{"id":1971,"date":"2015-09-28T20:00:35","date_gmt":"2015-09-28T18:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1971"},"modified":"2015-09-28T20:00:35","modified_gmt":"2015-09-28T18:00:35","slug":"im-wilden-osten-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/28\/im-wilden-osten-unterwegs\/","title":{"rendered":"Im wilden Osten unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>An meinem Geburtstag war ich unterwegs von Leipzig nach G\u00fcsten &#8211; da sollte es frisch gegrilltes und Bier geben. Und weil ich die direkte Strecke(n) von Leipzig nach G\u00fcsten schon alle kenne, war ein, \u00e4hem, kleinerer Umweg Bestandteil der Route.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Verkehrsgeographie<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt ja verschiedenste M\u00f6glichkeiten, vom Bahnknoten Leipzig zum ehemaligen Bahnknoten G\u00fcsten (inzwischen isses ja nur noch ein ganz ganz klitzekleiner Knoten) zu kommen. Die \u00fcblichen Wege f\u00fchren dabei entweder zuerst nach Dessau und von dort \u00fcber K\u00f6then zum Ziel, man kann genauso gut aber auch \u00fcber Halle nach K\u00f6then fahren, oder man probierts aus der anderen Richtung und erreicht das Ziel von Halle aus \u00fcber wahlweise Sandersleben oder Aschersleben. F\u00fcr Leute mit zu viel Geld geht auch die Verbindung mit dem IC bis Magdeburg und dann wieder ein St\u00fcck zur\u00fcck. Und was haben all diese Verbindungen gemeinsam: Ich kenne sie schon.<\/p>\n<p>Nun fiel ja aufgrund Personalmangel (also nicht mangelhaftes Personal, sondern schlicht keine Lokf\u00fchrer vorhanden) der Zugverkehr zwischen Aschersleben, K\u00f6then und Dessau mehr oder weniger komplett aus. Damit waren die meisten direkten Routen eh nicht befahrbar, ein Haken \u00fcber Erfurt war aufgrund von Bauarbeiten und Streckensperrung ebensowenig attraktiv, also wurde es eine sch\u00f6ne Rundreise durch eine Gegend, in die ich sonst nie gekommen w\u00e4re und so schnell wohl auch nicht mehr kommen werde.<\/p>\n<p><strong>Auf historischen Gleisen<\/strong><\/p>\n<p>Die Fahrt begann also kurz nach 9 Uhr morgens nach erfolgreichem Checkout im Hotel und dem Erwerb von kalorienreichem Reiseproviant beim B\u00e4cker. Das erste Teilst\u00fcck f\u00fchrte mich via Eilenburg, Falkenberg und Doberlug-Kirchhain nach Cottbus. Das sind dann gleich mal zwei markante Turmbahnh\u00f6fe mit wichtiger Kreuzungsfunktion zwischen Ost-West und Nord-S\u00fcd Verkehren, wobei die Bedeutung fr\u00fcher noch wesentlich h\u00f6her war.<\/p>\n<p>Man muss ja die Bahnstrecken wie auch alle anderen Verkehrswege im historischen Kontext sehen, und da baute man zum Beispiel eine Bahnstrecke von Halle nach Eilenburg und weiter nach Cottbus in einem Ma\u00dfe aus, das heute unverst\u00e4ndlich erscheint. Erst wenn man mal die s\u00e4chsische Staatsgrenze in die Betrachtung mit aufnimmt und bedenkt, dass vor 150 Jahren Sachsen und Preu\u00dfen nicht unbedingt die dicksten Freunde waren, wird ersichtlich, warum man diese Strecken so und nicht anders plante.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr den aus heutiger Sicht v\u00f6llig \u00fcberdimensionierten Bahnhof Falkenberg, der aber eben vor gut 100 Jahren ein \u00e4u\u00dferst wichtiger G\u00fcterverkehrsknoten im Preu\u00dfischen Eisenbahnnetz war. Damals verliefen die Hauptverkehrsrouten auch noch v\u00f6llig anders als heute. In Doberlug-Kirchhain schlie\u00dflich kreuzt man lediglich die Bahnstrecke von Dresden nach Berlin, ansonsten gibts da nur Felder und Wiesen und Wiesen und Felder.<\/p>\n<p>Das Zugpersonal besch\u00e4ftigte sich derweil weniger mit meiner Fahrkarte als mit einer Diskussion um Dienstpl\u00e4ne, \u00dcberstunden und anderen Arbeitskrempel, weswegen ich dann doch lieber Musik h\u00f6rte. Ist halt bl\u00f6d wenn man im Beisein der Fahrg\u00e4ste \u00fcber seine Arbeit motzt&#8230;<\/p>\n<p><strong>Abwechslungsreicher Blick aus dem Fenster<\/strong><\/p>\n<p>In Cottbus hie\u00df es umsteigen in den Zug nach Frankfurt (Oder). Die Cottbusser Postkutscherstation wurde schon l\u00e4ngst durch einen komisch verwinkelt angelegten Bahnhof ersetzt, der teilweise Stumpf- und teilweise durchgehende Gleise hat. Mein Anschlu\u00dfzug bestand aus der weltbewegenden Anzahl von zwei Doppelstockwaggons, die in erster Linie warme Luft durch die Gegend juckelten.