{"id":1868,"date":"2015-09-06T21:40:55","date_gmt":"2015-09-06T19:40:55","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1868"},"modified":"2015-09-06T21:40:55","modified_gmt":"2015-09-06T19:40:55","slug":"auf-goethes-spuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/09\/06\/auf-goethes-spuren\/","title":{"rendered":"Auf Goethes Spuren"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag, den 14.8. besuchte ich Weimar. Aufgrund des Wetters wurde es dann allerdings eher ein gem\u00fctlicher Spaziergang im Stadtpark mit ausgedehnter Besichtigung der lokalen Eisbechervariationen. Und sp\u00e4ter am Tag ging es dann weiter Richtung Sachsen. Aber der Reihe nach&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Morgentliches Chaos<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer eher unruhigen Nacht &#8211; es hatte seit drei Uhr morgens geblitzdonnerwettert, allerdings ohne Regen &#8211; sollte es eigentlich(tm) gegen halb sechs Uhr morgens mit dem Zug losgehen. Angedacht war die Fahrt nach K\u00f6then und von dort \u00fcber Halle und Naumburg nach Weimar. Hintergrund des fr\u00fchen Starts war die Tatsache, dass meine Mutter die gleiche Strecke hatte. Normalerweise f\u00e4hrt sie mit dem Auto, aufgrund der Planung des Wochenendes war aber ein Ausweichen auf den Zug angedacht.<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 10 nach 5 lief meine Mutter dann also los zum Bahnhof. Bis zum Bahnhof sind es ungef\u00e4hr 500m, der Zug fuhr 5:31 Uhr &#8211; ich guckte also meinen Vater etwas bl\u00f6d an und er zuckte nur mit den Schultern. W\u00e4hrend ich mir also erstmal noch etwas Brot toastete \u00e4nderte sich drau\u00dfen spontan das Wetter. Es begann ein sch\u00f6ner Platzregen. Nicht wirklich heftig, aber unangenehm genug, dass man den Weg zum Bahnhof nicht zu Fu\u00df gehen w\u00f6llte. Mein Vater erkl\u00e4rte sich auch spontan bereit, mich mit dem Auto zum Bahnhof zu fahren, weil er ja dann ohnehin zur Arbeit fahren musste.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich also damit besch\u00e4ftigt war, meine Schuhe anzuziehen, stand meine Mutter wieder im Flur &#8211; sie war gerade mal die ersten 300 m gelaufen, als es begonnen hatte zu regnen und sie spontan umdrehte, weil sie au\u00dferdem den Betriebsausweis vergessen hatte&#8230; Damit wurde nun kurzentschlossen der Plan ge\u00e4ndert, und ich fuhr mit meiner Mutter zusammen im Auto in Richtung Halle und w\u00fcrde dort in den Zug Richtung Weimar steigen.<\/p>\n<p><strong>Wasser marsch<\/strong><\/p>\n<p>Wir bestiegen also das Auto, fuhren aus der Garage, ich stieg wieder aus, machte das Garagentor zu, stieg wieder ein, wir rangierten auf die Stra\u00dfe und los gings. Ungef\u00e4hr 4 Minuten und drei Kilometer weiter sah ich dann den Zug, den wir eigentlich h\u00e4tten besteigen wollen &#8211; da war es dann so 5:29 Uhr. Mir ist bis heute nicht klar, wie meine Mutter 20 Minuten bis zum Bahnhof brauchen wollte&#8230;<\/p>\n<p>Na jedenfalls war einen guten Kilometer weiter der Regen so gut wie vorbei und ich meinte so lapidar &#8222;Das wars dann wohl schon?&#8220;. Damit hatte ich dann wohl den gro\u00dfen Wolkenschieber ver\u00e4rgert, denn nun \u00f6ffneten sich pl\u00f6tzlich alle Schleusen. Unter gro\u00dfem Get\u00f6se kam nochmal ordentlich Wasser herunter, so dass keine 50 km\/h mehr m\u00f6glich waren, die Scheibenwischer hatten pl\u00f6tzlich richtig M\u00fche das Wasser zur Seite zu schieben. Nach drei Minuten war der Spuk aber schon wieder vorbei, der Regen lie\u00df nach, und noch drei Minuten sp\u00e4ter hatte er ganz aufgeh\u00f6rt. Kurz vor Halle waren dann sogar schon die Stra\u00dfen trocken, dort war gar nichts angekommen.