{"id":1982,"date":"2015-10-02T22:03:01","date_gmt":"2015-10-02T20:03:01","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1982"},"modified":"2015-10-02T22:03:01","modified_gmt":"2015-10-02T20:03:01","slug":"1982","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/10\/02\/1982\/","title":{"rendered":"Stippvisite im Ausland"},"content":{"rendered":"<p>Bahnfahren in Deutschland ist ja manchmal eher eine Tortur, selbst f\u00fcr Freunde der Bahn. Die passenden Geschichten von versp\u00e4teten Z\u00fcgen, verpa\u00dften Anschl\u00fcssen, fehlenden Waggons, defekten T\u00fcren und dergleichen mehr kennt ja irgendwie quasi jeder. Um also mal einen Eindruck zu bekommen, wie das mit dem Bahnfahren in L\u00e4ndern funktioniert, machte ich einen Kurztrip ins selbsternannte bessere Deutschland. Dieses liegt bekannterma\u00dfen s\u00fcd\u00f6stlich vom eigentlichen Deutschland, hat zahllose Berge und schwankt immer irgendwo zwischen Neid auf den gro\u00dfen Nachbarn und Sehnsucht nach der glorreichen Historie aus Kaisers Zeiten, als man noch europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht war und im 3\/4 Takt durch den Wienerwald walzte. F\u00fcr alle, die im Geschichts-,\u00a0 Geographie- und Musikunterricht gepennt oder Karten gespielt haben, die Rede ist nat\u00fcrlich von \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Reisevorbereitungen<\/strong><\/p>\n<p>Meine Reise umfa\u00dfte ziemlich genau ein einziges Wochenende, und in diesem war ich eigentlich nur in Salzburg. Das liegt ja quasi fast noch in Deutschland, die Mentalit\u00e4t ist aber doch eine v\u00f6llig andere, wie ich schnell feststellen konnte. Aber der Reihe nach. Nach einem mehr oder minder entspannten Ruhetag ging es erneut am fr\u00fchen Morgen zur Bushaltestelle und dann zum Bahnhof. Dort schaffte ich f\u00fcr mich selbst \u00fcberraschend einen Umstieg in minus einer Minute. Das lag daran, dass mein Bus trotz Baustellenfahrplans p\u00fcnktlicher war als gedacht und die S-Bahn (die ich eigentlich gar nicht erreichen wollte) Versp\u00e4tung hatte&#8230; Somit war ich besonders zeitig in N\u00fcrnberg und konnte mich dort noch mit Schokolade und Getr\u00e4nken eindecken.<\/p>\n<p>Weiter ging es mit dem ICE nach M\u00fcnchen. An die Fahrt habe ich keine Erinnerung &#8211; so wirklich viel kann nicht passiert sein, und mehr als aus dem Fenster auf die Tunnelwand gucken kann man ja ohnehin nicht. Ich wei\u00df aber noch, dass ich mich gewundert habe, dass der Zug ohne Zwischenhalt durch Ingolstadt durchfuhr &#8211; immerhin eine Erinnerung.<\/p>\n<p>Von M\u00fcnchen aus ging es anschlie\u00dfend weiter mit mit einem EC nach Salzburg. Das war dann auch schon der letzte Zug des Tages, denn mittags war ich schon in Salzburg. Davor hatte ich schon wundersch\u00f6ne Blicke auf Alpengipfel erhaschen k\u00f6nnen, die dort halt einfach mal so in der Gegend herumstehen. Und so stand ich dann ziemlich genau gegen 12 Uhr mittags bei sengender Hitze auf dem Bahnsteig der Mozartstadt.