{"id":1843,"date":"2015-08-27T19:30:13","date_gmt":"2015-08-27T17:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1843"},"modified":"2015-08-27T19:30:13","modified_gmt":"2015-08-27T17:30:13","slug":"unterwegs-in-golfsburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2015\/08\/27\/unterwegs-in-golfsburg\/","title":{"rendered":"Unterwegs in Golfsburg"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Plan stand die Fahrt in die mitteldeutsche Pampa, gleich links von der Altmark. Und da trieb ich mich in einer Stadt herum, die erst 1938 gegr\u00fcndet worden war, wegen eines von Ferdinand Porsche konstruierten Autos, dass sp\u00e4ter in die Geschichtsb\u00fccher und Museen einging. Ich ging an diesem Tag auch in die Museen ein, allerdings als Besucher \ud83d\ude09<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Tag begann wie die allermeisten anderen auch mit dem Aufstehen, aber ungewohnt fr\u00fch am Morgen, n\u00e4mlich bereits gegen 6 Uhr. Grund hierf\u00fcr war ganz einfach, dass der morgendliche Zug nach Magdeburg um 6:33 Uhr direkt weiter nach Wolfsburg f\u00e4hrt, w\u00e4hrend man bei allen sp\u00e4teren Z\u00fcgen in Magdeburg umsteigen muss. Au\u00dferdem ist der Verkehr zwischen Magdeburg und Wolfsburg nicht so regelm\u00e4\u00dfig, mit dem n\u00e4chsten Zug w\u00e4re ich erst deutlich sp\u00e4ter in der Stadt der Autos angekommen. So aber verd\u00f6ste ich die ersten Kilometer bis Magdeburg gem\u00fctlich, da eh bekannt. Ab Magdeburg ging es nun auf wackeligem Untergrund in nordwestlicher Richtung durch langweilige Landschaft. Das einzig spannende an der Strecke ist der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mittellandkanal\">Mittellandkanal<\/a>, der mehrfach \u00fcberquert wird.<\/p>\n<p><strong>Physik f\u00fcr Anf\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Den Lacher des Morgens hatte ich dann irgendwo bei Haldensleben, als wir auf den Gegenzug warten mussten. Da kam doch anschlie\u00dfend glatt die Ansage, dass wir jetzt &#8222;ungef\u00e4hr sechs Minuten Verz\u00f6gerung&#8220; haben w\u00fcrden. Dass ein Schaffner kein Physikdiplom braucht, sondern eins in Psychologie und Menschenkenntnis ist ja nun nix neues, aber man kann das Kind doch auch einfach beim Namen nennen und &#8222;Versp\u00e4tung&#8220; sagen. Eine Verz\u00f6gerung ist eine Beschleunigung mit Minus davor, und die berechnet sich nach wie vor als delta v \/ delta t und deswegen hat das Ergebnis auch die Einheit Meter pro Quadratsekunde. Eine Versp\u00e4tung hingegen berechnet sich aus zahllosen chaotischen Einzelfaktoren und ergibt am Ende eine Zeit, gemessen in Minuten und grunds\u00e4tzlich positiv (und meistens mit viel zu gro\u00dfem Wert). Mit dieser &#8222;Verz\u00f6gerung&#8220; kamen wir dann auch in Wolfsburg an.<\/p>\n<p><strong>Zeit totschlagen<\/strong><\/p>\n<p>Als ich in Wolfsburg ausstieg war es ungef\u00e4hr 8:40 Uhr. Laut Internet sollte das VW-Museum um 9 Uhr \u00f6ffnen, allerdings stand im Kleingedruckten noch der nette Satz, dass w\u00e4hrend der nieders\u00e4chsischen Sommerferien erst um 10 Uhr ge\u00f6ffnet wird. Damit hatte ich nun bl\u00f6derweise viel Zeit. Diese \u00fcberbr\u00fcckte ich, in dem ich mich erstmal in der Gegend umsah. Direkt neben dem Bahnhof ist das Science Center <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ph%C3%A6no\">ph\u00e6no<\/a>, und gegen\u00fcber vom Bahnhof steht auf der anderen Seite des Mittellandkanals direkt das VW-Werk, inklusive einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke vom Bahnhof \u00fcber den Kanal bis vor die Eingangst\u00fcre der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Autostadt\">Autostadt<\/a>.<\/p>\n<p>Da stellte ich mich erstmal hin und beobachtete das Treiben auf dem Bahnhof. Hinter mir hasteten die Mitarbeiter der Autostadt zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen. Grinsen musste ich \u00fcber eine Hostess in einem typischen Businesskost\u00fcm, die mit Turnschuhen zum Fahrstuhl eilte, und dann im Fahrstuhl (war von au\u00dfen zu sehen wegen Glasw\u00e4nden) die High Heels auspackte. Verst\u00e4ndlich, wer will schon den ganzen Tag so dusslig in der Gegend herumst\u00f6ckeln.