{"id":1714,"date":"2014-09-15T22:23:36","date_gmt":"2014-09-15T20:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1714"},"modified":"2014-09-15T22:23:36","modified_gmt":"2014-09-15T20:23:36","slug":"ab-durch-die-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2014\/09\/15\/ab-durch-die-mitte\/","title":{"rendered":"Ab durch die Mitte"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag, den 25. August, ging es nach einem Tag Pause erneut quer durch die Republik. Das Reiseziel war der \u00f6stlichste Rand der Republik, n\u00e4mlich G\u00f6rlitz. Auf dem R\u00fcckweg sollte in Chemnitz Station gemacht werden, weil die Fahrt von G\u00f6rlitz nach G\u00fcsten die zur Verf\u00fcgung stehende Zeit gesprengt h\u00e4tte. Und so lief das dann ab:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Tag begann mit H\u00e4ndesch\u00fctteln, weil ich zuf\u00e4lligerweise Geburtstag hatte. Danach ging es \u00fcber Magdeburg nach Berlin. Diese Tour hatte ich schon mehrfach gemacht &#8211; um 2000 herum sogar jeden Sonntag und zuletzt erst im Juli beim Museumsbesuch in Berlin &#8211; weswegen ich die Zeit f\u00fcr technischen Dienst an den Augen nutzte (auf gut Deutsch: Augenlider von innen angucken aka schlafen). Am sp\u00e4ten Vormittag stand ich dann bei sch\u00f6nem Sonnenschein am Berliner Ostbahnhof und sah mir mit einem unguten Gef\u00fchl in der Magengegend die Abfahrtstafel an.<\/p>\n<p>Mein Zug Richtung Cottbus kam aus Wismar und hatte eine Versp\u00e4tung von 10 Minuten. Das w\u00fcrde bedeuten, dass mein Anschluss in Cottbus weg w\u00e4re und ich erst eine Stunde sp\u00e4ter in G\u00f6rlitz ankommen w\u00fcrde. In Anbetracht des festen Zeitplans (ich war abends in Chemnitz zum Essen eingeladen) \u00fcberlegte ich mir schon Ausweichziele (Berlin oder Dresden angucken geht immer). Dann kam der Zug und ich staunte erstmal nicht schlecht: Ein Doppelstock-Triebwagen war f\u00fcr mich eine Premiere. Die Fahrt war sehr bequem, es gab ein elektronisches Anzeigesystem mit der prognostizierten Ankunftszeit, Brosch\u00fcren \u00fcber das Unternehmen und eine superfreundliche junge Zubine. Die hatte nicht nur einen Haufen Blech im Gesicht, sondern auch ein charmantes L\u00e4cheln und ansteckend gute Laune (das hab ich zwar schon gestern geschrieben, aber das kann man nicht oft genug wiederholen, denn mies gelaunte Fahrkartenkontrolleure hab ich echt genug gehabt auf meinen Touren). Sie beruhigte alle nerv\u00f6sen Reisenden wegen der Anschl\u00fcsse, hatte f\u00fcr alles ein offenes Ohr und kriegte auch problemlos fehlerfreie Ansagen der Anschl\u00fcsse ohne Denkpausen oder nerv\u00f6ses Nachschlagen im Fahrplan zustande. So w\u00fcnsch ich mir das \u00f6fter.<\/p>\n<p>In Cottbus klappte der Anschluss dann auch problemlos, die Versp\u00e4tung war auf ca. f\u00fcnf Minuten geschrumpft, und der andere Zug am Bahnsteig gegen\u00fcber wartete auf uns. Und so ging es nun durch die ostdeutsche Pampa, die in erster Linie aus Wald besteht. Links B\u00e4ume, rechts B\u00e4ume, und in 50m Entfernung zur Bahnlinie Schilder &#8222;Betreten verboten, Lebensgefahr!&#8220; Diese begr\u00fcndet sich aus den Hinterlassenschaften diverser Milit\u00e4rtruppenteile. Und pl\u00f6tzlich steht man in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6rlitz\">G\u00f6rlitz<\/a>.<\/p>\n<p>Als erstes f\u00e4llt einem die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_G%C3%B6rlitz\">Bahnhofshalle<\/a> auf, die noch den Flair der alten Zeiten hatte, als Lokomotiven noch rauchten und t\u00e4glich mehrere Schnellz\u00fcge Richtung Dresden, Berlin und Breslau fuhren. In diesem Zusammenhang kann man auch konstatieren, dass G\u00f6rlitz heute die \u00f6stlichste Stadt Deutschlands ist, damals aber genau die Mitte des Kaiserreichs darstellte, weswegen anno <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesetz_betreffend_die_Einf%C3%BChrung_einer_einheitlichen_Zeitbestimmung\">1892 die Deutsche Uhrzeit<\/a> auf den 15. L\u00e4ngengrad festgelegt wurde, der gerade durch G\u00f6rlitz verl\u00e4uft. Historisch gibt es da also einige gute Gr\u00fcnde, dem Ort einen Besuch abzustatten.