{"id":1936,"date":"2015-09-19T23:08:00","date_gmt":"2015-09-19T21:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1936"},"modified":"2015-09-19T23:08:00","modified_gmt":"2015-09-19T21:08:00","slug":"tizezer-lepes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/19\/tizezer-lepes\/","title":{"rendered":"T\u00edzezer l\u00e9p\u00e9s"},"content":{"rendered":"<p>Der Titel eines Songs einer ungarischen Rockband mit griechischem Namen (hey, wir sind hier heute international) fiel mir gerade als \u00dcberschrift ein &#8211; weils ungef\u00e4hr passt. Ich bin n\u00e4mlich den ganzen Tag in Hamburg herumgetrottet. Was ich dabei so erlebt habe und warum mir am Ende des Tages die F\u00fc\u00dfe ordentlich schmerzten gibts in den folgenden Abs\u00e4tzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchaufstehertouristen vs. Langschlafmuseumspf\u00f6rtner<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal hatte ich das Problem zu l\u00f6sen, wie man den Tag beginnt. F\u00fcr ostdeutsche Fr\u00fchaufsteher sind die \u00fcblichen \u00d6ffnungszeiten von Museen n\u00e4mlich totaler Bl\u00f6dsinn. Und gerade im Hochsommer hat man echt was davon, wenn man morgens schon bevor es richtig hei\u00df ist die wesentlichen Dinge erledigt hat und sich dann irgendwo Eis futternd hinsetzen kann &#8211; siehe Ausflug nach Weimar in der vorhergehenden Woche.<\/p>\n<p>Nun fand ich gl\u00fccklicherweise heraus, dass die Aussichtsplattform eines bekannten Hamburger Wahrzeichens, n\u00e4mlich der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hauptkirche_Sankt_Michaelis_%28Hamburg%29\">St. Michaeliskirche<\/a>, gemeinhin Michel genannt, bereits um 9 Uhr \u00f6ffnet. Aufgrund der guten Erfahrungen des Vortages mit zeitig Aufstehen und Ruhe beim Fr\u00fchst\u00fcck haben wurde trotzdem der Wecker auf 6:45 Uhr gestellt, allerdings wurde der Alarm durch einen sanften Voralarm erg\u00e4nzt. Das hei\u00dft da wird erstmal drei Minuten irgendwas Entspannendes berieselt, Meeresrauschen oder so, und das langsam lauter werdend, bevor dann der eigentliche Alarm daherkommt und man das depperte Ding nur deswegen nicht an die Wand pfeffert, weil es so teuer war&#8230;<\/p>\n<p>Auf jeden Fall war ich beim Fr\u00fchst\u00fcck trotz Fr\u00fchaufstehen diesmal nicht alleine, eine Familie aus dem schw\u00e4bischen mitsamt Teenietochter fr\u00fchst\u00fcckte gleichzeitig mit mir. Wie man schon vor dem ersten Kaffee so penetrant rumschw\u00e4tze tun kann wird mir ewig ein R\u00e4tsel bleiben&#8230; Ich verdr\u00fcckte also einigerma\u00dfen gem\u00fctlich meine Br\u00f6tchen und das Fr\u00fchst\u00fccksei und sp\u00fclte mit einer Kanne Kaffee, bevor ich mich dann irgendwann nach acht Uhr langsam auf den Weg machte.<\/p>\n<p><strong>Hamburg von oben<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg war trotz morgendlichem Berufsverkehr problemlos absolvierbar, ich war auch prompt viel zu fr\u00fch da und konnte noch dreimal rund um die Kirche wandern und die Anzahl der T\u00fcren z\u00e4hlen, sparte mir das aber und pflanzte mich einfach auf die n\u00e4chstbeste Parkbank und beobachtete die erste LadungTouristen, die kurz vor 9 Uhr reichlich verpeilt dem Bus entstieg.