<\/p>\n<p>Ich hatte dann erstmal genug vom herumstehen und latschte in meinen ausgewalzten Bequemtretern die ungef\u00e4hr 2 Kilometer bis zum VW-Museum. Aus Richtung Braunschweig zogen bedrohliche Regenwolken auf, es blieb aber trocken, und gegen k\u00fchlere Temperaturen war ja auch nichts einzuwenden. Damit hatte ich dann auch die Wartezeit bis zur \u00d6ffnung totgeschlagen und widmete mich nun der Besichtung des ersten Museums des Tages.<\/p>\n<p><strong>Vierr\u00e4drige Krabbelviecher<\/strong><\/p>\n<p>Im Museum ging es um die Typgeschichte von VW, und da gibts ja gerade bis 1980 nicht wirklich viele verschiedene Fahrzeuge. Den Hauptteil nimmt nat\u00fcrlich der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/VW_K%C3%A4fer\">K\u00e4fer<\/a> in allen Varianten und Bauformen ein, egal ob mit Holzkarosse, mit Porschemotor und 2m breitem Heck getunt, aus Lego (als Modell), mit Briefmarken verziert oder oder oder. Das gleiche Spiel nat\u00fcrlich mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/VW_Golf\">Golf<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/VW_Polo\">Polo<\/a>, dazu gesellen sich eine Handvoll Busse der Varianten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/VW_T1\">T1<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/VW_T2\">T2<\/a>. Neuere Modelle sind auch vertreten, wenn auch in deutlich geringerem Umfang. Besonders grinsen musste ich \u00fcber ein Unikat auf Basis des K\u00e4fers. Gestalter der Kunstakademie Burg Giebichenstein (oder wie die damals hie\u00df) hatten auf die Bodengruppe des K\u00e4fers eine Sportwagenkarosse gezimmert und dazu dann Blinker vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wartburg_353\">Wartburg<\/a> und die Scheibenwischer sowie Lampen vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trabant_601\">Trabant<\/a> montiert. Wo ein Wille ist&#8230; Insgesamt ist das Museum eher klein, nach einer guten Stunde war ich durch und lief zur\u00fcck in Richtung Bahnhof.<\/p>\n<p><strong>Physik f\u00fcr Anf\u00e4nger zum Zweiten<\/strong><\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Ziel war das Science Center. Das ist nicht direkt ein Museum, sondern eher eine Ausstellung zum Anfassen. Bei jedem Exponat kann man irgendwas dr\u00fccken, Hebel bewegen oder sonstige Aktionen ausl\u00f6sen und kriegt damit dann verschiedenste Ph\u00e4nomene aus allen Bereichen der Physik (haupts\u00e4chlich Mechanik, aber auch Optik, Akustik und Thermodynamik) mehr oder minder anschaulich gezeigt. Das ganze ist eine Spielwiese f\u00fcr Kinder, es rannten auch zahlreiche Grundsch\u00fcler durch die Gegend. Leider hatten die gr\u00f6\u00dftenteils eine Aufmerksamkeitsspanne von 12 bis Mittag und interessierten sich eher nicht f\u00fcr die physikalischen Hintergr\u00fcnde &#8211; Hauptsache es knallt, zischt oder bewegt sich irgendwie.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Besuch werde ich daher Ohrst\u00f6psel mitnehmen, anders h\u00e4lt man einen Raum wie die Sonderausstellung zum Thema <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flipperautomat\">Flipperautomaten<\/a> mit ungef\u00e4hr 20 Ger\u00e4ten ja gar nicht aus (und nicht mal &#8222;Pinball Wizard&#8220; wurde da gespielt&#8230;) Auf jeden Fall kann man sich in der Ausstellung problemlos auch doppelt so lange aufhalten wie ich das tat, mir gingen dann nur irgendwann die Hintergrundger\u00e4usche zu sehr auf die Nerven. Spannend war es aber alle Mal.<\/p>\n<p><strong>Noch mehr Altmetall<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte jetzt noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, also tigerte ich dann doch noch einmal in die Autostadt. Da wurde mir dann erstmal bewu\u00dft, wie riesengro\u00df dieses Areal ist und wie viel Zeit man da verbringen kann. Sogar eine Bootsfahrt auf dem Mittellandkanal wird als Teil des Besuchs angeboten, dazu gibt es die unterschiedlichsten Restaurants von &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Currywurst#Volkswagen-Currywurst\">Werkskantinen-Currywurst<\/a>&#8220; bis zur gehobenen K\u00fcche. Und zwischendrin kann man sich nat\u00fcrlich auch Autos angucken, kreuz und quer aus dem gesamten VW-Konzern. Und nat\u00fcrlich noch ein paar Oldtimer verschiedenster Hersteller.