{"id":1954,"date":"2015-09-23T19:49:20","date_gmt":"2015-09-23T17:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1954"},"modified":"2015-09-23T19:49:20","modified_gmt":"2015-09-23T17:49:20","slug":"kreuzt-niemals-die-stroeme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/23\/kreuzt-niemals-die-stroeme\/","title":{"rendered":"Kreuzt niemals die Str\u00f6me&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;sondern nur die Kan\u00e4le. Und der Kanal des Tages war der Nord-Ostsee-Kanal. Selbiger war n\u00e4mlich das Ziel einer umwegreichen Fahrt, denn der Weg war wieder einmal das Ziel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Auf zur Ostsee<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag begann mit dem \u00fcblichen Fr\u00fchst\u00fcck, direkt danach ging es zum Bahnhof, wo mich um kurz nach acht Uhr der erste Zug des Tages nach L\u00fcbeck bringen sollte. Bereits auf dem Weg zum Bahnhof fielen mir die diversen Absperrgitter, Polizeieinheiten und in sportlich enge Leberwurstpellen eingezw\u00e4nge Radfahrer auf. Dies waren die Vorboten des Cyclassics-Radrennens, bei dem jeder mitfahren darf, und bei dem auch die Profis eine extra Strecke befuhren. Dazu aber sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Die Fahrt nach L\u00fcbeck selbst fand in bequemen Doppelstockwaggons statt, die jeden Triebwagen alt aussehen lassen. In der Marzipanstadt angekommen musste ich nur einmal quer \u00fcber den Bahnsteig wackeln, um im n\u00e4chsten Zug &#8211; einem ekelhaft lauten Dieseltriebwagen &#8211; Platz zu nehmen. Die Reise f\u00fchrte nun \u00fcber vertr\u00e4umt im Gr\u00fcnen liegende Gleise vorbei an so weltbewegend wichtigen Orten wie Bad Schwartau (bekannt f\u00fcr s\u00fc\u00dfen Brotaufstrich), Malente (bekannt als Trainingslager der Nationalmannschaft anno &#8217;74) und Pl\u00f6n (bekannt f\u00fcr keine Ahnung was)&#8230; Da konnte man immerhin schon mal gr\u00f6\u00dfere zusammenh\u00e4ngende <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fer_Pl%C3%B6ner_See\">Wasserfl\u00e4chen<\/a> betrachten und ornithologische Inkompetenz feststellen &#8211; mehrere gro\u00dfe graue V\u00f6gel, aber welche Sorte genau das war ist schwierig zu wissen wenn das Schild am nicht vorhandenen K\u00e4fig fehlt&#8230;<\/p>\n<p><strong>Kielgeholt<\/strong><\/p>\n<p>Und so kam ich dann auch p\u00fcnktlich in Kiel an. Dort hatte ich einen ersten kurzen Zwischenstop von knapp einer Stunde eingeplant, in der ich eigentlich nur mal kurz den Hafen angucken wollte. Der befindet sich erfreulicherweise direkt vorm Bahnhof und wurde von einer gro\u00dfen F\u00e4hre und einem noch gr\u00f6\u00dferen Kreuzfahrtschiff bev\u00f6lkert. Ich registrierte aus dem Augenwinkel die \u00d6ffnungszeiten der Klappbr\u00fccke &#8211; und kaum war ich zum zweiten Mal dr\u00fcber (also einmal hin, Schiff knipsen und wieder zur\u00fcck) schaltete auch schon die Ampel auf rot und die Br\u00fccke klappte nach oben. Wenn ich da auf der falschen Seite gestanden h\u00e4tte, w\u00e4re mein Anschlu\u00dfzug ohne mich abgefahren. So konnte ich das klapprig klappernde Klappbr\u00fcckenspektakel (Alliterationen, falls es noch keiner bemerkt haben sollte&#8230;) aber in aller Ruhe bestaunen.