<\/p>\n<p>Ich widmete ich also weiter dem Studium der heimischen Flora und Fauna, wobei man schnell feststellen konnte, dass man nicht durch \u00fcberbordende Abwechslung irritiert werden w\u00fcrde. Links B\u00e4ume, rechts B\u00e4ume, drunter viel Sand und obendr\u00fcber Wolken. Die Dichte der B\u00e4ume variierte geringf\u00fcgig, und an einigen Stellen konnte man dann auch mal ein Kraftwerk, Spuren eines Tagebaus oder \u00e4hnliche Zeugen der Industrialisierung erblicken. Mein Smartphone erblickte hingegen in erster Linie die Funkt\u00fcrme auf der anderen Seite der Grenze, die anscheinend einen deutlich besseren Empfang anboten. Ab Guben verl\u00e4uft die Bahnstrecke ja quasi in Sichtweite der Oder und damit der Grenze zu Polen.<\/p>\n<p>In Frankfurt (Oder) endete diese Etappe der Fahrt und ich stieg in einen Zug ein, der den Namen auch verdiente &#8211; immerhin f\u00fcnf oder so Doppelst\u00f6cker standen da am Bahnsteig. Nachdem die \u00f6stlichsten Punkte ja nun erreicht waren, konnte es den Gesetzen der Logik folgend nur noch nach Westen gehen.<\/p>\n<p><strong>Der Nachmittagssonne entgegen<\/strong><\/p>\n<p>Der Zug eilte nun mit durchaus hoher Laufruhe und akzeptablem Tempo der Hauptstadt entgegen. Auf der linken Seite gab es Wiesen und eine Autobahn zu sehen, auf der rechten Seite Wiesen mit ohne Autobahn. Zwischendrin gehts dann auch mal durch Wald, da siehts dann eben so aus als wie wenn man im Wald steht&#8230; boah war der schlecht. Na jedenfalls erreicht man dann so ab Erkner wieder die zivilisierte Welt, bzw. macht selbige in Form von S-Bahn und h\u00f6heren Geb\u00e4uden auf sich aufmerksam. Nur kurz darauf ist man dann auch schon im Berliner Ostbahnhof angekommen. Der Zug folgte nun der Berliner Stadtbahn mitten durch die Hauptstadt. Da gibt es also immer irgendwas zu sehen, seien es nun h\u00e4\u00dfliche Hinterh\u00f6fe oder Touristenmassen&#8230;<\/p>\n<p>Ich versuchte derweil ein wenig zu schlafen, was ob des beginnenden Feierabendverkehrs und dem damit verbundenem F\u00fcllungsgrad des Zuges einfacher gedacht als getan war. Die weitere Strecke \u00fcber Potsdam und Brandenburg Richtung Magdeburg kenne ich allerdings schon zur Gen\u00fcge und war sie auch erst eine gute Woche vorher bei der Wolfsburg-Tour abgefahren.<\/p>\n<p><strong>Spontan getroffen<\/strong><\/p>\n<p>V\u00f6llig spontan ergab sich dann durch Absprache mittels moderner elektronischer Kommunikationsmittel ein Treffen am Magdeburger Hauptbahnhof. Da hatte ich eine halbe Stunde Aufenthalt zum Umsteigen, und da kam Ines spontan vorbei und schenkte mir zum Geburtstag ein Bl\u00fcmsche. Ich hab dabei wohl allerdings eher sparsam geguckt, weil sie mir anschlie\u00dfend mittels moderner elektronischer Kommunikationsmittel einen Vortrag hielt, dass ich weniger sparsam gucken soll und meine Mundwinkel st\u00e4rker gegen die Schwerkraft k\u00e4mpfen sollten oder so.<\/p>\n<p>Erschreckenderweise war das Wetter inzwischen deutlich sch\u00f6ner geworden. W\u00e4hrend es sich in Sachsen und Brandenburg von der eher wolkigen Seite pr\u00e4sentiert hatte, strahlte die Sonne in Magdeburg vom allerfeinsten.<\/p>\n<p>Eine knappe Stunde sp\u00e4ter kam ich dann also mit dem Koffer in der einen und dem Bl\u00fcmsche in der anderen Hand bei meinen Eltern an. Die Fahrt war statt rund 100 km nun etwas \u00fcber 500 km lang geworden, und statt anderthalb hatte ich sieben Stunden gebraucht, aber das war ja auch Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit gewesen.<\/p>\n<p>Nun gab es noch Frischfleisch vom Grill und drei Sorten Bier zum Verkosten, bevor ich ins Bett fiel. Am n\u00e4chsten Morgen sollte es n\u00e4mlich auf einer umst\u00e4ndlichen Route nach Erlangen gehen. Das ging aber ziemlich vollst\u00e4ndig schief&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An meinem Geburtstag war ich unterwegs von Leipzig nach G\u00fcsten &#8211; da sollte es frisch gegrilltes und Bier geben. 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