<\/p>\n<p>Und genau letztere interessierten mich am ehesten &#8211; was will ich mir auch einen aktuellen Golf angucken, ist ja nur unser Navi drin \ud83d\ude42 Also stiefelte ich dann erstmal durchs Museum. Dieses konzentrierte sich auf Fahrzeuge, die irgendeinen speziellen technischen oder \u00e4sthetischen Fortschritt darstellten. Das sind dann so Typen wie der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tatra_87\">Tatra 87<\/a>, oder der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bugatti_Royale\">Bugatti Royale<\/a>, oder ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lamborghini_Miura\">Lamborghini Miura<\/a>, oder ein Trabant, oder oder oder. Achja, ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DeLorean_DMC-12\">DeLorean<\/a> war auch ausgestellt, allerdings ohne Flux-Kompensator. Die Zeitreise durch die Automobilgeschichte war auf jeden Fall interessant.<\/p>\n<p>Im Anschlu\u00df guckte ich noch in die Markenpavillons rein. Das ganze Gel\u00e4nde erinnert ja eher an eine Gartenschau mit Blumenrabatten und Springbrunnen, und zwischendrin gibts dann halt f\u00fcr die verschiedenen Firmen im VW-Konzern einzelne Pavillons, wo man sich in die aktuellen Modelle mal reinsetzen kann. Das ist dann gerade f\u00fcr j\u00fcngere Autonarren ein freudiges Ereignis, mal hinter das Steuer eines Porsche klettern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich guckte mich allerdings etwas l\u00e4nger im Audi-Pavillon um. Da bekommt man am Eingang eine Plastekugel in die Hand und darf dann von sich behaupten &#8222;Ich bin ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ood\">Ood<\/a>.&#8220; (den wird nur wieder au\u00dfer meinem Bruder keiner kapieren&#8230;). Jedenfalls interessierte mich da nat\u00fcrlich auch am ehesten mal unser Navi im Auto, welches allerdings deaktiviert war wegen Z\u00fcndung aus. Muss ich also doch weiter zu den Kollegen der Testabteilung gehen, die das Ger\u00e4t auf dem Tisch stehen haben&#8230;<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Damit war es Zeit, die R\u00fcckfahrt anzutreten. Geplant war ein Umweg \u00fcber Berlin, damit ich noch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schnellfahrstrecke_Hannover%E2%80%93Berlin\">Schnellfahrstrecke<\/a> von Wolfsburg nach Berlin befahren kann, denn die kannte ich auch noch nicht. Also stand ich p\u00fcnktlich viertel nach zwei am Bahnhof. Allein was nicht p\u00fcnktlich war, war der Zug. Der hatte wegen irgendwelcher &#8222;Verz\u00f6gerungen im Betriebsablauf&#8220; 10 Minuten Versp\u00e4tung. Ob diese Verz\u00f6gerungen physikalisch korrekte Einheiten hatten war mir dann aber auch egal.<\/p>\n<p>Die erste Klasse war recht leer, und so ging es nun auf in Richtung Berlin. Allerdings nur bis irgendwo bei Gardelegen, dort standen wir dann erstmal weiter dumm in der Gegend herum. Grund war eine Baustelle, deswegen war Stau und wir mussten warten. Damit waren aus 10 Minuten Versp\u00e4tung ungef\u00e4hr 35 geworden. Auch das war f\u00fcr mich noch kein Grund zur Panik, da ich in Berlin ungef\u00e4hr 45 Minuten zum Umsteigen hatte. Die hatte ich eigentlich zur Futtersuche eingeplant, daraus wurde nun aber nix mehr, stattdessen stieg ich einfach nur um in den Zug Richtung Magdeburg. Dabei merkte ich erstmal wie verflixt warm es im Osten war. In Wolfsburg war es den ganzen Tag bedeckt gewesen, die Temperaturen lagen irgendwo bei 22 Grad, w\u00e4hrend in Berlin knapp an den 30 Grad gekratzt wurde.<\/p>\n<p>Zum Rest der Fahrt gibt es dann nicht mehr viel zu erz\u00e4hlen, die Strecke bin ich oft genug gefahren, nur die Anzahl der G\u00fcterz\u00fcge zwischen der Elbbr\u00fccke bei Magdeburg und dem Hauptbahnhof war beachtlich &#8211; in ungef\u00e4hr 10 Minuten f\u00fcnf G\u00fcterz\u00fcge sehe ich nicht jeden Tag. Damit war der Tag dann aber auch vorbei, bis auf eine komplizierte Planung der Reise des n\u00e4chsten Tages. Das ist aber bereits eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Plan stand die Fahrt in die mitteldeutsche Pampa, gleich links von der Altmark. Und da trieb ich mich in einer Stadt herum, die erst 1938 gegr\u00fcndet worden war, wegen eines von Ferdinand Porsche konstruierten Autos, dass sp\u00e4ter in die Geschichtsb\u00fccher und Museen einging. 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