{"id":1964,"date":"2015-09-26T21:04:11","date_gmt":"2015-09-26T19:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1964"},"modified":"2015-09-26T21:04:11","modified_gmt":"2015-09-26T19:04:11","slug":"es-ist-ein-klein-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/26\/es-ist-ein-klein-paris\/","title":{"rendered":"Es ist ein klein Paris"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag, den 24.8., ging die Reise von Hamburg aus nach Leipzig. Dort war ich anl\u00e4sslich meines folgenden Geburtstages zum Abendessen verabredet, und die urspr\u00fcngliche Planung hatte dann so ausgesehen, dass ich am n\u00e4chsten Tag nach Erlangen weiterfahre. Das wurde auf Wunsch einer einzelnen Mutter dann noch abge\u00e4ndert, aber ich greife schon vor. Daher nun erstmal der Reisebericht f\u00fcr die Fahrt von Hamburg nach Leipzig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Von Hansestadt zu Hansestadt<\/strong><\/p>\n<p>Der Morgen begann mit Fr\u00fchst\u00fcck und folgendem Checkout aus dem Hotel. Das Wetter zeigte sich eher von seiner tristen Seite, was mir aber ziemlich egal sein konnte, bis zum sp\u00e4ten Nachmittag w\u00fcrde ich ja in Z\u00fcgen unterwegs sein. Ich zottelte also meinen Koffer zum Bahnhof und enterte den Metronom nach Bremen. Der war vollgepackt im morgendlichen Berufsverkehr nach Hamburg gekommen, auf der Fahrt nach Bremen jedoch hatte ich den Waggon fast f\u00fcr mich alleine. Nach einem letzten Blick \u00fcber die Elbbr\u00fccke in Richtung Hamburger Hafen fiel das Wetter endg\u00fcltig in sich zusammen und der Himmel \u00f6ffnete die Schleusen. Erst kurz vor Bremen h\u00f6rte der Regen auf.<\/p>\n<p>In Bremen hatte ich viel Zeit zum Umsteigen (die eigentlich bessere Verbindung mit dem ICE von Hamburg nach Bremen und dann umsteigen war mir wegen der Baustellen und der kurzen Umsteigezeit zu riskant gewesen). Das einzig spannende waren drei G\u00fcterz\u00fcge, die durch den Bahnhof polterten und in Richtung Nordseek\u00fcste unterwegs waren. Schlie\u00dflich kam mein &#8222;Heidesprinter&#8220; an und ich nahm wieder mal in einem Dieseltriebwagen Platz.<\/p>\n<p><strong>Im Wald und auf der Heide&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;da gondeln die Z\u00fcge etwas gem\u00fctlicher. An Blumenpfl\u00fccken war wegen der nicht zu \u00f6ffnenden Fenster nat\u00fcrlich mal wieder nicht zu denken, allerdings h\u00e4tte man auch h\u00f6chstens Tannenzapfen erhaschen k\u00f6nnen. Die Strecke selbst pr\u00e4sentiert sich als \u00e4u\u00dferst reizarme Nebenstrecke &#8211; schnurgerade durch den Wald bzw. \u00fcber weite Felder, dazu Halt an jedem nichtssagenden Bahnsteig und ein Tempo, was keinen Autofahrer von den Systemvorteilen der Bahn \u00fcberzeugen kann &#8211; gut, wird dort in der Gegend eh schwer, da sagen sich eh Fuchs und Hase Gute Nacht.<\/p>\n<p>Ein l\u00e4ngerer Zwischenstop wegen Zugkreuzung fand schlie\u00dflich in Soltau statt. Den Ort verbindet man sonst ja in erster Linie mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heide_Park_Resort\">Achterbahnen<\/a> und \u00e4hnlichem Am\u00fcsemang. Der Abwechslungsreichtum der Strecke nahm aber auch in der Folge nicht zu (oh man, jetzt beschreibe ich den Unterhaltungsfaktor einer Bahnreise schon anhand der zweiten Ableitung der Sehensw\u00fcrdigkeiten&#8230; irgendeinen Knacks muss ich wohl schon haben). Na wie auch immer, der Zug war immerhin p\u00fcnktlich in Uelzen.