aufgrund von Bauarbeiten fuhr dieser allerdings nur bis nach Ulm und nicht nach Stuttgart, was zu zahllosen verpeilten Reisenden f\u00fchrte, da auf dem Bahnhof genau gar nichts ausgeschildert oder ausgeh\u00e4ngt war. W\u00e4hrend ich also noch gem\u00fctlich den Zug abschritt und den Waggon mit der ersten Klasse suchte, h\u00f6rte ich hinter mir ein bekanntes Ger\u00e4usch, welches ich da nun so \u00fcberhaupt nicht erwartet h\u00e4tte &#8211; eine Dampflokpfeife.<\/p>\n<p>Ich drehte mich um und da fuhr doch auf dem Nachbargleis tats\u00e4chlich ein Sonderzug ein, bestehend aus einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DR-Baureihe_64\">BR 64<\/a> (wenn ich es richtig gesehen habe) und Silberlingen. Die Teilnehmer dieser Sonderfahrt werden da drin sicherlich sch\u00f6n geschwitzt haben&#8230; Ich hingegen lie\u00df mich in die neuen Polster eines klimatisierten Doppelstockwaggons fallen, was mir in diesen tropischen Temperaturen allemal lieber war. Ich war bisher zweimal in Friedrichshafen, und beide Male war eine Affenhitze &#8211; inwieweit man hier Korrelationen und Kausalit\u00e4ten herstellen kann m\u00f6gen andere diskutieren.<\/p>\n<p><strong>Nordkorea bei Ulm<\/strong><\/p>\n<p>Die Bahnfahrt nach Ulm wurde denn auch ziemlich kurzweilig, allerdings anders als ich mir das gedacht hatte. Zun\u00e4chst ging es recht flott voran, die Landschaft war hier nun auch vergleichsweise unspektakul\u00e4r. Interessant wurde es dann so ungef\u00e4hr ab Laupheim, da standen wir n\u00e4mlich aufgrund der Bauarbeiten erstmal eine Viertelstunde dusslig in der Gegend herum.<\/p>\n<p>Und so kamen die Reisenden ins Gespr\u00e4ch, denn nichts verbindet so wie das gemeinschaftliche Motzen \u00fcber die Bahn. Das meiste ist ja dabei substanzloses Dummplappern, aber einer hatte da tats\u00e4chlich interessante Stories zu erz\u00e4hlen, zum Beispiel vom Bahnfahren in S\u00fcdostasien oder von Dienstreisen nach Nordkorea. Das war dann doch in der Tat recht spannend.<\/p>\n<p>Spannend war auch das Umsteigen in Ulm, weil es schlicht keinerlei Infos gab, mit welchem Zug man denn nun eigentlich weiter nach Stuttgart fahren k\u00f6nnte. Der eigentlich laut Fahrplan n\u00e4chste Zug w\u00e4re ein IC gewesen, der aber gerade abfuhr als wir einfuhren. Ich guckte also schnell auf meinem handlichen Taschencomputer nach, der mir einen Regionalbummelzug f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter anbot. Also hastete ich zum entsprechenden Bahnsteig, wo auch tats\u00e4chlich ein elektrisch betriebener Triebwagen mit elektrisch betriebener Klimaanlage stand &#8211; mit der klitzekleinen aber relevanten Einschr\u00e4nkung, dass die Klimaanlage nicht funktionierte&#8230;<\/p>\n<p>Der M\u00e4rchenonkel mit den Reiseerfahrungen in Korea sa\u00df mir nun gegen\u00fcber (er hatte zun\u00e4chst vergeblich versucht den IC zu erreichen, da es wie gesagt keinerlei Infos \u00fcber m\u00f6gliche Anschl\u00fcsse gab). Wir kamen also ins Gespr\u00e4ch und stellten fest, dass er in \u00e4hnlicher Branche unterwegs war, inzwischen aber als Rentner nur noch ausgew\u00e4hlte Sonderaufgaben \u00fcbernahm, wenn jemand mit besonders viel Erfahrung gebraucht wurde. Das war auch f\u00fcr mich recht spannend, von so alten Hasen kann man schlie\u00dflich noch was lernen. \u00dcber das Gespr\u00e4ch verga\u00df ich sogar aus dem Fenster zu gucken und die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geislinger_Steige\">Geislinger Steige<\/a> anzuschauen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Im Schwabenl\u00e4ndle<\/strong><\/p>\n<p>Das letzte Teilst\u00fcck unterhielt ich mich dann tats\u00e4chlich noch mit einem anderen Mitreisenden, der in erster Linie durch den starken orts\u00fcblichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schw%C3%A4bischer_Dialekt\">Dialekt<\/a> auffiel. Ich finds ja immer a weng putzig. Gut ged\u00fcnstet im eigenen Saft kamen wir schlie\u00dflich in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stuttgart_21\">Baustelle<\/a> an, die den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stuttgart_Hauptbahnhof\">Stuttgarter Hauptbahnhof<\/a> darstellen soll, nur eine reichliche Stunde nach dem urspr\u00fcnglichen Plan, daf\u00fcr mit Schwitzflecken am Allerwertesten&#8230;<\/p>\n<p>Mein letzter Weg des Tages f\u00fchrte mich denn auch schnurstracks zum Hotel, welches zum Gl\u00fcck eine funktionierende und gut regelbare Klimaanlage aufwies. Zu diesem Zeitpunkt fand ich das Hotelzimmer auch noch recht schick&#8230; Warum sich dies in den n\u00e4chsten Tagen \u00e4nderte wird dann demn\u00e4chst mal erz\u00e4hlt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den. 30.8., konnte ich (wieder einmal) wunderbar erfahren, wieso die Deutsche Bahn als Verein von Chaoten gilt, w\u00e4hrend es im Ausland alles deutlich entspannter zugeht&#8230; Und das kam so&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1998"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1998\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}