{"id":1647,"date":"2014-08-31T21:44:36","date_gmt":"2014-08-31T19:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/uwe.s2000.at\/?p=1647"},"modified":"2014-08-31T21:44:36","modified_gmt":"2014-08-31T19:44:36","slug":"eine-seefahrt-die-ist-lustig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.domaratius.de\/blog\/2014\/08\/31\/eine-seefahrt-die-ist-lustig\/","title":{"rendered":"Eine Seefahrt die ist lustig&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind urlaubstechnisch beim Sonntag, dem 17.8., angekommen. An diesem sch\u00f6nen Tage war ich zwar den ganzen Tag unterwegs, allerdings eher auf die gem\u00e4chlich Tour, n\u00e4mlich erst mit dem Schiff, dann zu Fu\u00df und am Ende doch noch mal mit der Bahn. Aber der Reihe nach&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich hatte mich ja bereits am ersten Tag in Koblenz dar\u00fcber informiert, wann und wo die Schiffe f\u00fcr Rheintouren ablegen. So machte ich mich also kurz nach acht Uhr morgens auf durch die menschenleere Stadt in Richtung Rheinufer. Unterwegs wurden noch ein paar Fotos gemacht, bevor ich mich am Anlegeplatz einfand. Dort lag das Schiff, der Raddampfer Goethe, es standen auch einige Leute herum, allein mir fehlte noch der Fahrschein. Und wer keinen Fahrschein hat, wird auch gerne mal <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Indiana_Jones_und_der_letzte_Kreuzzug\">aus dem Zeppelin geschmissen<\/a>. Und Lust auf ein Bad im Rhein hatte ich dann doch nicht.<\/p>\n<p>Gegen dreiviertel acht (bzw. viertel vor acht, was inhaltlicher Bl\u00f6dsinn ist, weil das Glas auch dreiviertel voll und nicht viertel vor voll ist, weswegen man sich auch auf 8:45 Uhr einigen kann), machte dann aber der Fahrkartenschalter f\u00fcr 10 Minuten auf, so dass ich die notwendigen Papiere zum Betreten des Schiffes erhalten konnte, indem ich mich von anderen Papieren aus meiner Brieftasche trennte. Tauschgesch\u00e4ft wird sowas allgemeinerweise genannt. Mit dem Fahrschein in der Hand durfte ich nun das Schiff entern (fr\u00fcher brauchte man f\u00fcr sowas noch Enterhaken und so Zeugs) und mir einen sch\u00f6nen Platz auf dem hinteren \u00fcberdachten Aussichtsdeck sichern. Und gegen neun Uhr gings los <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Welterbe_Kulturlandschaft_Oberes_Mittelrheintal\">den Rhein hinauf<\/a> in Richtung R\u00fcdesheim.<\/p>\n<p>Da sa\u00df ich nun auf der Holzbank, geno\u00df die hinter den H\u00fcgeln hervorkriechende Sonne und stellte schnell fest, dass es auf hoher See m\u00e4chtig zieht. Ein Pullover mit Kapuze w\u00e4re praktisch gewesen, hatte ich nur nicht dabei, so dass das Hochklappen des Kragens der Jacke reichen musste.<\/p>\n<p>Hinter mir sa\u00df ein Gro\u00dfelternpaar mit zwei Grundschulkindern, welches sich die Zeit mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stadt,_Land,_Fluss\">Stadt, Land, Flu\u00df<\/a> vertrieb und sehr schnell anfing sich zu streiten, ob der Bruder nun noch was hinschreiben durfte, wenn die Schwester schon fertig war, oder ob &#8222;Einbrecher&#8220; ein g\u00fcltiger Beruf sei oder eben nicht. Man k\u00f6nnte es ja auch mit Elefantenw\u00e4rter im Zoo probieren \ud83d\ude09 Ob nun das Sauerland ein Land ist war nicht so wichtig, da man sich immer mit Spanien und Schweden zu behelfen wusste. Es war auf jeden Fall lustig da mal mit einem halben Ohr hinzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Schiff tuckerte als gem\u00e4chlich den Rhein entlang und klapperte die einzelnen Orte ab, angefangen bei Boppard, gefolgt von Kamp-Bornhofen, St. Goar und St. Goarshausen und so weiter. \u00dcberall wurde kurz angelegt, bevor man sich wieder in den dichten Verkehr einsortierte. Einige Frachter \u00fcberholten wir so ein halbes Dutzend mal auf der Tour. Ebenfalls wichtig waren die Hinweise auf die unz\u00e4hligen Burgen und Schl\u00f6sser auf den H\u00e4ngen links und rechts, wobei sich ja kein Mensch merken kann, was da wo steht, und warum es <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burg_Katz\">Burg Katz<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burg_Maus\">Burg Maus<\/a> gibt (scheint ein vererbter Sprachwitz zu sein). Am <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Loreley\">Loreley-Felsen<\/a> wurde es dann kulturell bedeutsam, dort wurde das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Lore-Ley\">Loreley-Lied<\/a> gespielt (und anschlie\u00dfend noch auf Englisch, Italienisch, Spanisch und Franz\u00f6sisch anmoderiert, was zeitformtechnischer Bl\u00f6dsinn ist).<\/p>\n<p>Weiter ging es dann \u00fcber Oberwesel, Kaub (mit seiner Zollstation mitten im Rhein) und den Weinort Bacharach, bis wir schlie\u00dflich gegen 15:30 R\u00fcdesheim erreichten. Ja, \u00fcber sechs Stunden f\u00fcr rund 60 Kilometer Rhein. Was mich auf der Tour etwas irritierte war der Zugverkehr. Da hat man nun am linken und rechten Ufer zwei Bahnstrecken, die zu den meistbefahrenen Strecken Deutschlands geh\u00f6ren, und dann war nur auf der einen wirklich was los. Mein pers\u00f6nlicher H\u00f6hepunkt war der s\u00fcdw\u00e4rts fahrende IC mit der musealen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DB-Baureihe_103\">103<\/a> an der Spitze, den ich leider nicht geknipst hab. Immerhin fuhren auf der linken Rheinstrecke aber zahlreiche weitere Personen- und auch G\u00fcterz\u00fcge, auf der rechten Rheinstrecke war hingegen ziemlich tote Hose, gerade mal ein G\u00fcterzug kam durch, gezogen von einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EMD_JT42CWR\">Class 66<\/a>. Daf\u00fcr kamen min\u00fctlich andere Schiffe in Sicht, es wurde also nicht langweilig.<\/p>\n<p>In R\u00fcdesheim angekommen fasste ich den Entschluss, mir mal den Ort anzuschauen, der \u00fcber eine sehr sehenswerte Altstadt verf\u00fcgen soll. Das wiederum war jedoch mit einigen Hindernissen verbunden. Zun\u00e4chst einmal musste vom Schiffsanleger aus die Rechte Rheinstrecke \u00fcberquert werden, um in die Stadt zu gelangen. Und weil das Gesetz von der Erhaltung der Gemeinheit zutrifft passierte genau das womit man extrapolierend aus den vorherigen sechs Stunden nicht rechnen konnte: Es kam ein G\u00fcterzug, gezogen von zweimal <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DB-Baureihe_151\">BR 151<\/a>, wenn ich mich recht entsinne ein Ganzzug von Sch\u00fcttgutwaggons. Danach gingen die Schranken hoch und ich in die Stadt.<\/p>\n<p>Gehen ist hierbei ein dehnbarer Begriff, man wurde mehr geschoben. Auf dem Marktplatz standen jede Menge Buden, wo die verschiedenen Winzer ihre aktuellsten Weine zum Probieren und Kaufen feilboten. \u00dcberall nur Menschenmassen, und keine Chance irgendwo mal in Ruhe zu verweilen. Das war also mal \u00fcberhaupt nix f\u00fcr mich. Wie ich sp\u00e4ter feststellte, war gerade an diesem Wochenende Weinfest in R\u00fcdesheim. Kann man halt nix machen, muss man durch.