<\/p>\n<p><strong>Komische Kunst<\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Uelzen\">Bahnhof Uelzen<\/a> wurde ja nach einem Entwurf von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedensreich_Hundertwasser\">Friedensreich Hundertwasser<\/a> gestaltet, was ein Design bedeutet, dass ungef\u00e4hr das Gegenteil des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bauhaus\">Bauhauses<\/a> darstellt. Und irgendwie werde ich mit solchen K\u00fcnstlern nicht warm. Ein Bahnhof sollte schlie\u00dflich ein zweckorientiertes Geb\u00e4ude sein &#8211; was schon beim Leipziger Hauptbahnhof nicht mehr passt, aber vermutlich sehe ich einfach nur nicht ein, dass ein Bahnhof kein Einkaufszentrum sein sollte. In Uelzen waren mir die Einkaufsm\u00f6glichkeiten ebenfalls wurscht, nicht ganz so wurscht war mir die Bahnsteigbreite, die dem Fahrgastandrang nicht unbedingt gewachsen war. Allerdings muss ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, warum an einem Montag Mittag halb Niedersachsen auf diesem Bahnsteig herumstehen musste.<\/p>\n<p>Der Anschlu\u00dfzug nach Magdeburg kam auch prompt ein paar Minuten zu sp\u00e4t, was aber den weiteren Reiseverlauf nicht entscheidend beeinflu\u00dfte. Das Wetter hatte sich inzwischen etwas gebessert, zwischen den ganzen Wolken gab es nun auch einzelne L\u00fccken, die mit zunehmender Reisedauer und damit verk\u00fcrzter Entfernung zum Mittelmeer immer gr\u00f6\u00dfer wurden, was gleichzeitig die Temperaturen steigen lie\u00df und mich jetzt dazu verleitete, hier einen ewig gro\u00dfen Bandwurmsatz zu fabulieren.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall gurkten wir nun etwas z\u00fcgiger durch die Botanik. Landschaftlich wurde nach wie vor nicht viel geboten, Altmark ist halt eher was f\u00fcr Leute die dem Getreide beim Wachsen zugucken wollen. Erst ab Stendal wurde es dann langsam wieder interessanter, da sich hier und da dann doch hier und dort Zeichen der Zivilisation hinverirrt hatten, zum Beispiel in Form des Mittellandkanals, der von der Bahnstrecke in einem Tunnel unterquert wird. Kurz darauf fuhren wir schon am Rangierbahnhof Rothensee vorbei und pl\u00f6tzlich stand ich mitten am Nachmittag schon wieder mal in Magdeburg auf dem Bahnsteig.<\/p>\n<p><strong>Nach S\u00fcden, nach S\u00fcden<\/strong><\/p>\n<p>Diesen Bahnsteig kenne ich nun inzwischen zur Gen\u00fcge von diversen Umstiegen. Normalerweise kam ich da aber aus Richtung Westen und bin ausgestiegen, diesmal stieg ich in den IC nach Leipzig. Die Fahrt selbst allerdings verschlief ich wegen allgemeiner M\u00fcdigkeit (zeitig aufstehen und so) und weil ich die Strecke eh sp\u00e4testens ab K\u00f6then, allersp\u00e4testens aber ab Halle im Schlaf kenne &#8211; bin ja da eigentlich schon als kleiner Dreik\u00e4sehoch in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden da in der Gegend herumgefahren (worden), und habe als Student dann alle paar Wochen den Wochenendpendler gegeben.