<\/p>\n<p><strong>Wir bauen auf, wir rei\u00dfen nieder<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon am vorherigen Tag machten wir einen Abstecher durch Halle-Neustadt. Diesmal ging es durch das Viertel, wo wir vor der Wende gewohnt hatten. Zu Mutters gro\u00dfem Erstaunen war auch unser damaliger Wohnblock &#8211; der nach der Wende ordentlich saniert worden war und aus den oberen Stockwerken einen tollen Blick nach S\u00fcdwesten ins Gr\u00fcne bot &#8211; inzwischen abgerissen worden. Das kann noch nicht so irrsinnig lange her sein, bei Google Earth taucht er immer noch auf. Mutter konnte es erst gar nicht glauben und meinte sich verguckt zu haben, so dass wir noch eine Runde ums Karree drehten, vorbei am alten Kindergarten und der Grundschule. Es \u00e4nderte freilich nichts an der Tatsache, dass da wo mal der Wohnblock stand nun nur noch eine L\u00fccke zu sehen war.<\/p>\n<p>Mit dieser Erkenntnis ging es nun auf altbekannten Pfaden vorbei am Kinderkrankenhaus und der Feuerwache zum Hauptbahnhof Halle. Hier wurde ich abgesetzt und begann nun mit der eigentlichen Tagestour. In Halle kam gerade die Sonne heraus, es versprach also ein wundersch\u00f6ner Tag mit ebenso wundersch\u00f6ner Hitze zu werden.<\/p>\n<p><strong>Auf nach Th\u00fcringen<\/strong><\/p>\n<p>Die Zugfahrt war unspektakul\u00e4r, wenn man mal vom mittelalterlichen Wagenmaterial absieht. Vorne dran ein Taurus, der bei jedem Anfahren eine lustige Melodie pfeift, dahinter Waggons aus alter DDR-Produktion, die ziemlich auf dem letzten Loch pfeifen. Immerhin konnte man die Fenster \u00f6ffnen, das haben sie den modernen Fahrzeugen voraus. Und so kam ich bereits gegen halb neun Uhr morgens in Weimar an.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit schlief dort noch alles, bis auf die Bahnhofspenner und andere Bed\u00fcrftige, die sich bereits an strategisch g\u00fcnstigen Punkten (Nationaltheater, Bahnhofsvorplatz) postiert hatten. Ich stellte fest, dass der Weimarer Bahnhof ziemlich ab vom Schu\u00df liegt und man erstmal einen l\u00e4ngeren Fu\u00dfmarsch den Berg runter machen muss, um in die N\u00e4he des Stadtzentrums zu gelangen. An Schillers Wohnhaus lief ich erstmal vorbei, weil es v\u00f6llig unscheinbar in der Gegend herumsteht, w\u00e4hrend ein Goethe in \u00dcbergr\u00f6\u00dfe den Weg zur Commerzbank weist &#8211; was er da wohl dazu gesagt h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Vor einem der verschiedenen Wohnh\u00e4user Goethes legte ich eine Pause ein und machte mir ein paar Notizen f\u00fcrs Reisetagebuch. Anschlie\u00dfend begab ich mich ins Gr\u00fcne, in der Stadt war ja nach wie vor alles tot, bis auf den L\u00e4rm der n+1 Baustellen.<\/p>\n<p><strong>Eis im Schatten der Dichter<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfe Gelehrte sind ja sensible Naturen, die einen zur\u00fcckgezogenen Ort brauchen, um ungest\u00f6rt ihrer Arbeit nachgehen zu k\u00f6nnen. Beim ollen Goethe war dies sein Gartenhaus, gelegen im Stadtpark und gegen unversch\u00e4mte Eintrittspreise zu besichtigen. Das verkniff ich mir. Als ich gegen 10 Uhr davorstand, zeigte das Thermometer bereits deutlich \u00fcber 25 Grad, und Schatten im Stadtpark zu finden ist eher schwierig. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den halben Park erkundet und war schon auf dem Weg zur\u00fcck in die Stadt (in der inzwischen ein eher munteres Treiben herrschte).<\/p>\n<p>Direkt neben dem Nationaltheater setzte ich mich gegen halb 11 in ein italienisches Eiscaf\u00e9 und bestellte einen Kaffee zum Aufwachen und einen Eisbecher zum Abk\u00fchlen. Der Zug fuhr kurz nach 12, ich hatte also Zeit und beguckte mir das muntere Treiben. Neben den Einwohnern, die ihre Wochenendeink\u00e4ufe erledigten gab es nat\u00fcrlich auch zahllose Touristen zu beobachten, die eher kn\u00fclle ob der Hitze Erinnerungsfotos von den Statuen vorm Nationaltheater knipsten. Das hatte ich schon am fr\u00fchen Morgen gemacht, da war ich noch alleine auf dem ganzen Platz gewesen (yeah, Plusquamperfekt).