{"id":1976,"date":"2015-09-30T20:11:19","date_gmt":"2015-09-30T18:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1976"},"modified":"2015-09-30T20:11:19","modified_gmt":"2015-09-30T18:11:19","slug":"ich-liebe-es-wenn-ein-plan-funktioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/30\/ich-liebe-es-wenn-ein-plan-funktioniert\/","title":{"rendered":"Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert"},"content":{"rendered":"<p>Diesen markanten Satz \u00e4u\u00dferte eine aus einer 30 Jahre alten amerikanischen Fernsehserie bekannte Figur einmal pro Folge. Ich hingegen konnte diesen Satz am 26.8. nicht \u00e4u\u00dfern. Mein Plan funktionierte n\u00e4mlich \u00fcberhaupt gar nicht. Und das lag nicht daran, dass der Plan schlecht gewesen w\u00e4re, die Realit\u00e4t pa\u00dfte nur einfach nicht dazu&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Pl\u00e4ne schmieden<\/strong><\/p>\n<p>Ich wollte nach den vorangegangenen Touren wieder nach Erlangen. Und da ich alle mehr oder minder direkten Routen schon oft genug gefahren bin, musste mal wieder eine Route mit der Kuh ums Dorf her. Umwege \u00fcber Erfurt waren wegen Baustellen nicht m\u00f6glich, durch den Harz gurken war ob fehlender Z\u00fcge in Richtung Aschersleben auch eher ung\u00fcnstig, also schaute ich mich in anderen Ecken um.<\/p>\n<p>Geplant war am Ende eine Tour durch Sachsen und Th\u00fcringen, mit Zwischenhalten in u.a. Gera, Saalfeld, Arnstadt, Neudietendorf, Eisenach, Meiningen und Sonneberg. Diese Orte werden durch diverse Nebenstrecken verbunden, so dass dort nur eher geringes Tempo gefahren werden kann und eine solche Tour ziemlich genau den ganzen Tag dauert. Hinzu kommt, dass zwischen Eisenach und Sonneberg nur alle zwei Stunden ein Zug f\u00e4hrt, so dass man dann gleich ein gr\u00f6\u00dferes Problem hat. Insofern war der Plan schon ziemlich ambitioniert, vor allem wenn man bedenkt dass in Arnstadt und Neudietendorf nur je knapp f\u00fcnf Minuten Zeit zum Umsteigen eingeplant werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Ab in den S\u00fcden<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Teil des Plans sah vor, dass mich meine Mutter (zum wiederholten Male) in Halle am Bahnhof absetzte. Diesmal wurden auch keine Umwege durch Halle-Neustadt gemacht, wir fuhren einfach gem\u00fctlich dran vorbei. Am Hauptbahnhof angekommen enterte ich eine S-Bahn und wurde ohne weitere Aufregungen nach Leipzig kutschiert. Dort musste ich dann erstmal aus tiefstem Tunneldunkel in die Halle aufsteigen (normalerweise meide ich Rolltreppen, aber ich hatte ja meinen Koffer dabei).<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Zug war der Triebwagen in Richtung Saalfeld \u00fcber Gera. Die Strecke kannte ich noch nicht, die normale Strecke nach Saalfeld (\u00fcber Gro\u00dfkorbetha, Naumburg und Jena) hingegen im Schlaf. Abwechslung ist halt manchmal Trumpf. Der Triebwagen war einigerma\u00dfen gut besetzt, aber lange nicht \u00fcberf\u00fcllt. Und so zuckelten wir durch die flache Tagebaurestlochversammlung s\u00fcdlich von Leipzig. Die Sonne schien, der Diesel dieselte vor sich hin und ich las in meiner in Leipzig erstandenen Zeitschrift.<\/p>\n<p><strong>Im Falle eines Unfalles<\/strong><\/p>\n<p>Das ganze Elend des Tages begann mit einem eher harmlosen Versehen. Der Lokf\u00fchrer sprach beim Halt in Profen \u00fcber Bordmikro die Zugbegleiterin an, dass es nicht weitergehen w\u00fcrde. Sofort spitzten alle Fahrg\u00e4ste die Ohren. &#8222;Mach mal eine Ansage, da war ein Unfall, keine Ahnung wann es weitergeht.&#8220; Und so geschah es auch, die Zugbegleiterin machte eine Ansage, und wir standen weiter im Bahnhof herum.<\/p>\n<p>Was war passiert: Ganz offensichtlich hatte einem Lastwagen unser sch\u00f6ne Bahnstrecke so gut gefallen, dass er sich mal eben von der Stra\u00dfe verabschiedet und auf die Gleise geschmissen hatte. Damit war nicht nur der Lastwagen eingedellt, sondern auch die Strecke dicht. Mir war damit schlagartig klar, dass ich meinen Plan w\u00fcrde in die Tonne treten k\u00f6nnen, einen Lastwagen zu bergen konnte ja Stunden dauern, vermutlich w\u00fcrden wir einfach zur\u00fcck nach Leipzig fahren und von dort \u00fcber andere Strecken fahren m\u00fcssen. Also ergab ich mich meinem Schicksal und las weiter \u00fcber die neue <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bad_Magic\">Mot\u00f6rhead<\/a> (mit einem fantastischen Cover von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sympathy_for_the_Devil\">Sympathy For The Devil<\/a>).