<\/p>\n<p><strong>Open-Air-Sauna<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Amtshandlung bestand im Finden eines Schlie\u00dffaches. Ich wollte ja nicht die ganze Zeit meinen Koffer hinter mir herschleppen, und ins Hotel konnte ich ja auch erst am sp\u00e4teren Nachmittag. Schlie\u00dff\u00e4cher bietet der Bahnhof denn auch zur Gen\u00fcge und in verschiedensten Gr\u00f6\u00dfen. Das System zur Bezahlung ist einigerma\u00dfen verwirrend, und es gibt nur Tagestickets&#8230; So berappte ich am Ende luftige 4.50 EUR f\u00fcr ungef\u00e4hr vier Stunden&#8230; Aber es ist halt Urlaub, da muss man eben durch. Und nun konnte ich gem\u00fctlich schwitzend bei knapp 30 Grad durch die Stadt schleichen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wollte ich das Hotel finden und im Anschlu\u00df die Altstadt erkunden. In Anbetracht der Tatsache, dass mein Hosentaschencomputer im Ausland mangels Internetverbindung nur ein besserer Briefbeschwerer ist, musste dies mit einem altmodischen ausgedruckten Stadtplan klappen. Nach einigem Hin und Her und einmal falsch Abbiegen (eine zu fr\u00fch nach links abgebogen und deswegen etwas weiter gelaufen als notwendig) wusste ich denn auch sehr schnell, wo ich sp\u00e4ter einchecken w\u00fcrde. Mein n\u00e4chstes Ziel war nun die Altstadt, ungef\u00e4hr einen Kilometer s\u00fcdlich auf der anderen Seite der Salzach.<\/p>\n<p><strong>Altstadtblues<\/strong><\/p>\n<p>Ich lief also parallel zum Ufer der Salzach nach S\u00fcden und folgte der Beschilderung zur Altstadt. Den Weg teilte ich mir mit zahllosen Touristen, alle mit Knopf im Ohr und von feschen Madls im Dirndl gef\u00fchrt. Als Zwischenmahlzeit g\u00f6nnte ich mir noch schnell ein Eis auf die Hand und suchte im Anschlu\u00df einen der zahlreichen Souvenirshops auf. Da kriegt man von Ansichtskarten, Tassen, Mozartkugeln und sonstigem Ged\u00f6ns so ziemlich alles, was man braucht, um sp\u00e4ter behaupten zu k\u00f6nnen, dass man da war. Ich erstand also bei einem Japaner(!) &#8211; der f\u00fchrte den Laden zusammen mit seiner Frau &#8211; einige Ansichtskarten und eine kleine Packung Mozartkugeln (und hakte im Geiste das zugeh\u00f6rige Achievement ab).<\/p>\n<p>Nun folgte ein ungem\u00fctlicher Bummel durch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Getreidegasse_%28Salzburg%29\">Altstadtgassen<\/a>. Diese zeichnen sich in erster Linie durch eine extreme Touristendichte und eine baulich bedengte Enge aus. Man wurde also mehr durch die Gegend geschoben. Erschwerend kam hinzu, dass die Salzburger Festspiele anstanden und daher Teile der Altstadt durch B\u00fchnen zus\u00e4tzlich zugestellt waren. Die sich in den schmalen Stra\u00dfen stauende Hitze machte das Spazierengehen zus\u00e4tzlich zur Qual.<\/p>\n<p>Inmitten des Sprachenwirrwarrs aus diversen europ\u00e4ischen Sprachen und Japanisch stand ich dann pl\u00f6tzlich vor Mozarts Geburtshaus. Das ist irgendwie auch nicht beeindruckender als Schillers Wohnhaus in Weimar, aber irgendwie scheint jeder Depp ein Foto davon machen zu m\u00fcssen. Ich hingegen hatte dort wieder eine Meta-Anwandlung und machte ein Foto der Leute, die ein Foto vom Haus machten&#8230;<\/p>\n<p><strong>Herzlich Willkommen<\/strong><\/p>\n<p>Zu guter Letzt wollte ich aus der Enge der Stadt hinaus nach oben. \u00dcber der Altstadt thront ja weithin sichtbar die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Festung_Hohensalzburg\">Festung<\/a>, und wenn man sie von unten aus von \u00fcberall sieht, hei\u00dft das ja im Umkehrschlu\u00df (bzw. nach dem Kommutativgesetz), dass man von oben eine gute Aussicht haben sollte. Und weil irgendein Ingenieur in grauer Vorzeit mal zu faul zum Laufen war, gibt es sogar eine Seilbahn, die aus der Altstadt die knapp 100 H\u00f6henmeter bis zur Festung \u00fcberwindet. Was konnte also schiefgehen?