<\/p>\n<p>Kurz nach neun Uhr betrat ich also die Kirche, und wie \u00fcblich und bereits letztes Jahr in Ulm praktiziert darf man zwar f\u00fcr lau zu Gott beten, ihm aber nur nach Entrichtung eines Obulus aufs Dach steigen. Im Gegensatz zu Ulm (und f\u00fcr die Touristengruppen sehr praktisch) ist jedoch die Tatsache, dass es im Michel einen Fahrstuhl gibt. Allerdings war an der Kasse so oder so erstmal Andrang wegen der Touristengruppe, also guckte ich mich erstmal in Ruhe in der Kirche um.<\/p>\n<p>So richtig ruhig war es aber gar nicht, denn ich kam ungeplant in den Genu\u00df eines Orgelkonzerts. Also in Teilen. Da waren n\u00e4mlich Organisten und Techniker gerade dabei, die Orgel irgendwie zu richten und den Orgelpfeifen die richtigen Fl\u00f6tent\u00f6ne beizubringen. Als Laie h\u00f6re ich da sowieso keine Fehler, war aber ob der beeindruckenden Akustik doch&#8230; na beeindruckt eben. Da kann selbst eine echte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hammond-Orgel\">Hammond<\/a> mit Leslies nicht dagegen anstinken \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Treppensteigen f\u00fcr Fortgeschrittene<\/strong><\/p>\n<p>Dann war die Schlange an der Kasse endlich weg, und w\u00e4hrend die Touristen auf den Fahrstuhl warteten, machte ich mich auf zur \u00dcberpr\u00fcfung der Treppenstufen auf vollz\u00e4hlige Anwesenheit. Wenn ich in Ulm hochklettern kann kann ich das auch in Hamburg, der Turm hat schlie\u00dflich nur ungef\u00e4hr 2\/3 der H\u00f6he. Ich hab mich selten so get\u00e4uscht&#8230;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man in Ulm in einer geschlossenen engen Wendeltreppe nach oben kraxeln muss und h\u00f6chstens mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klaustrophobie\">Klaustrophobie<\/a> und Gegenverkehr zu k\u00e4mpfen hat, wurde mir in Hamburg tierisch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akrophobie\">schwindlig<\/a>. Das Problem ist ganz einfach: Im Turm hat jede Zwischendecke eine H\u00f6he von ungef\u00e4hr 10 Meter. Und da klebt dann die Treppe an der Wand und man hat einen wundersch\u00f6nen Blick in die Tiefe des Raumes. Ich war bereits nach der ersten Ebene schwei\u00dfgebadet, und das lag definitiv nicht am Wetter und nicht an den Treppenstufen&#8230;<\/p>\n<p>Ich legte also auf jeder Zwischenebene eine Pause ein und beguckte dort gem\u00fctlich das Uhrwerk, welches gem\u00e4chlich vor sich hin tickte &#8211; gr\u00fcne oder rote oder blaue Dr\u00e4hte hab ich keine gesehen, kann also auch keine Bombe gewesen sein. Die Kirchenglocken kann man sich auch aus der N\u00e4he anschauen, da verzog ich mich allerdings lieber z\u00fcgig, da ein pl\u00f6tzlich Herumgebimmel gegen 9:30 Uhr zu bef\u00fcrchten war und ich mein Ohren noch zum H\u00f6ren von anderem Krach brauche.<\/p>\n<p>Kurz nach halb 10 Uhr hatte ich es dann also geschafft und stand auf der Aussichtsplattform. Die Innenstadt lag noch im Morgendunst, im Hafen rangierten die Ozeanriesen, \u00fcber allem strahlte die Sonne und ich war definitiv m\u00e4chtig stolz auf mich, dass ich mich erfolgreich hochgek\u00e4mpft hatte. Nach ungef\u00e4hr einer Viertelstunde hatte ich dann alles gesehen und fotografiert, was es da so sinnvollerweise zu sehen gab, und machte mich wieder auf den Weg nach unten. Und da ich es schon die Treppen hinauf geschafft hatte, wollte ich auch beim R\u00fcckweg nicht kneifen. Das war witzigerweise deutlich einfacher, weil man sich genau auf die Treppenstufen konzentrieren musste, um nicht zu stolpern. Da war dann auch nix mehr mit H\u00f6henangst.