<\/p>\n<p>Und so lief ich nun in Richtung der Altstadt, wobei der Begriff hier eher falsch ist, denn in G\u00f6rlitz ist eigentlich alles alt &#8211; nur eben unterschiedlich alt. Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen St\u00e4dten entfiel hier das Kapitel &#8222;vollst\u00e4ndige Zerst\u00f6rung im Zweiten Weltkrieg&#8220; vollst\u00e4ndig, weswegen hier noch originale Bausubstanz vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert eintr\u00e4chtig nebeneinander steht. Man muss allerdings dazu sagen, dass lange nicht jedes Geb\u00e4ude einen guten Eindruck macht, es gibt gen\u00fcgend vernagelte Eing\u00e4nge, weil die Eigentumsverh\u00e4ltnisse nicht gekl\u00e4rt sind. Einige Nebenstra\u00dfen sehen auch so aus, als h\u00e4tte man 1990 und nicht 2014. Die allermeisten Ecken sind aber hervorragend restauriert und rechtfertigen alleine die Reise.<\/p>\n<p>Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass die Nei\u00dfe als Grenzfluss durch G\u00f6rlitz f\u00fchrt. Man kann eine Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke \u00fcberqueren und steht pl\u00f6tzlich in Polen &#8211; ohne Kontrolle, ohne Pass, ohne alles, einfach nur 50 Meter laufen und pl\u00f6tzlich ist man in einem anderen Staat &#8211; schon irgendwie schr\u00e4g wenn man sich das mal bewusst macht. A propos Br\u00fccke &#8211; die beeindruckendste Br\u00fccke ist der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nei%C3%9Feviadukt_%28G%C3%B6rlitz%29\">Eisenbahnviadukt<\/a> der Strecke Richtung Breslau. Ich wanderte ein gutes St\u00fcck entlang der Nei\u00dfe direkt durchs Gr\u00fcne, unter dem Viadukt entlang und dann wieder den H\u00fcgel hinauf, vorbei an der ehemaligen Pioniereisenbahn und dann noch zum Aussichtspunkt neben dem Viadukt. Da qualmt zwar heute keine Dampflok mehr mit einem Schnellzug durch die Gegend, da dieselt h\u00f6chstens noch ein roter Triebwagen durch die Gegend, aber beeindruckend ist das Bauwerk allemal. Achja, an der Landskron-Brauerei kam ich auch noch vorbei, bevor ich wieder in Richtung Bahnhof hastete, um mitten im nachmitt\u00e4glichen Feierabendverkehr nach Bischofswerda zu gondeln.<\/p>\n<p>Dort musste ich umsteigen um nach Dresden zu gelangen. Das klappte auch problemlos, nur das Wetter fiel ein wenig in sich zusammen, statt Sonnenschein gabs nun bedeckten Himmel. In Dresden hatte ich nur vier Minuten zum Umsteigen, das war aber kein Problem, da der Zug Richtung Chemnitz bereits am gegen\u00fcberliegenden Bahnsteig stand. Und so begann der letzte Abschnitt der Tagesreise, der dann noch einmal ein Highlight eisenbahntechnischer Natur enthielt, n\u00e4mlich die Tharandter Rampe. Da geht es auch mit elektrischem Antrieb nicht so wirklich flott voran, und auch der Rest der Strecke durch die Randausl\u00e4ufer des Erzgebirges ist sch\u00f6n. Damit kam ich dann p\u00fcnktlich in Chemnitz an, wo der Abend mit einem guten Essen in der N\u00e4he des Schlossteiches beschlossen wurde. Und am n\u00e4chsten Tag ging es mitten in der Nacht auf zur letzten gro\u00dfen Tour des Urlaubs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 25. August, ging es nach einem Tag Pause erneut quer durch die Republik. Das Reiseziel war der \u00f6stlichste Rand der Republik, n\u00e4mlich G\u00f6rlitz. Auf dem R\u00fcckweg sollte in Chemnitz Station gemacht werden, weil die Fahrt von G\u00f6rlitz nach G\u00fcsten die zur Verf\u00fcgung stehende Zeit gesprengt h\u00e4tte. Und so lief das dann ab:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1714"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}