<\/p>\n<p>Ich hatte auch prompt ein zweites Mal Gl\u00fcck auf dem Weg zur\u00fcck zum Bahnhof, dass ich n\u00e4mlich f\u00fcnf Minuten vor der Vollsperrung der Stra\u00dfe eben jene \u00fcberquerte, um wieder in den Bahnhof zu gelangen. Mir war n\u00e4mlich nicht aufgefallen, dass die professionellen Zweiradtreter in Kiel ihre Fahrt nach Hamburg beginnen sollten. Und zwar p\u00fcnktlich um 11 Uhr und damit quasi unmittelbar vor Abfahrt meines Zuges. Da h\u00e4tte ich also gleich ein zweites Mal sch\u00f6n doof herumstehen und dem Zug hinterherwinken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So aber ging alles gut und ich hatte noch eine ganze Zugl\u00e4nge von ungef\u00e4hr 750m (und nicht \u00fcber einen Kilometer wie da einer herumschimpfte wie ein Rohrspatz &#8211; man muss ja aber auch nicht die gesamte L\u00e4nge des Zuges mitsamt schwerem hoch und runter laufen weil man sich nicht entscheiden kann wo man im leeren Zug sitzen will) vor mir zur Auswahl des besten Platzes im ICE von Kiel nach Basel mit Zwischenhalt in so weltbewegend bedeutsamen Umsteigeknoten wie Neum\u00fcnster. Dort wollte ich n\u00e4mlich als n\u00e4chstes hin, was irgendwie schon beknackt ist im ICE&#8230; Unterhalten wurde ich w\u00e4hrend der knapp halbst\u00fcndigen Fahrt von vier \u00e4lteren Damen (so knapp 60 Jahre jung) der feineren Stuttgarter Gesellschaft, die sich in epischer Breite \u00fcber ihre Urlaubsfotos und die Macken ihrer M\u00e4nner, Tennispartner und Theaterfreunde unterhielten&#8230; Dann lieber Solitaire als elit\u00e4r&#8230;<\/p>\n<p><strong>Durch die holsteinische Pampa<\/strong><\/p>\n<p>In Neum\u00fcnster hie\u00df es nun wieder einen Dieseltriebwagen besteigen, um mit weltbewegenden 60 km\/h durch die atemberaubende holsteinische Landschaft zu brettern. Blumenpfl\u00fccken w\u00e4hrend der Fahrt entfiel aus Mangel an \u00f6ffnungsf\u00e4higen Fenstern, daf\u00fcr konnte man sich \u00fcber eine funktionierende Klimaanlage freuen. Neben vereinzelten K\u00fchen (zum Teil braungescheckt und zum Teil schwarzgescheckt), dem Bauer aufm Trecker und diversen Windkraftr\u00e4dern gibts da nicht wirklich viel zu sehen. Lediglich die Br\u00fccke \u00fcber den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nord-Ostsee-Kanal\">Nord-Ostsee-Kanal <\/a>bringt etwas Abwechslung, da erkennt man dann sehr sch\u00f6n, dass die Landschaft auch in gr\u00f6\u00dferer Entfernung noch nicht abwechslungsreicher wird&#8230; Gut, irgendwo am Horizont kann man Brunsb\u00fcttel und dahinter die Nordsee erahnen, aber nicht wirklich sehen.<\/p>\n<p>In Heide (Holst) hie\u00df es dann wieder umsteigen. Dazu musste man erneut nur quer \u00fcber einen ewig breiten Bahnsteig marschieren, an dessem westw\u00e4rtigen Ende die Marschbahn Richtung Sylt f\u00fchrt. Da nahm ich nun in einem doch ziemlich bequemen neuen Waggon Platz, der von einer ebenfalls recht modernen Diesellok gezogen wurde. Kaum hatte ich Platz genommen konnte ich aber auch schon fast wieder aufstehen, denn nur wenige Kilometer weiter n\u00f6rdlich hie\u00df es in Husum erneut umsteigen, um nun wieder nach Osten weiterzufahren. Dies war nun wieder ein lauter Dieseltriebwagen, der mich bis nach Rendsburg brachte (die Landschaft sieht weiter n\u00f6rdlich genauso unterhaltsam aus wie vorhin schon f\u00fcr die s\u00fcdlichere Strecke beschrieben, daher \u00fcberspringe ich das jetzt einfach mal).<\/p>\n<p><strong>Den Kanal voll haben<\/strong><\/p>\n<p>Rendsburg ist bekannt f\u00fcr seine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rendsburger_Hochbr%C3%BCcke\">Br\u00fccke<\/a> \u00fcber den Nord-Ostsee-Kanal, und genau diese wollte ich mir nun aus der N\u00e4he ansehen. Dazu muss man erstmal 2.5 km vom Bahnhof bis zum Kanal marschieren. Ich hatte dabei noch Gl\u00fcck, dass die F\u00e4hre nach Reparaturpause den ersten Tag wieder in Betrieb war. Au\u00dferdem sollten Sonntags nachmittags F\u00fchrungen auf der Br\u00fccke stattfinden, was ich mir trotz und gegen H\u00f6henangst antun wollte.