<\/p>\n<p><strong>Maritime Museumsst\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Ziel des Tages war das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Internationales_Maritimes_Museum_Hamburg\">Maritime Museum<\/a> in der HafenCity, an dem ich am Vortag schon vorbeigeschippert worden war. Dazu muss man erstmal in die HafenCity kommen, die ja in weiten Teilen eine Gro\u00dfbaustelle ist. Dank elektronischer Stadtpl\u00e4ne ging das jedoch problemlos, so dass ich mich nun ausf\u00fchrlich dem Studium des Museums widmen konnte. Dieses ist in einem ehemaligen Speicher untergebracht und verf\u00fcgt \u00fcber 11 Decks &#8211; was ja nix anderes als Marinesprech f\u00fcr Etagen ist. Ich fragte also am Einlass in welcher Reihenfolge man sich das Museum angucken sollte: &#8222;Ja entweder unten anfangen und dann nach oben, oder mit dem Fahrstuhl hoch und dann nach unten.&#8220; Da ich schon genug Treppen gestiegen war entschied ich mich also spontan f\u00fcr letzteres.<\/p>\n<p>Ich will jetzt nicht alles aufz\u00e4hlen, was man im Museum besichtigen kann, das beginnt mit zehntausenden Modellschiffen in allen Ma\u00dfst\u00e4ben und aus allen m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Materialien (vom Segler in Fingerhutgr\u00f6\u00dfe bis zum Legoschiff aus 750.000 Steinen mit 13m L\u00e4nge), darunter aus Papier gefaltete, aus Elfenbein oder Bernstein oder Gold geschnitzte und und und. Es folgen zahllose Bilder (Marinemalerei ist ja eine eigene Kunstrichtung), Uniformen aus aller Welt, Orden und Ehrenabzeichen und mehere Decks mit Material \u00fcber Marinekriegstechnik, Abhandlungen zur Entwicklung der zivilen Schifffahrt von den Ph\u00f6niziern \u00fcber die Titanic bis zum modernen Containerfrachter oder so), und nat\u00fcrlich auch die grundlegenden nautischen wissenschaftlichen Entwicklungen &#8211; auf hoher See die gar nicht so d\u00e4mliche Frage &#8222;Wo bin ich denn hier eigentlich?&#8220; zu beantworten ist n\u00e4mlich gar nicht so einfach. Navigation ist ja keine Erfindung von Google, sondern wird auf hoher See schon ein paar tausend Jahre l\u00e4nger gemacht \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Irgendwann zwischen 14 und 14:30 Uhr war ich dann am Ausgang angekommen, man kann dort aber definitiv noch mehr als die knapp vier Stunden zubringen, die ich da drin war. Drau\u00dfen wurde ich von einem dicken Hitzewand getroffen, die Temperaturen im sonst so k\u00fchlen Norden waren schwei\u00dftreibend rekordverd\u00e4chtig. Ich schlich mich also im Schatten der Geb\u00e4ude zum n\u00e4chsten Museum.<\/p>\n<p><strong>Der Prototyp eines Museum<\/strong><\/p>\n<p>Mein Ziel war das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prototyp_%28Museum%29\">Prototypen-Museum<\/a>, welches sich darauf spezialisiert hat, Fahrzeugprototypen aller Couleur auszustellen. Das sind dann in aller Regel Einzelst\u00fccke, Leihgaben der jeweiligen Konzernmuseen oder auch (im Falle von Rennwagen) von entsprechenden Sammlern und Rennst\u00e4llen.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: Ich war nur m\u00e4\u00dfig beeindruckt. Auf drei Etagen verloren sich rund 30 Autos, die dritte Etage war f\u00fcr eine Sonderausstellung zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Graf_Berghe_von_Trips\">Wolfgang Graf Berghe von Trips<\/a> reserviert und zeigte vorrangig Fotos statt Autos. Wirklich schick waren lediglich einige wenige Porsche, ein Le Mans-Audi und der Jordan, mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Schumacher\">Michael Schumacher<\/a> sein erstes Formel 1-Rennen bestritt.