<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr einer Stunde hatte ich sowohl Kaffee als auch Eisbecher verputzt und machte mich nun wieder auf den langen Weg zum Bahnhof (im Gegensatz zu G\u00fcsten isser da mit 1.4km auch wirklich lang und geht auch noch sch\u00f6n bergauf). Dort angekommen hatte ich noch etwas Zeit vor der Fahrt Richtung Sachsen, die zum Erwerb von Ansichtskarten genutzt wurde.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Weg nach Osten<\/strong><\/p>\n<p>Fast p\u00fcnktlich ging es nun von Weimar aus nach Glauchau. Der Zug bef\u00e4hrt dabei die sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mitte-Deutschland-Verbindung\">MDV<\/a> (Mitte-Deutschland-Verbindung), die in den erweiterten Fernverkehrsplanungen in den n\u00e4chsten 20 Jahren immer mal wieder erw\u00e4hnt wird, aber vorher erstmal mit Fahrdraht ausger\u00fcstet werden m\u00fcsste. So zuckelten wir mit Dieselpower \u00fcber Gera (mit v\u00f6llig \u00fcberdimensionierter Bahnhofshalle) und G\u00f6\u00dfnitz (wo man Gott wei\u00df was durch den nach falscher Eigenaussage l\u00e4ngsten Bahnsteig Deutschlands kompensiert) nach Glauchau. Erstaunlicherweise verschwand hinter G\u00f6\u00dfnitz doch tats\u00e4chlich die Sonne hinter einer fetten Gewitterwolke. Das \u00e4nderte allerdings nichts an der Hitze, und Regen war auch keiner da.<\/p>\n<p>In Glauchau stieg ich in den Bummelzug Richtung Dresden um, der mich dann auch p\u00fcnktlich nach Chemnitz brachte. Zwischendurch wunderte ich mich \u00fcber die Menge der Zelte rings um Hohenstein-Ernstthal, bis mir der Blick in den Kalender verriet, dass am Wochenende die tollk\u00fchnen Irren auf ihren irrwitzigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Motorrad-Weltmeisterschaft\">Motorr\u00e4dern<\/a> auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sachsenring\">Sachsenring<\/a> unterwegs waren. Am Chemnitzer S\u00fcdbahnhof stieg ich aus und stand damit quasi direkt vor der Eingangst\u00fcre des Hotels.<\/p>\n<p><strong>Stadtbummel zum Zweiten<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Einchecken wollte ich nochmal kurz in die Stadt um zwei bis drei Wege zu erledigen. Der erste Weg f\u00fchrte mich in den lokalen Elektronikmarkt, der n\u00e4chste in einen Hosenladen (wo ich allerdings nur einen G\u00fcrtel kaufte, der mir erst im Winter wieder passen wird) und der dritte in einen Supermarkt, da ich meine Zahncreme in G\u00fcsten vergessen hatte &#8211; schei\u00df Hektik am Morgen aber auch. Danach hatte ich vom Stadtbummel bei tropischen Temperaturen aber auch die Schnauze voll, brachte die Eink\u00e4ufe ins Hotel und begab mich anschlie\u00dfend zu meinen Gro\u00dfeltern, wo ich erfreulicherweise mit Eis und kalten Getr\u00e4nken eingedeckt wurde. Aushalten lie\u00df sich die Hitze trotzdem kaum.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter am Abend stie\u00dfen dann auch meine Eltern dazu und brachten meinen Koffer mit, den ich schlie\u00dflich irgendwann nach acht Uhr im Schweinsgalopp zum Hotel schleppte, da nun doch endlich ein Gewitter im Anmarsch war. Und damit endete ein ereignisreicher Tag bzw. eine ereignisreiche Urlaubswoche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag, den 14.8. besuchte ich Weimar. Aufgrund des Wetters wurde es dann allerdings eher ein gem\u00fctlicher Spaziergang im Stadtpark mit ausgedehnter Besichtigung der lokalen Eisbechervariationen. Und sp\u00e4ter am Tag ging es dann weiter Richtung Sachsen. 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