<\/p>\n<p>Irgendwie landete ich aus dem Gedr\u00e4nge heraus vor dem Eingang zum Foltermuseum. Die gr\u00f6\u00dfte Folter daran war der Eintrittspreis von 5.50 EUR f\u00fcr dreieinhalb Kellerr\u00e4ume, in denen es dann thematisch um die Spanische Inquisition und die Hexenverfolgung ging. Dort wurde dann einiges an Folterwerkzeug ausgestellt, ebenso wurde \u00fcber die rechtlichen Hintergr\u00fcnde und die entsprechende Gesetzgebung informiert, so sonderlich spannend wars aber auch nicht. Das Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber soll in der Hinsicht deutlich sehenswerter sein, muss ich mir bei Gelegenheit dann auch mal anschauen. Theoretisch gibt es in R\u00fcdesheim auch noch ein Spielzeugmuseum mit Modellbahn der Rheinstrecke (so hatte ich es gelesen), allerdings hatte ich dann keinen Bock mehr, weiter durch die Stadt geschoben zu werden.<\/p>\n<p>Trotzdem ging es mit Schiebung weiter, n\u00e4mlich durch die bekannte Drosselgasse und von dort aus zum Bahnhof. Dort kam als erstes ein&#8230; G\u00fcterzug durch (Containerzug mit irgendeiner modernen Drehstromlok). Dann kam der Zug Richtung Frankfurt und die Leute stapelten sich im Zug. Runde f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter wiederholte sich das Spiel beim Zug Richtung Koblenz. Die Leute dr\u00e4ngelten in den Zug, so dass ich aus der dritten Reihe hinter der T\u00fcre erstmal ein &#8222;Aussteigen lassen!&#8220; in die Menge br\u00fcllte, denn in einen vollen Zug mehr Leute reinquetschen wollen geht nun mal nicht. Mir konnte die Hektik ja auch v\u00f6llig Bockwurst sein, denn ich stieg ganz gem\u00fctlich als fast Letzter ein, und w\u00e4hrend sich alle rechts w\u00fcste K\u00e4mpfe um die Klappsitze im Fahrradabteil lieferten, wandte ich mich nach links und hatte die freie Auswahl aus 16 Pl\u00e4tzen der ersten Klasse&#8230; Direkt nach Fahrtbeginn kam auch prompt der Schaffner und wollte den Fahrschein sehen. Klar, kein Thema, er grinste mich nur an und meinte dann so: &#8222;Na das hat sich ja f\u00fcr Sie doppelt gelohnt, da haben Sie jetzt hier das gro\u00dfe Los gezogen.&#8220; Ich wei\u00df schon, warum ich an der Stelle den Snob raush\u00e4ngen lasse.<\/p>\n<p>Die Fahrt selbst verlief dann total ereignislos, ich stellte lediglich fest, dass man von der Rechten Rheinstrecke aus einen sch\u00f6nen Blick auf die zahlreichen Schl\u00f6sser auf der linken Rheinseite hat und ebenso nat\u00fcrlich einen guten Blick auf die relevanten Orte wie Bacharach, Oberwesel und Boppard. Au\u00dferdem f\u00fchrt die Strecke unverbaut direkt am Rhein lang (die Linke Rheinstrecke durchquert die ganzen Orte), so dass man sogar einen noch besseren Blick auf den Rhein hat. Jedenfalls purzelte ich dann eine Stunde sp\u00e4ter in Koblenz-Stadtmitte aus dem Zug und musste so nur einmal \u00fcber die Stra\u00dfe zur\u00fcck ins Hotel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind urlaubstechnisch beim Sonntag, dem 17.8., angekommen. An diesem sch\u00f6nen Tage war ich zwar den ganzen Tag unterwegs, allerdings eher auf die gem\u00e4chlich Tour, n\u00e4mlich erst mit dem Schiff, dann zu Fu\u00df und am Ende doch noch mal mit der Bahn. 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