<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 40 Minuten sp\u00e4ter ging es v\u00f6llig \u00fcberraschend doch weiter in der geplanten Richtung, d.h. nach Zeitz und weiter nach Gera. Nun musste ich mich doch noch beflei\u00dfigen, meinen Plan genau zu pr\u00fcfen, da ich in Saalfeld planm\u00e4\u00dfig 45 Minuten Aufenthalt hatte. Somit bestand hier die gute Chance, doch wieder vollkommen problemlos weiter nach Plan fahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Gera S\u00fcd wurde der Triebwagen m\u00e4chtig voll, da stieg eine Rentnertruppe ein, die wohl Heimaturlaub machten &#8211; im Osten aufgewachsen und nach der Wende in den Westen gegangen. Da wurden nun Geschichten ausgetauscht, wie fr\u00fcher die Industrie in Unterwellenborn aussah und was wei\u00df ich nicht alles. Ich wusste nur eins anhand minuti\u00f6ser Analyse von Fahrplan und tats\u00e4chlicher Fahrzeit: wir versp\u00e4teten uns langsam, aber sicher immer weiter. Auf der eingleisigen Strecke waren wir ja nun v\u00f6llig aus dem Takt und mussten mehrfach auf Gegenz\u00fcge warten.<\/p>\n<p><strong>Knapp vorbei ist auch daneben<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte mich via Smartphone informiert, auf welchem Bahnsteig mein Anschlu\u00df in Saalfeld abfahren w\u00fcrde, denn es wurde nun wirklich knapp. Kaum waren wir auf Gleis f\u00fcnf (oder so in der Gr\u00f6\u00dfenordnung) angekommen, wetzte ich also wie ein ge\u00f6lter Blitz zum Bahnsteig drei. Nur stand dort \u00fcberhaupt kein Zug, nur der Hinweis, dass besagter nicht vorhandener Zug heute abweichend von Gleis 1 fahren w\u00fcrde. Ich gucke Richtung Gleis 1, da steht auch ein Triebwagen mit ge\u00f6ffneten T\u00fcren. Ich sprinte also im Schweinsgalopp mit dem Koffer in der Hand die Treppe runter, durch die Unterf\u00fchrung und auf der anderen Seite die Treppe wieder hoch &#8211; und stelle nun meinen Koffer ab, um dem Zug hinterherzuwinken, der keine 10 m vor mir davonf\u00e4hrt&#8230; SO hatte ich mir die Umsetzung meines Planes nun wirklich nicht vorgestellt.<\/p>\n<p>Da stand ich nun also wie der gro\u00dfe Depp vom Dienst auf dem Bahnsteig in Saalfeld und pr\u00fcfte meine M\u00f6glichkeiten, nun von dort wegzukommen. Die eigentliche Tour in Richtung Eisenach konnte ich wie oben erkl\u00e4rt nun vergessen, auf andere Umwege hatte ich nun spontan auch \u00fcberhaupt keine Lust mehr, also blieb nur die Strecke, die ich eigentlich \u00fcberhaupt nicht fahren wollte &#8211; \u00fcber die Frankenwaldrampen Richtung Bamberg.<\/p>\n<p>Und um mich extra zu \u00e4rgern, weil ich mich so beeilt hatte, den Zug zu verpassen, durfte ich nun noch extra lange auf den n\u00e4chsten warten. Der n\u00e4chste ICE, mit dem ich umsteigefrei nach Erlangen fahren konnte, fuhr rund 90 Minuten sp\u00e4ter, ein Regionalbummelzug mit Halt an jeder Gie\u00dfkanne immerhin schon eine knappe halbe Stunde eher. Also nahm ich schlecht gelaunt in einem leeren Regionalzug Platz und schm\u00f6kerte weiter in meiner Zeitschrift.<\/p>\n<p><strong>Auf k\u00fcrzestem Wege heimw\u00e4rts<\/strong><\/p>\n<p>Der eigentlich wundersch\u00f6ne Blick aus dem Fenster interessierte mich ebensowenig wie das sch\u00f6ne Wetter oder die bautechnische Meisterleistung, die man Mitte des 19. Jahrhunderts erbracht hatte, um die Bahnstrecke da in die H\u00f6hen des Th\u00fcringer Waldes zu schrauben. Ich wollte nach Hause, und meine Laune war ziemlich am Arsch.<\/p>\n<p>In Bamberg angekommen hatte ich die Wahl zwischen der S-Bahn oder dem ICE. Beide fuhren nach Erlangen bzw. noch ein St\u00fcck weiter, der ICE kam halt einfach f\u00fcnf Minuten eher, und damit war die Entscheidung bereits getroffen. F\u00fcr die paar Minuten von Bamberg nach Erlangen lohnte es sich kaum, \u00fcberhaupt die Jacke auszuziehen und den Koffer abzustellen. Aber zumindest die Fahrkarten wollte man dann kurz vor Erlangen noch kontrollieren. Der Typ mit dem gastronomischen Service (Kaffee, Tee, etc. am Platz) war da deutlich schneller, machte mit mir aber trotzdem keinen Umsatz&#8230;<\/p>\n<p>In Erlangen stieg ich dann sch\u00f6n gem\u00fctlich in den Bus um, stellte fest, dass die Bauarbeiten jetzt andere Stra\u00dfen betrafen und wir durch andere Ecken der Stadt umgeleitet wurden, und kam dann doch schon gegen 15 Uhr daheim an, ungef\u00e4hr 200km k\u00fcrzer und 3h oder so vor der eigentlich geplanten Zeit. Damit hatte sich die Fahrerei dann auch erstmal erledigt, es folgte ein Ruhetag, bevor es zum gro\u00dfen Schlu\u00dfspurt mit Angriff auf die Rekordmarken gehen sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen markanten Satz \u00e4u\u00dferte eine aus einer 30 Jahre alten amerikanischen Fernsehserie bekannte Figur einmal pro Folge. Ich hingegen konnte diesen Satz am 26.8. nicht \u00e4u\u00dfern. Mein Plan funktionierte n\u00e4mlich \u00fcberhaupt gar nicht. 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