<\/p>\n<p><strong>Werbung<\/strong><\/p>\n<p>Nun war es Zeit f\u00fcr eine Erfrischung. HafenCity und Erfrischung, da hatte doch der Typ von der Hafenrundfahrt das Unilever-Haus genannt. Also nix wie hin. Das muss man sich vorstellen wie die Autowelt in Wolfsburg oder \u00e4hnliche Firmenpr\u00e4sentationen. Die pr\u00e4sentieren also sich und ihre Produkte, und im Falle von Unilever ist das halt quasi eine bunte Mischung aus T\u00fctensuppen, Putzmitteln und&#8230; Eis.<\/p>\n<p>Das Gedr\u00e4ngel am Eisstand war den Temperaturen angemessen, die Massen standen bis zur T\u00fcre raus. Die Anzahl der verf\u00fcgbaren Sorten erinnerte mich allerdings eher an die besten DDR-Zeiten der inzwischen geschlossenen G\u00fcstener Eisdiele &#8211; wir haben zehn Sorten im Angebot, aber heute Vanille und Erdbeere da. Am Ende wurde es dann wenn ich mich recht entsinne Vanille, Nuss und irgendwas mit Frucht &#8211; irgendeine wilde Waldbeere oder so &#8211; v\u00f6llig schnuppe, Hauptsache kalt. Und bevor mir jetzt einer Schleichwerbung unterstellt &#8211; das Eis, was ich eine Woche sp\u00e4ter im S\u00fcdwesten der Republik gegessen habe schmeckte erheblich besser als diese komischen Langnasen-Fertigmischungen.<\/p>\n<p><strong>Schluss mit lustig<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwie war ich nun aber trotzdem fix und fast fertig. Deswegen trat ich den R\u00fcckweg zum Hotel an, mit einem letzten Zwischenstop bei der lokalen Filiale einer bekannten Elektronikmarktkette.<\/p>\n<p>Das Angebot dort war ziemlich gro\u00dfartig &#8211; viel Krach zu vern\u00fcnftigen Preisen. Eigentlich wollte ich nur die genau an diesem Tag erschienene neue <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Meliora_%28album%29\">Ghost<\/a> einsacken, dann gabs aber au\u00dferdem noch Rereleases von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/King_Diamond\">King Diamond<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Led_Zeppelin\">Led Zeppelin<\/a> (wo ich mich vertan hab und jetzt deswegen wieder mal was doppelt im Schrank steht). Verquer war noch der Althippie, der ungef\u00e4hr eine halbe Stunde an der Station zum Probeh\u00f6ren stand und sich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johnny_Cash\">Johnny Cash<\/a> reinzog &#8211; und die Songs lautstark mitbrummte.<\/p>\n<p>Ich schleppte meine m\u00fcden Knochen nun endg\u00fcltig zur\u00fcck zum Hotel und kam unterwegs noch am Schaufenster des Lego Shops vorbei. Die hatten aber nur den neuen <a href=\"http:\/\/brickset.com\/sets\/10248-1\/Ferrari-F40\">Ferrari F40<\/a> und sonst nix relevantes, und ich hatte eh nicht vor noch irgendwas zu shoppen. Damit war der Tag auch beendet, den Rest des Abends verbrachte ich mit Lekt\u00fcre der Magazine, die ich im Miniaturwunderland gekauft hatte und dem Studium des Fahrplans der U-Bahn, denn die spielte am n\u00e4chsten Tag eine Nebenrolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel eines Songs einer ungarischen Rockband mit griechischem Namen (hey, wir sind hier heute international) fiel mir gerade als \u00dcberschrift ein &#8211; weils ungef\u00e4hr passt. Ich bin n\u00e4mlich den ganzen Tag in Hamburg herumgetrottet. 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