<\/p>\n<p>Die Fahrt verlief dementsprechend unspektakul\u00e4r, nur das Wetter war in Leipzig noch mal ein gutes St\u00fcck besser als weiter im Norden &#8211; die Sonne schien, und es war pl\u00f6tzlich verflixt warm. Am Bahnhof angekommen g\u00f6nnte ich mir erstmal eine Bratwurst als Ersatz f\u00fcr das Mittagessen, bevor ich mich mit meinem Koffer im Schlepptau auf den Weg zum Hotel machte.<\/p>\n<p>Das Einchecken dauerte etwas l\u00e4nger, weil vor mir gerade eine Gruppe von Dienstreisenden angekommen war. Da nun jeder erst eine Chipkarte kriegen musste zog sich das etwas. Das ist ja auch in jedem Hotel wieder anders geregelt, mit Schl\u00fcsseln, Schl\u00fcsselkarten, T\u00fcrcodes und was wei\u00df der Henker. In diesem Fall bekam ich also eine Chipkarte in die Hand gedr\u00fcckt, ohne die ich nicht mal den Lift h\u00e4tte rufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Abends in Leipzig<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer kurzen Akklimatisierung und dem Herausfinden, wie das WLAN in dem Haus funktioniert machte ich mich schlie\u00dflich auf den Weg in die Stadt, Ziel des Abends war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auerbachs_Keller\">Auerbachs Keller<\/a>, bekannt aus Film, Funk, Fernsehen und von Goethe. Eigentlich ist das schr\u00e4g &#8211; ich bin vermutlich in keinem Bahnhof so oft in meinem Leben umgestiegen wie in Leipzig, kenne aber die Stadt hinter dem Bahnhof h\u00f6chstens vom Durchfahren mit dem Auto noch zu DDR-Zeiten. Dabei gibt es da einiges zu sehen, wie das goldig geschnittene Rathaus und zahllose Ladenpassagen und und und&#8230;<\/p>\n<p>Auerbachs Keller war ziemlich gut besucht, und ob der Preise war ich auch erstmal ziemlich skeptisch. Meine Skepsis verflog dann in dem Augenblick, in dem der Teller vor mir stand, von dem links und rechts das Schnitzel runterhing. Dazu gab es einen Berg Bratkartoffeln und einen ebensogro\u00dfen Berg frischen Salat. Trotz verzweifelter Anstrengungen musste ich den Kampf gegen diese Mengen dann doch aufgeben &#8211; ich h\u00e4tte vielleicht doch nicht erst die Rostbratwurst essen sollen&#8230; Lustig war es trotzdem, auch wenn der Abend nicht in die L\u00e4nge gezogen werden konnte &#8211; nicht jeder hat Urlaub und kann morgens ausschlafen.<\/p>\n<p>So war ich bereits relativ fr\u00fch am Abend zur\u00fcck im Hotel und machte nun noch etwas v\u00f6llig abgedrehtes (f\u00fcr meine sonstigen Gewohnheiten): Ich ging schwimmen. Das Hotel bietet einen gar nicht mal kleinen Swimmingpool und diverse andere Wellness-Geschichten, die mich weniger interessiert haben. Und witzigerweise war der gesamte Bereich menschenleer, ich hatte den Pool f\u00fcr mich alleine und schwamm dort bestimmt noch ungef\u00e4hr einen Kilometer vor mich hin, bevor ich schlie\u00dflich ins Bett fiel und dem n\u00e4chtlichen Regen lauschte, der von drau\u00dfen ans Fenster klopfte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 24.8., ging die Reise von Hamburg aus nach Leipzig. Dort war ich anl\u00e4sslich meines folgenden Geburtstages zum Abendessen verabredet, und die urspr\u00fcngliche Planung hatte dann so ausgesehen, dass ich am n\u00e4chsten Tag nach Erlangen weiterfahre. Das wurde auf Wunsch einer einzelnen Mutter dann noch abge\u00e4ndert, aber ich greife schon vor. 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