<\/p>\n<p>Eine Menge nat\u00fcrlich, sonst h\u00e4tte ich ja hier nicht diese d\u00e4mliche rhetorische Frage gestellt. Zun\u00e4chst einmal gibt es tags\u00fcber nur Kombitickets f\u00fcr die Seilbahn (Hin- und R\u00fcckfahrt) plus Eintritt in alle Ausstellungen der Festung. Die Seilbahn einzeln gibts nur ab 18 Uhr abends. Ergo musste ich f\u00fcr nicht einmal eine Minute Bahnfahrt 11.30 EUR zahlen. Das alleine h\u00e4tte mir bei wanderfreundlicherem Wetter als Grund gereicht um zu Fu\u00df zu gehen&#8230; nur war halt kein solches Wetter im Angebot.<\/p>\n<p>Also schlich ich zur Kasse und erstand eine Karte. Bl\u00f6derweise hatte ich nur noch 11.20 EUR dabei, das hei\u00dft die letzten 10 Cent hatte ich nur als richtig kleines Kleingeld. Da wurde der Kassierer so richtig stinksauer, wie ich es \u00fcberhaupt noch nicht erlebt habe. Er fing an so richtig heftig zu rumzugranteln was er mit dem Mist solle und dass er das nicht gebrauchen k\u00f6nne und ob ich deppert sei und \u00fcberhaupt und so weiter und so fort. Ich guckte ihn nur an wie das erste Auto &#8211; wenn kein Kleingeld gew\u00fcnscht ist m\u00fcssen sie halt die Preise auf rundere Summen festlegen anstatt auf sowas verqueres wie 11.30 EUR. Und dann die zahlende Kundschaft auch noch d\u00e4mlich vollmotzen, sowas geht echt nur in \u00d6sterreich &#8211; in anderen L\u00e4ndern w\u00fcrde man sich sowas auf keinen Fall trauen.<\/p>\n<p><strong>Es lebe die Aussicht<\/strong><\/p>\n<p>Na egal, Gegrantel hin oder her, ich hatte ein \u00fcberteuertes Ticket f\u00fcr die Seilbahn und war keine zwei Minuten sp\u00e4ter oben angekommen. Und wie vermutet war die Aussicht tats\u00e4chlich ph\u00e4nomenal. Im Vordergrund hatte man einen sch\u00f6nen Blick \u00fcber die Altstadt und die Salzach, in der Mitte konnte man den Bahnhof als geographischen Fixpunkt ausmachen, und im Hintergrund hatte irgendeiner zahlreiche sehenswerte Berge vor den blauen Himmel gepinselt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es auf der Burg einRestaurant (Wiener Schnitzel mit Pommes und Salat f\u00fcr schwerverdaulich viele Euro) und diverse Ausstellungen, auf die ich nach dem Theater vom Eingang nicht mal mehr den Hauch einer Ahnung von Motivation hatte. Ich setzte mich auf eine Bank in den Schatten und schwitzte in Ruhe vor mich hin.<\/p>\n<p>Inzwischen war es bereits ungef\u00e4hr 15 Uhr und ich konnte so langsam den Weg zur\u00fcck zum Bahnhof antreten. Also fuhr ich wieder den Berg runter und spazierte noch einmal durch die vor Touristen wimmelnde Altstadt. Besonders spannend &#8211; neben dem offensichtlichen Touristennepp &#8211; waren f\u00fcr mich aus technischer Sicht die Oberleitungsbusse, die mir anhand der Kabel auch recht einfach den Weg zur\u00fcck zum Bahnhof wiesen. Dort holte ich meinen Koffer aus dem Schlie\u00dffach und marschierte nun auf k\u00fcrzestem Wege ins Hotel.<\/p>\n<p>Dort wurde ich von einer h\u00fcbschen Blondine empfangen, die mir den Meldezettel in die Hand dr\u00fcckte und nach erfolgtem Ausf\u00fcllen die Zimmerschl\u00fcssel \u00fcbergab. Eine Fahrstuhlfahrt sp\u00e4ter kam ich schlu\u00dfendlich im Hotelzimmer an &#8211; eine lustige Mischung aus moderner Technik und Postkartenkitsch&#8230; Aber das war mir auch egal, ich war froh mich endlich ausstrecken zu k\u00f6nnen. Immerhin hatte ich f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag noch viel vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bahnfahren in Deutschland ist ja manchmal eher eine Tortur, selbst f\u00fcr Freunde der Bahn. 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