<\/p>\n<p>Allerdings waren sich Internet und der Aushang vor Ort nicht ganz einig \u00fcber die Uhrzeit der F\u00fchrung, was dann dazu f\u00fchrte, dass ich zur falschen Zeit auf der falschen Seite des Kanals war. Man kann eben nicht immer nur Gl\u00fcck haben. Eine Fahrt auf der Schwebef\u00e4hre (die h\u00e4ngt unten an der Br\u00fccke dran und schwebt quer \u00fcber den Kanal) habe ich mir auf jeden Fall aber geg\u00f6nnt, das ist schon ein Erlebnis. Ebenfalls ein Erlebnis ist es, wenn auf dem Kanal ein Ozeanriese an einem vorbeischippert und nur knapp unter der Br\u00fccke durchpa\u00dft. So ein Schiff ist eben schon mal gute 35 bis 40 m hoch. Passend dazu gibt es an der Br\u00fccke ein Caf\u00e9 mit exquisiten Preisen, wo man sich hinsetzen und Schiffe gucken kann, wobei jedes Schiff mit der entsprechenden Nationalhymne begr\u00fc\u00dft wird.<\/p>\n<p>Ich hingegen spazierte auf der S\u00fcdseite des Kanals entlang und beobachtete von dort die Schiffe. Der R\u00fcckweg zum Bahnhof f\u00fchrte mich dann nicht wieder zur F\u00e4hre, denn die hat immer dann Pause, wenn ein Schiff kommt. Und der Kanal ist voller Schiffe, so dass es auch schon mal sein kann, dass die F\u00e4hre eine halbe Stunde lang nicht die Seiten wechseln kann. Da ich aber irgendwann auch wieder zur\u00fcck nach Hamburg wollte &#8211; es war inzwischen nach 16 Uhr, ging es nun zum wenige hundert Meter entfernten Fu\u00dfg\u00e4ngertunnel. Dieser unterquert den Kanal in etwas \u00fcber 20m Tiefe &#8211; \u00c4hnlichkeiten mit dem Elbtunnel St. Pauli sind nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Wer hat die l\u00e4ngste?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend man dort aber zu Fu\u00df die Treppen runter- und hochspaziert oder den Fahrstuhl nehmen kann, gibt es in Rendsburg die l\u00e4ngste Rolltreppe Deutschlands (und fr\u00fcher wohl sogar mal Europas). Die f\u00fchrt dann ungef\u00e4hr 55m in die Tiefe (Hypothenuse aus etwas \u00fcber 20m Tiefe und ungef\u00e4hr 45\u00b0 Winkel zur Ankathete &#8211; wie war das noch mit Pythagoras und den gleichschenkligen Weibern?). Das ist schon auch ein Erlebnis, \u00fcber zwei Minuten auf einer einzelnen Rolltreppe herumzustehen. Und im Gegensatz zur F\u00e4hre rollt die Treppe ohne Unterbrechung durch kreuzenden Schiffsverkehr.<\/p>\n<p>Damit hatte ich mein Spaziergangspensum f\u00fcr den Tag auch erledigt, nun war als letztes Kapitel noch die Fahrt \u00fcber die Hochbr\u00fccke zu absolvieren. Dazu bestieg ich kurz vor 17 Uhr den Zug nach Hamburg, welcher nun direkt nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Rendsburg eine gro\u00dfe Schleife gegen den Uhrzeigersinn f\u00e4hrt (von der man dank zahlloser B\u00e4ume am Streckenrand nicht viel sieht) und damit (schiefe Ebene und so) ungef\u00e4hr 40m H\u00f6he gewinnt, bevor dann endlich die B\u00e4ume verschwinden und man einen tollen Blick aus dem Zug genie\u00dfen kann. Erfreulicherweise spendierte die Bahn f\u00fcr den hochtrabend &#8222;Schleswig-Holstein-Express&#8220; betitelten Zug steinaltes Material, so dass die Klimaanlage als dezentral autonom regulierbare tempoabh\u00e4ngige Frischluftzufuhr (auch bekannt als Fenster) ausgef\u00fchrt war. Damit konnte man durchs ge\u00f6ffnete Fenster sch\u00f6n das unter der Br\u00fccke hindurchtuckernde Schiff knipsen.<\/p>\n<p>Der Rest der Fahrt stand dann eher im Zeichen der Entspannung, es war ein recht langer Tag gewesen. Vor die Ankunft in Hamburg hatten die Planer noch eine schicke Versp\u00e4tung gesetzt, da wegen der Bauarbeiten in Altona die Verbindungsbahn ein noch gr\u00f6\u00dferes Nadel\u00f6hr darstellt als sonst sowieso schon. Irgendwann am fr\u00fchen Abend war ich dann aber doch wohlbehalten wieder im Hotel angekommen und konnte mich nun darauf konzentrieren, meine Siebensachen f\u00fcr die n\u00e4chste Etappe zu packen. Der Urlaub in Hamburg war damit n\u00e4mlich zum Ende gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;sondern nur die Kan\u00e4le. Und der Kanal des Tages war der Nord-Ostsee-Kanal. 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